Musicload will DRM loswerden

Der Online-Musikhändler von T-Online verkündet das "Comeback von MP3" und bezeichnet DRM als ernsthaftes Hindernis bei der Entwicklung des legalen Download-Marktes.

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Nach Apple will sich nun auch Musicload von den digitalen Fesseln in Form von Kopierschutzverfahren befreien. Auf der Titelseite der aktuellen Ausgabe seines unregelmäßig an Medienvertreter verschickten Newsletters "forward" verkündet der Online-Musikhändler von T-Online vollmundig das "Comeback von MP3". Experten seien sich einig, heißt es, dass die von der Musikindustrie angestrebte Steigerung des Umsatzes über den Verkauf von Songs über das Internet auf rund 25 Prozent bis 2010 nur mit offenen Standards zu erzielen sei. Die derzeit auch von Musicload hauptsächlich verwendeten Systeme zum digitalen Rechtemanagement (DRM) würden dagegen "die Nutzung von Musik für den Verbraucher erschweren und verhindern, dass sich der legale Download zum Massenmarkt entwickelt."

Die Front der DRM-Befürworter bröckelt, schreiben die PR-Experten der Musikplattform weiter. Die lange Zeit als "Wunderwaffe" gegen die illegale Weitergabe von Songs gepriesenen Schutzmechanismen stünden zur Diskussion. Nicht jeder online gekaufte Titel laufe automatisch auf jedem digitalen Abspielgerät, greift die Musicload-Postille die Kritik von Gegnern der technischen Kopierblockaden auf. Wer sich einmal für einen Anbieter entschieden habe, könne später nur schwer wechseln. Diese geringe Interoperabitlität der Systeme behindere den Wettbewerb und bremse das Wachstum des digitalen Musikvertriebs.

Probleme mit erstandenen Songs sind bei Musicload "in drei von vier Fällen auf DRM zurückzuführen", erfährt der Newsletter-Leser. Man habe daher Verhandlungen mit den Partnern in der Musikindustrie aufgenommen, "um gemeinsam Alternativen zu entwickeln". Als ersten Erfolg bezeichnet die Plattform die Kooperation mit dem von den Fantastischen Vier gegründeten Independent-Label Four Music. Seit Dezember sei der gesamte Katalog der Berliner Plattenfirma im MP3-Format erhältlich. Die Umstellung habe sich bereits bezahlt gemacht: der Absatz von Four-Music-Künstlern wie Max Herre, Gentleman oder Joy Denalane sei um mehr als 40 Prozent gestiegen. Inzwischen würden auch Indie-Label wie Aredo, K7, Rebeat, Spectre und ZYK ihre Titel als MP3s anbieten.

Die große Frage ist für Musicload aber noch, wann das erste Major-Label die Zeichen der Zeit erkennt. Noch scheine ein vollständiger Verzicht auf einen Kopierschutz für die Großen unvorstellbar, geben sich die Darmstädter hier vorsichtig. Dabei gehe es durchaus ohne DRM. Schützen beziehungsweise zurückverfolgen könne man auch MP3-Songs, etwa durch digitale Wasserzeichen, wie sie das Fraunhofer-Institut für digitale Medientechnologie (IDMT) entwickele.

Anfang Februar hatte sich zuvor bereits Apple-Boss Steve Jobs entschieden gegen DRM ausgesprochen. Er will im iTunes-Shop, der sich hierzulande ein Kopf-an-Kopf-Wettrennen mit Musicload bietet, ebenfalls lieber Musik verkaufen, die mit offenen Standards wie MP3 und AAC kodiert wurde. (Stefan Krempl) / (ciw)