Musikvideo über Amoklauf nicht gewaltverherrlichend

Die Staatsanwaltschaft Tübingen meint, der Rapper Kaas zeige in seinem Video "Amok Zahltag" Gewalt nicht als Lösungsmittel. Damit sei es durch die Kunstfreiheit geschützt.

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Von
  • Andreas Wilkens

Der Reutlinger Rapper Kaas muss sich nicht für sein Musikvideo "Amok Zahltag" verantworten, das unmittelbar nach dem Amoklauf von Winnenden im Internet Aufsehen erregt hatte. Das Video sei nicht eindeutig gewaltverherrlichend, sagte ein Sprecher der Staatsanwaltschaft Tübingen am Montag laut dpa. Die Ermittlungen gegen den Musiker seien eingestellt worden. In dem Lied hatte der Rapper einen Amoklauf besungen. Dazu zeigte das Video, wie ein Jugendlicher aus Frust über sein Leben bewaffnet in eine Schule geht und Menschen erschießt. Unmittelbar nach dem Amoklauf hatte die Darstellung bundesweit Kritik ausgelöst.

"Wenn man den Film anschaut, kann man schon auf die Idee kommen, dass Gewalt verharmlost wird. Aber das ist nur eine Interpretation", sagte der Sprecher der Staatsanwaltschaft. Wenn man sich intensiver mit dem Werk beschäftige, könne es auch als Appell gegen Gewalt verstanden werden. "Herr Kaas zeigt Gewalt nicht als Lösungsmittel", so der Sprecher. Damit sei das Video durch die Kunstfreiheit geschützt.

Kaas selbst hatte in einem Interview erklärt, er habe einen fiktiven Amoklauf beschrieben und sich dabei an vergangenen Geschehnissen und Täterprofilen orientiert. Er habe keine Form des Frauenhasses skizziert, sondern einen Fall von abgewiesener Liebe. Das Album, auf dem der Song enthalten sein sollte, hätte eigentlich am 20. März 2009 erscheinen sollen – etwa eine Woche nach dem Amoklauf von Winnenden. Auf dem seit Mai erhältlichen "The Album formerly known as Amokzahltag :D" ist das besagte Lied nicht enthalten, stattdessen ein Stück, in dem er die Reaktionen auf das Video beschreibt. (anw)