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(N)Onliner-Atlas: 16 Millionen Deutsche sind überzeugte Offliner

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In Deutschland sind erstmals über 70 Prozent der Bürger im Netz. 48,3 Millionen Deutsche über 14 Jahren sind online, das entspricht 72 Prozent der Bevölkerung in dieser Altersgruppe. Das geht aus der zehnten Auflage des (N)onliner Atlas (PDF-Datei) hervor, den die Initiative D21 am Donnerstag in Berlin vorgestellt hat. Während damit fast drei von vier Einwohnern über 14 Jahren online sind, schwächt sich die Wachstumskurve weiter ab. Seit dem vergangenen Jahr sind 2 Millionen Internetnutzer hinzugekommen, was einem Zuwachs um 2,9 Prozentpunkte (Vorjahr: 4,0 Prozentpunkte) entspricht. Fast 19 Millionen Deutsche sind nicht online, 16 Millionen davon Offliner aus Überzeugung.

Ein Problemfeld sehen die Vertreter der Initiative D21 im Breitbandausbau. Zwar komme der Ausbau langsam voran, doch nutzen laut der Studie noch nicht einmal die Hälfte der Bürger einen Breitbandzugang. DSL ist mit 42,8 Prozent die beherrschende Zugangstechnik. Am deutlichsten zulegen konnte im Vergleich zum Vorjahr der Kabelanschluss, den inzwischen 4,5 Prozent der Befragten nutzen (Vorjahr: 3,3 Prozent). Auch die mobile Internetnutzung wächst überdurchschnittlich, bleibt aber mit 1,9 Prozent noch eine kleine Nummer. Einigermaßen stabil bleiben die Zugangsarten ISDN (9,3 Prozent) und analoges Dial-up, das immerhin noch 7 Prozent der Befragten nutzen.

Besonders in den östlichen Bundesländern herrscht breitbandtechnisch noch Nachholbedarf, hier sind überdurchschnittlich viele Menschen offline. Die Bundesregierung sieht sich da auf dem richtigen Weg und erwartet Impulse auch durch die jüngste Versteigerung der Digitalen Dividende. Mit den neuen Frequenzen sollen schnelle Internetzugänge über Mobilfunktechnik ausgebaut werden. "Ich denke, wir kommen sehr gut voran", sagte Hans-Joachim Otto, Parlamentarischer Staatssekretär im Bundeswirtschaftsministerium. Helfen soll dabei ein im Rahmen der IT-Strategie der Bundesregierung neu einzurichtende Breitbandbüro des Bundes, das Otto ankündigte.

Die fehlende Infrastruktur ist nicht das alleinige Problem. Zwar werde mit dem fortschreitenden Breitbandausbau der digitale Graben langsam zugeschüttet, sagte D21-Vizepräsident Alf Henryk Wulf. "Doch es entsteht derzeit ein zweiter Graben im Bereich der digitalen Kompetenz". Die Entwicklung müsse aktiv mitgestaltet werden. "Das Internet ist die Basistechnologie für eine erfolgreiche Gesellschaft", meint Wulf. "Wenn wir von einer digitalen Gesellschaft sprechen, ist es unsere Aufgabe, alle auf diesem Weg mitzunehmen." Die Netzkompetenz der Nutzer müsse nicht zuletzt auch zur erfolgreichen Teilnahme am eGovernment gefördert werden, ergänzte Otto, der einräumte, dass die Entwicklung des eGovernment noch zu langsam voranschreite.

Allerdings wird auch bei flächendeckendem Ausbau nicht jeder Bürger ins Netz geholt werden können: Die meisten der noch nicht angeschlossenen Deutschen wollen das auch nicht, 16 der über 18 Millionen Offliner sind es aus Überzeugung. Am wenigsten Netzverweigerer gibt es der Studie zufolge in Bremen, das mit über 80 Prozent Onliner-Anteil weiterhin einsame Spitze bei der Internetnutzung ist. Auch die anderen Stadtstaaten (Berlin 75,2 Prozent und Hamburg 75 Prozent) sind unter den TOP 5 vertreten. Das stärkste Wachstum verzeichnete dagegen Rheinland-Pfalz.

Unterschiede bei der Internetnutzung gibt es weiterhin zwischen den Bevölkerungsgruppen mit unterschiedlichem Bildungsgrad, auch wenn die Nutzer mit einfacher Bildung die Lücke langsam schließen. Um 3,9 Prozentpunkte auf 56,6 Prozent stieg die Zahl der Onliner mit Volks- oder Hauptschulabschluss. Dennoch leigen sie weiterhin weit hinter den Gruppen mit einem weiterbildenden Schulabschluss (76,2 Prozent Onliner) und der Gruppe mit Abitur oder Studium (88,8 Prozent Onliner). Spitzenreiter sind Schüler, die bereits mit 97,5 Prozent Onliner-Anteil beinahe vollständig im Internet anzutreffen sind.

Die von Vertretern aus Wirtschaft und Politik gegründete Initiative D21 lässt die Befragung zur Internetnutzung jährlich vom Marktforschungsinstitut TNS Emnid/Infratest durchführen. Dabei werden über 30.000 Bürger über 14 Jahren nach Kriterien wie Alter, Geschlecht, Einkommen, Bildungsstand oder Beschäftigung befragt. Die Studie ist nach Angaben der Initiative die größte zu dem Thema in Deutschland und bilde Rahmenbedingungen für die digitale Gesellschaft ab. (vbr)