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Musik-Streaming: US-Carrier Sprint steigt bei Tidal ein

Der Streaming-Dienst des US-Musikproduzenten Jay-Z bekommt einen neuen Großaktionär: Der Netzbetreiber Sprint sichert sich ein Drittel der Anteile und verspricht seinen 45 Millionen exklusive Inhalte.

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Jay-Z gibt ein Drittel seines Streamingdienstes an den Mobilfunker Sprint ab.

(Bild: dpa, Angelika Warmuth)

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Der US-Mobilfunker Sprint steigt beim Streamingdienst Tidal ein. Sprint werde ein Drittel der Anteile an dem von Produzent Jay-Z gegründeten Musikdienst übernehmen, teilte das Unternehmen am Montag mit. Im Zuge dessen sollen die rund 45 Millionen Sprint-Kunden Zugang zu exklusiven Inhalten der auf Tidal vertretenen Künstler erhalten. Über den Preis der Beteiligung machten beide Unternehmen keine Angaben.

Tidal war Ende März 2015 an den Start gegangen. Das Unternehmen will als Streamingdienst von Künstlern für Fans beiden Seiten etwas Besonderes bieten: Die Künstler haben mehr Kontrolle über ihre Musik und die Profite; die Fans sollen bei Tidal exklusive Veröffentlichungen bekommen, die es anderswo nicht gibt. Neben dem üblichen Streamingangebot von 10 Euro/Dollar pro Monat gibt es bei Tidal auch eine HiFi-Stream für 20 Euro/Dollar.

Dahinter steckt die Technik der norwegischen Firma Aspiro, die neben Tidal zuvor in Europa den HiFi-Streamingdienst WiMP betrieben hatte. Jay-Z hatte Aspiro mit Tidal und WiMP übernommen, um daraus mit anderen Künstlern einen neuen Streamingdienst zu formen. Zu den Unterstützern zählten namhafte Musiker wie Beyoncé, Coldplay, Madonna, Kanye West, Rihanna, Daft Punk, Alicia Keys, Usher, Nicki Minaj oder Arcade Fire.

Bisher sieht es nicht danach aus, dass der exklusive oder frühere Zugang zu Veröffentlichungen dieser Künstler die Kunden in Massen mobilisiert. Im vergangenen Jahr war Tidal deshalb als Übernahmekandidat gehandelt worden – unter anderem Apple war Interesse an dem Streamingdienst nachgesagt worden, um sein eigenes Angebot zu vergrößern. Im September 2016 hatte Apple die Gerüchte dann allerdings dementiert. Apple Music hat derzeit rund 20 Millionen Kunden.

Erst kürzlich hatte Tidal für Schlagzeilen gesorgt, nachdem norwegische Journalisten die bisher kursierenden Abonnentenzahlen in Frage stellten. So sollen die zum einjährigen Bestehen kommunizierten drei Millionen Abonnenten stark übertrieben gewesen sein. Den gleichen Vorwurf hatte Jay-Z nach der Übernahme auch Aspiro gemacht – und eine Entschädigung gefordert, weil der Kaufpreis viel zu hoch gewesen sein.

Während Tidal im April 2016 intern von 1,2 Millionen Abonnenten ausging, habe das Unternehmen Tantiemen für 850.000 Nutzer an die Labels ausgeschüttet, heißt es nun unter Berufung auf interne Unterlagen und Aussagen von Mitarbeitern in einem Bericht der norwegischen Zeitung Dagens Næringsliv. Aus den Bilanzen haben Analysten seither auf etwa 1 Million zahlende Kunden geschlossen. Marktführer Spotify hat nach eigenen Angaben über 40 Millionen Abonnenten.

Mit dem Deal sicher sich einerseits Tidal den Zugang zu den 45 Millionen Kunden des Netzbetreibers Sprint, andererseits kann Sprint seinen Mobilfunkkunden exklusive Musikangebote machen. Wie genau die aussehen sollen, wollen die Unternehmen in Kürze verraten. Auch andere Netzbetreiber und weitere Unternehmen kooperieren im Vertrieb mit Streamingdiensten, um ihren Kunden günstigere Konditionen oder andere Vorteile zu verschaffen. (vbr)