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NAB: Google will bald Piraterie-Detektor einschalten

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Der Suchmaschinenbauer Google steht kurz davor, Werkzeuge zum Auffinden und Ausfiltern von illegalen Mediendateien auf seinen Web-Angeboten einzusetzen. Dies verriet Google-Chef Eric Schmidt bei einem Podiumsgespräch auf der TV- und Medienausstellung NAB in Las Vegas. Das neue System soll "Claim your Content" heißen und automatisch den rechtmäßigen Besitzer von Web-Inhalten identifizieren und nicht autorisierte Veröffentlichungen verhindern.

Bisher ist Google Verstößen gegen das Urheberrecht nur aufgrund von Beschwerden nachgegangen, die dann manuell überprüft und beseitigt werden mussten. Das Hauptanwendungsgebiet des Pirateriefilters ist die Video-Community-Platttform Youtube, die Google im vergangenen Jahr gekauft hat. Vor Kurzem erst sind die Kalifornier vom Kabelsender Viacom wegen illegal in Youtube eingestellter TV-Mitschnitte auf Schadenersatz in Höhe von einer Milliarde Dollar verklagt worden. Auch von anderen Medienunternehmen wie dem TV-Sender NBC waren Beschwerden gegen Google wegen Unterstützung von Content-Diebstahl laut geworden.

Die Viacom-Vorwürfe kommentierte Schmidt allerdings mit einigem Sarkasmus: "Mit Viacom macht man entweder Geschäfte oder wird von ihnen verklagt. Das ist für die eine normale Geschäftstransaktion." Youtube-Videos seien kein Diebstahl, argumentierte der Google-Chef. Vielmehr würden den Medienunternehmen durch die Verbreitungswirkung des Internets sogar noch mehr Konsumenten zugespielt. "Youtube ist kein Fernsehen, sondern eine völlig andere Medienkategorie", sagte Schmidt. Die Kurzform von Internet-Videos sei mit Film und TV überhaupt nicht zu vergleichen. "Über dieses soziale Netzwerk von hoch engagierten Nutzern erreichen Medienproduzenten genau die Zielgruppe, für die sie das Produkt geschaffen haben."

Auf der NAB-Bühne vom TV-Moderator John Seigenthaler befragt, nahm Schmidt zu einer Reihe von Themen Stellung, bei denen Googles Positionen in der Medienbranche kontrovers diskutiert wird. Zur jüngsten Akquisition der führenden Internet-Werbeagentur Doubleclick etwa haben Konkurrent Microsoft und andere Bedenken wegen Googles Marktstellung und einer möglichen Monopolisierung des Anzeigengeschäfts angemeldet. Schmidt spielte den Überraschten: "Ausgerechnet Microsoft sagt so was?", parierte er ironisch. Doubleclick verfüge über Tools und Spezialwissen bei Display-Anzeigen, die Google bisher gefehlt hätten, führte Schmidt aus. Deshalb seien sie die ideale Ergänzung zu Googles Textanzeigen. Von einem Kartell könne aber keine Rede sein: "Microsofts Behauptungen sind aber grundfalsch." Google wolle niemandem Werbekunden wegnehmen, sondern traditionellen Medien über das Internet neue Werbegeschäfte erschließen.

Zur NAB 2007 siehe auch:

(Erich Bonnert) / (jk)