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Musikindustrie: Mehr Tausch, weniger Kauf

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Die US-amerikanische Musikindustrie beharrt trotz anderslautender Untersuchungen weiter auf ihrem Befund, dass Musiktauschbörsen dem Umsatz schaden. Die Recording Industry Association of America (RIAA) zitiert nun eine Untersuchung der Marktforscher von Peter D. Hart Research, die durch Befragung von 860 Internetnutzern im Alter zwischen 12 und 54 Jahren herausgefunden haben wollen, dass Musiktausch zu vermindertem Musikkauf führe.

Demnach hätten im Mai 2002 etwa 41 Prozent der Befragten, die angaben, sich in den vergangenen sechs Monaten vermehrt Musik aus dem Web zu besorgen, auch gesagt, dass sie sich weniger Songs gekauft hätten als zuvor. Demgegenüber stünden 19 Prozent, die Titel herunterladen würden und nun öfters Musik käuflich erwerben würden.

Doch nicht nur diejenigen, deren Tauschfieber im Untersuchungszeitraum stieg, hätten weniger Musik gekauft. 25 Prozent der Befragten mit gleich bleibendem Tauschverhalten hätten angegeben, dass sie weniger kaufen würden und 13 Prozent, dass sie mehr Titel erwerben würden. Um zu untermauern, wie sehr Internettauschbörsen das Verhalten der Konsumenten beeinflusst, führt die RIAA auch noch diejenigen an, die weniger Musik aus dem Netz bezogen haben. Diese sollen in den sechs Monaten vor dem Mai 2002 zu 22 Prozent weniger und zu 23 Prozent mehr Geld für Musiktitel gezahlt haben.

Angesichts dieser Zahlen behauptet Cary Sherman, Präsident der RIAA, die Musiktauschbörsen und Raubkopien seien die Hauptschuldigen am Rückgang des Umsatzes der Musikindustrie. Denn außerdem stünde einem Zuwachs von 69,9 Prozent bei beschlagnahmten CD-Raubkopien laut PricewaterhouseCoopers im ersten Halbjahr 2002 ein Rückgang beim Verkauf von CDs um 7 Prozent gegenüber.

Die Ergebnisse von Hart Research und PricewaterhouseCoopers bewiesen, dass Musiktauschbörsen und CD-Brenner keineswegs die CD-Verkäufe fördern würden. Sherman kündigt "neue und innovative Wege" an, auf denen der Musiktausch im Internet bekämpft werden soll. Man wolle enger mit staatlichen Stellen zusammenarbeiten, um Konzepte für die Bekämpfung illegalen Musikhandels auszuarbeiten.

Zur Bekräftigung führt die RIAA noch weitere Ergebnisse der Befragung an: 35 Prozent würden beim Hören eines neuen Titels zunächst daran denken, ihn sich aus dem Internet zu besorgen, während 10 Prozent an einen Kauf dächten. Im ersten Halbjahr 2002 würde es aus diesem und anderen Gründen lediglich 20 Titel geben, die sich mehr als eine Million Mal verkauft haben. Im Vorjahr gab es davon 37.

Dass die Musikindustrie gerade jetzt eine solche Studie der Öffentlichkeit präsentiert, verwundert nicht, bekam sie doch von anderen Marktforschungsinstrituten die Leviten gelesen: So meinte etwa Forrester Research, Musiktauschbörsen im Internet seien nicht Schuld am Umsatzrückgang der Musikindustrie. Im Gegenteil: Musik-Downloads seien sogar ein Mittel, den Umsatzschwund zu beseitigen -- dass dies bislang mit den kommerziellen Internet-Angeboten der Branche nicht gelungen sei, daran seien die Labels selbst schuld. In ein ähnliches Horn stieß kurz darauf die Yankee Group. (anw)

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