Musikindustrie will Online-Plattform Phonoline aufgeben [Update]

Noch einen Neuanfang plant die deutsche Musikindustrie bei ihren Plänen und Vorhaben für den Online-Vertrieb von Musik.

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Von
  • Jürgen Kuri

Noch einen Neuanfang plant die deutsche Musikindustrie bei ihren Plänen und Vorhaben für den Online-Vertrieb von Musik, will die Frankfurter Allgemeine Zeitung erfahren haben. Die zur CeBIT gestartete Vertriebsplattform Phonoline, die Webanbieter als Basis für eigene Online-Musikshops nutzen können, soll dafür aufgegeben werden. Die endgültige Entscheidung über Phonoline könnte bereits auf der von Köln nach Berlin umgezogenen Musikmese Popkomm in der kommenden Woche fallen, schreibt die Zeitung. Mittlerweile bestätigten die deutschen Phonoverbände das Ende für Phonoline: Die Phonoline-Handelspartner "können ihre Geschäftsmodelle mit dem neuem Technikpartner T-Online fortsetzen".

Das weitgehend erfolglose Prestigeprojekt der Plattenbranche soll in den Download-Dienst Musicload der Telekom-Tochter T-Online integriert werden. Das dürfte eine gewisse Schadenfreude etwa beim scheidenden T-Online-Chef Thomas Holtrop auslösen: Die Festnetzsparte T-Com war Technikpartner von Phonoline, T-Online dagegen wurde konzernintern immer wieder scharf kritisiert, mit Musicload eine Parallelveranstaltung zu den Vorhaben der Musikindustrie im Konzert mit T-Com zu betreiben. Nun machen angeblich die Plattenfirmen die T-Com für die zahlreichen Probleme bei Phonoline verantwortlich.

Frank Briegmann, Chef von Universal Music Deutschland, meinte gegenüber der FAZ, man werde sich sehr kurzfristig entscheiden, wie man die "verschiedenen Online-Aktivitäten der Telekom und von uns gemeinsam optimieren kann". Kritik kommt auch vom Konzertkarten-Vermarkter CTS Eventim, größter Partner bislang von Phonoline: "Wir verkaufen zurzeit etwa 1000 bis 1500 Lieder am Tag, hatten aber eigentlich mit der zehnfachen Anzahl von Downloads gerechnet", erklärte CTS-Vorstandschef Klaus-Peter Schulenberg.

Phonoline war nach langen Querelen innerhalb der deutschen Musikindustrie und mit dem Technikpartner T-Com im März dieses Jahres dann doch mit vielen Hoffnungen der Phonoverbände gestartet worden, geht man doch auch hierzulande von einem boomenden Markt für den Online-Vertrieb von Musik aus. Aber schon zum offiziellen Start auf der CeBIT sorgten nicht beendete rechtliche Querelen mit der GEMA dafür, dass Bundeskanzler Gerhard Schröder nicht, wie eigentlich geplant, selbst online einen Song über Phonoline kaufte. Danach waren auch Technikpannen nicht gerade einer Hebung des Phonoline-Images bei Vertriebspartnern und Kunden zuträglich.

Die Verbände und die Telekom aber geben sich optimistisch und feiern das Ende von Phonoline als Erfolg: "T-Online verfügt mit seinem eigenen Downloadangebot Musicload bereits über umfangreiche Erfahrungen im Bereich des Musikvertriebs im Internet", meinte etwa Gerd Gebhardt, Chef der Phonoverbände in Deutschland. Man sei froh darüber, "zusätzliche Kompetenzen gewinnen zu können". Der Musikmarkt im Internet sei im Aufwand -- nach Ansicht von Gebhardt eben "auch dank PhonoLine".

Zur Musikmesse Popkomm siehe auch: (jk)