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Münchner Stadtverwaltung gegen Software von Microsoft

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Die Münchner Stadtverwaltung will rund 10.000 PCs nicht mehr mit Software von Microsoft laufen lassen, berichtet die Süddeutsche Zeitung. Der Stadtrat werde in der kommenden Woche eine Studie in Auftrag geben, die prüfen soll, ob es sich für die Stadt lohnt, auf so genannte Open-Source-Software und das Betriebssystem Linux umzusteigen.

Anlass der Studie sei die neue Preispolitik, die Microsoft zusammen mit dem neuen Betriebssystem Windows XP einführte. Microsoft-Kunden müssen jetzt jährlich für Software-Lizenzen bezahlen. Bei den 10.000 städtischen PCs käme eine Summe von zirka 4,5 Millionen Euro zusammen. Mit allen technischen Tricks und Kniffen betreibe Microsoft eine Monopolpolitik, die eines Tages zu einer totalen und kostspieligen Abhängigkeit führen werde, so SPD-Stadtrat Gerd Baumann, Leiter der IT-Abteilung der Landesversicherungsanstalt Oberbayern.

Ebenfalls heikel: Da bei der elektronischen Registrierung der Lizenzen Daten von Stadtcomputern an Microsoft flössen, die nicht eingesehen werden könnten, setze sich die Stadtverwaltung einem unkalkulierbaren Risiko aus. "Wir können nicht kontrollieren, ob Microsoft womöglich Zugang zu hoch sensiblen Daten der Stadt gewinnt", erklärte der Vertreter des städtischen Amts für Informations- und Datenverarbeitung, Helmut Hoefer.

Microsoft sah sich schon mehrfach gezwungen, den Windows-Sourcecode offen zu legen: im Februar erhielten neun US-Bundesstaaten Einblick in den Quellcode, im November signalisierte der Software-Riese Entgegenkommen bei deutschen Bundesbehörden. Dies sei für München nicht zu erwarten: "Gegen Microsoft-Chef Bill Gates sind wir ganz klein", sagt Hoefer, "das ist, als ob man bei Tengelmann über einen Stängel Petersilie verhandeln würde."

Doch München könnte hier eine Lawine lostreten: Auch andere Städte und Behörden zeigten sich an der Münchner Studie interessiert. (mgo)

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