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Musk möchte Tesla von der Börse nehmen

Tesla-Chef Elon Musk will Leerverkäufern einen Strich durch die Rechnung machen: Tesla-Aktien könnten für einige Zeit nur privat gehandelt werden.

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Tesla-Logo

(Bild: dpa, Ian Langsdon/Archiv)

"Überlege, Tesla von der Börse zu nehmen (zum Preis von) 420 Dollar. Finanzierung gesichert." Mit diesem Tweet schickte Firmenchef Elon Musk den Aktienkurs Teslas am Dienstag auf Bergfahrt. "Einziger Grund, warum das nicht sicher ist, ist, das es von einer Abstimmung der Aktionäre abhängt", fügte Musk später hinzu. Die NASDAQ setzte den Handel der Tesla-Aktien zunächst aus. Nachdem im Tesla-Firmenblog weitere Details genannt worden waren, wurde der Handel kurz vor Börsenschluss wieder aufgenommen.

Schon zuvor hatte ein Bericht, wonach Saudi Arabien Tesla-Aktien im Wert von zwei Milliarden US-Dollar gekauft habe, den Kurs steigen lassen. Am Ende des regulären Handels stand ein Plus von elf Prozent auf knapp 380 Dollar. Damit näherte sich der Kurs dem im September des Vorjahres verzeichneten historischen Höchstwert von knapp 390 Dollar. Zu dem von Musk genannten Übernahmekurs von 420 Dollar wäre Tesla weit über 70 Milliarden Dollar wert.

Damit wäre es die größte Übertragung eines börsennotierten Unternehmens in nicht-öffentlich gehandelte Aktien der Geschichte. Den bisherigen Rekord hält das texanische Elektrizitätsunternehmen TXU, das 2007 für 32 Milliarden Dollar über- und dabei von der Börse genommen wurde. Sieben Jahre später musste die Firma ein Insolvenzverfahren eröffnen.

Elon Musk auf Teslas Aktionärsversammlung 2015

(Bild: Steve Jurvetson CC BY 2.0 )

Als ersten Grund für die geplante Umstrukturierung führt Musk im Firmenblog die "wilden Kursschwankungen" der Tesla-Aktie an. Sie würden die Tesla-Mitarbeiter, allesamt Aktionäre, ablenken. Zweitens stößt sich Musk an der Pflicht zur quartalsweisen Veröffentlichung von Finanzkennzahlen. Das führe zu Druck, kurzfristige statt langfristige Ziele zu verfolgen. Allerdings hängt diese Pflicht nicht mit der Börsennotierung zusammen; sie entsteht, sobald eine Firma mindestens 2.000 Teilhaber von außerhalb des Unternehmens sowie eine Vermögensmasse von mehr als zehn Millionen US-Dollar hat. Beides trifft wohl auf Tesla zu.

Drittens erwähnt Musk die von ihm verabscheuten Leerverkäufe von Tesla-Aktien. Bei einem Leerverkauf verkauft jemand Wertpapiere, die er selbst nur gemietet hat. Fällt der Kurs, kann sich der Verkäufer die Wertpapiere günstiger zurückkaufen, dem eigentlichen Eigentümer zurückgeben, und die Differenz abzüglich Miete als Gewinn behalten. Musk bezeichnet Tesla als "die am meisten leerverkaufte Aktie der Geschichte". "Öffentlich gehandelt zu werden, bedeutet, dass es eine große Zahl an Leuten gibt, die einen Anreiz haben, die Firma zu attackieren", so Musk.

Als Gegenmaßnahme plant der Milliardär jedoch keine klassische schuldenfinanzierte Übernahme, sondern er möchte möglichst alle Aktionäre, darunter auch die Belegschaft, bei der Stange halten. Sie sollen beschließen, die Aktien von der Börse zu nehmen. Nur "alle sechs Monate oder so" hätten sie dann die Möglichkeit, Aktien zu (ver)kaufen. Wer diesen Mangel an Liquidität scheut, müsste nicht mitmachen, sondern könnte seine Aktien vor der Umstrukturierung um 420 Dollar das Stück abgeben.

Je mehr Aktien in Umlauf bleiben, umso geringer wäre der aufzunehmende Kredite. Mitarbeiter, die ihren Arbeitsplatz behalten möchten, könnten sich gedrängt fühlen, nicht zu verkaufen. Seinen eigenen Anteil von etwa 20 Prozent möchte der Firmenchef nicht maßgeblich verändern. Auch eine Verschmelzung mit SpaceX, wo Musk ebenfalls CEO ist, steht nicht auf dem Plan. Jedoch denkt Musk schon an einen neuerlichen Börsengang: "In der Zukunft, sobald Tesla in eine Phase langsameren, besser vorhersagbaren Wachstums eingetreten ist, wird es wahrscheinlich Sinn haben, auf die öffentlichen Märkte zurückzukehren." (ds)

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