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Mulberry-Hersteller gibt auf

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Das mit E-Mail-Kommunikation und Sicherheitslösungen befasste Softwarehaus Isamet, entstanden aus der Verschmelzung von Cyrusoft International und IES Lab, ist pleite. Der Hersteller des beliebten E-Mail-Clients Mulberry hat den Konkurs gemäß Titel 11, Kapitel 7 ("Liquidation") des United States Code angemeldet und die Geschäftstätigkeit eingestellt.

In einem Abschiedsbrief an die Community bedauert Mulberry-Schöpfer Cyrus Daboo, der nach eigenen Angaben bereits vor zehn Jahren die ersten Codezeilen der ursprünglichen IMAP-Client-Fassung für den Mac schrieb, dass es ihm nicht möglich gewesen sei, den Konkurs abzuwenden. Eine Reihe von Ereignissen, so Daboo, sei in den letzten Monaten zusammengekommen und habe zur Zahlungsunfähigkeit seines Unternehmens geführt.

Das E-Mail-Programm, dessen Funktionsreichtum und filigrane Konfigurierbarkeit neben der hohen Geschwindigkeit beim Postfächerabgleich besonders Nutzern von IMAP-Accounts zugute kommen, wird nun nicht mehr weiterentwickelt. Die gerade erst fertiggestellte Release 4.0.4 für Mac OS X und Windows beziehungsweise 4.0b4a für Linux und Solaris steht nun bis auf weiteres zum kostenlosen Download bereit.

Daboo hält es nicht für wahrscheinlich, dass es für seinen Client nach der Abwicklung des Unternehmens eine Zukunft gibt. Die Möglichkeiten, den Code als Open Source freizugeben, seien begrenzt, da man Rechte Dritter beachten müsse. Zudem erforderten die Entwicklerwerkzeuge, die für weitere Pflege des Programms nötig seien, erst eine aufwendige Umarbeitung, bevor Nichteingeweihte sie nutzen könnten. Angesichts der Zahl bereits bestehender Open-Source-E-Mail-Programme stelle sich die Frage, ob das Ziel die Mühe wert sei.

Auch einer eventuellen kommerziellen Weiterentwicklung in der Zukunft gibt Daboo keine Chance. Gegenwärtig habe der Konkursverwalter seine Hand auf allem, was dem Unternehmen gehöre, auch auf der gesamten Software. Selbst wenn es möglich sei, das Programm irgendwann wieder aufzubauen und weiterzuentwickeln, werde doch der Kundenstamm in der Zwischenzeit notwendigerweise zu anderen E-Mail-Clients abgewandert sein. Maildaten aus Mulberry für den Umstieg zu anderen Programmen zu konvertieren, sei nicht besonders schwierig, da sämtliche benutzten Datenformate auf Standards beruhten. Lediglich Filterregeln und Konfigurationen müssten Umsteiger neu erarbeiten.

Die Website (damit auch der Download der letzten Mulberry-Version) und die Kunden-Mailingliste sollen noch eine Weile weiterlaufen, bevor "der Stecker gezogen" werde. So könne die Diskussion über die Eregnisse auch beim Fortlaufen des Konkursverfahrens weitergehen. Er selbst, Cyrus Daboo, werde jedoch keine weiteren Kommentare abgeben können.

Daboo schließt seine Botschaft mit den Worten: "Es ist eine ziemliche Achterbahnfahrt gewesen, besonders in der letzten Zeit, und traurigerweise ist unser Mulberry-Baum nun gefällt worden. Es war sehr angenehm, zusammen mit euch allen zu arbeiten, und ich wünsche euch für die Zukunft alles Gute." (psz)