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Musikerverband kritisiert Internet-Pläne der Gema

Nach Ansicht des Deutschen Rock- & Pop-Musikerverbandes schränkt ein Abrechnungsmodell, das die Urheberrechtsgesellschaft Gema vorgestellt hat, die Möglichkeiten von Musikern im Internet stark ein. Für die 50.000 bis 70.000 deutschen Bands, die eigene Songs schreiben, möchte die Gema spezielle Abgaben vorsehen, wenn sie selbst produzierte Stücke kostenlos für Werbezwecke ins Internet stellen. Danach sollen die Künstler für jeden entsprechenden Song monatlich rund 20 Mark an die Gema abführen. Werden die Songs online verkauft, sollen 12 Prozent des Verkaufspreises an die Gema bezahlt werden.

"Für die Musikgruppen und Musiker, die sich und ihre Musik über das Internet vorstellen, hat diese Neuregelung entscheidende Folgen", kritisierte Ole Seelenmeyer, Sprecher des Musiker-Verbands, die Pläne der Gema. Mit 2.400 Mark jährlichen Vorauszahlungen an die Gema müssten Bands rechnen, wenn sie pro Jahr zehn ihrer Songs ins Internet stellen, meint Seelenmeyer. "Für die große Mehrheit der kreativen, unbekannten Musikgruppen und Interpreten ist diese Vorauszahlung nicht finanzierbar", kommentiert er die Pläne der Gema.

Nach Ansicht der Gema erhielten aber die Gruppen mit eigenen Songs einen Großteil der Abgaben im Rahmen der jährlichen Ausschüttungen wieder zurück. Dies zweifelt Seelenmeyer allerdings an: Die Verwertungsgesellschaft habe schon in den letzten Jahren vielen Inhabern von Urheberrechten aus dem Bereich der Rock- und Pop-Musik nicht das Aufkommen zurückerstattet, das ihnen eigentliche zugestanden habe.

Die heftigen Auseinandersetzungen um die Abgaben haben vor allem für unbekannte Gruppen einen ernsten Hintergrund: Gerade für sie erscheint das Internet als beste Möglichkeit, unabhängig von großen Labels und schwierig zu bekommenden Plattenverträgen ein größeres Auditorium zu erreichen. Zudem geht es um ein Geschäft, dem nach Untersuchungen in den nächsten Jahren große Steigerungen bevorstehen: Laut Gema soll im Jahr 2002 in Deutschland durch Musik über das Internet ein Umsatz von 375 Millionen Mark erzielt werden; für die USA werden 1,2 Milliarden Mark prognostiziert. (jk)

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