Menü

Musik-Charts: Die Stunde der Internet-Aktivisten

Von
vorlesen Drucken Kommentare lesen 182 Beiträge

Dass Künstler, Musikproduzenten oder Labels mitunter versuchen, Chart-Platzierungen zu manipulieren, um eigenen Produkten mehr Aufmerksamkeit zu verschaffen, ist altbekannt. Neu ist allerdings das Phänomen, dass sich tausende Menschen im Internet zusammenfinden, um Jahrzehnte alte Songs gezielt an die Spitze von aktuellen Single-Charts zu pushen. So geschehen im Dezember: Als Protest dagegen, dass immer wieder der Sieger der Casting-Show X-Factor kurz vor Weihnachten die britischen Single-Charts anführte, starteten Facebook-Mitglieder eine Gegenkampagne.

Und sie hatten Erfolg: Nach über einer halben Million Downloads stürmte der vor 17 Jahren erstmals veröffentlichte Titel "Killing in the Name" von "Rage against the Machine" (Textzeile: "Fuck you, I won't do what you tell me") auf Platz 1 der Single-Charts und avancierte somit zum offiziellen Weihnachtssong 2009 in Großbritannien. Einmal Blut geleckt, soll dieser Coup nun erneut gelingen. Im Mittelpunkt steht diesmal die First Lady von Nordirland, die wegen eines Verhältnisses zu einem 19-Jährigen derzeit durch die Gazetten gepeitscht wird.

Eine inzwischen rund 14.000 Mitglieder umfassende Facebook-Gruppe rief dazu auf, das vor vier Jahrzehnten entstandene Lied "Mrs. Robinson" von "Simon & Garfunkel" an die Spitze der Charts zu pushen. Wegen der öffentlichen Aufregung um das Verhältnis seiner Frau Iris hatte der Regierungschef von Nordirland, Peter Robinson, sein Amt am Montag vorübergehend niedergelegt. Der Song, der auch zum Soundtrack des Films "Die Reifeprüfung" gehört, erlebe in nordirischen Radiostationen und bei Amazon bereits eine Renaissance, heißt es. (pmz)

Anzeige
Anzeige