Musik-Majors sichern sich Anteile an YouTube

Universal, Sony BMG und Warner Music haben nach Informationen aus Verhandlungskreisen kurz vor Googles großem Auftritt kleine Teile des Videoportals gekauft.

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Die Black Eyed Peas sind, wie viele andere Musiker auch, populär auf YouTube. Auf dem Portal gibt es zahlreiche ihrer Musikvideos, zusammen mit anderen Promo-Filmchen von den frühen MTV-Jahren bis heute. Portale wie YouTube sind eine Goldmine für abmahnfreudige Unternehmen und ihre Anwälte. Kein Wunder also, dass die Musikindustrie in Zeiten verschärfter Maßnahmen zum Schutz ihrer Urheberrechte diese Websites genau beobachtet. Nach der spektakulären Übernahme durch Google war eine große Frage, wie sich die Musikkonzerne verhalten. Darauf gibt es jetzt offenbar eine Antwort.

Denn wer in den kürzlich von Universal angestrengten Prozessen gegen die kleineren Websites Bolt und Grouper einen Testlauf für den Frontalangriff auf Google vermutete, hat sich offenbar getäuscht. Umarmung statt Kampf lautet die neue Devise. Wie die New York Times (NYT) berichtet, haben sich drei der großen Musikkonzerne außer Lizenzvereinbarungen auch klammheimlich Anteile an YouTube gesichert. Universal, Sony BMG und Warner Music hätten nach Informationen aus Verhandlungskreisen kurz vor Googles großem Auftritt kleine Teile des Videoportals übernommen. Die Labels hätten die Verhandlungen angesichts des sich abzeichnenden Google-Deals schnell zu Ende gebracht, wissen die Quellen der NYT.

Ob andere Inhalteproduzenten wie Filmstudios oder Fernsehsender, deren Material ebenfalls auf YouTube zu sehen ist, dem Beispiel folgen, bleibt abzuwarten. Hier droht immer noch Gefahr, die Branche rasselt schon mal kräftig mit dem Säbel. Das könnte auch als Startsignal zur Aufnahme von Verhandlungen dienen. Der Deal der Musiklabels könnte ein Umdenken der Inhalteindustrie andeuten, was die Verteilung ihrer Inhalte über das Internet angeht. Das könnte Google vor Angriffen aus dieser Richtung schützen.

Doch während Google auch dank seiner schieren Größe eine gute Verhandlungsposition bei den Rechteinhabern hat, dürften sich kleinere Fische und Nutzer (oder deren Eltern) wohl weiter vor den Anwälten der Rechteinhaber fürchten müssen. (vbr)