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NASA-Sonde New Horizons: Die Berge des Pluto

Am Tag nach dem erfolgreichen Vorbeiflug am Pluto hat die NASA-Sonde New Horizons neue Bilder und Daten zur Erde geschickt. Sie zeigen nicht nur einen aktiven Zwergplaneten, auch die Oberfläche des größten Mondes Charon deutet geologische Aktivität an.

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Pluto

Ein auffälliger Berg in einer Vertiefung auf Charon

(Bild: NASA/Johns Hopkins University Applied Physics Laboratory/Southwest Research Institute)

Am Tag nach dem historischen Vorbeiflug am Pluto und genau 50 Jahre nach den Marsbildern von Mariner 4 hat die NASA-Sonde New Horizons weitere Bilder zur Erde gesendet. Darunter ist eine Detailaufnahme des Zwergplaneten selbst, ein Panorama des größten Mondes Charon und das erste Bild des zweitgrößten Mondes Hydra. Auch wenn es sich nur um die ersten von vielen weiteren Ergebnissen des Vorbeiflugs handelt, zeigten sich die NASA-Forscher auf einer Pressekonferenz am Donnerstag euphorisch. Alleine diese Bilder seien bereits Grundlage für jede Menge Analysen.

Das spektakulärste der nun veröffentlichten Fotos zeigt einen kleinen Ausschnitt der charakteristischen Herzform auf Pluto, die nach dessen Entdecker inoffiziell "Tombaugh Regio" getauft wurde. Nahe des Äquators des Zwergplaneten zeigt das Bild bis zu 3500 Meter hohe Berge, die geologisch gesehen relativ jung sein müssen, erklären die Forscher. Das geringe Alter der Strukturen, die eventuell sogar noch in ihrer Entstehung begriffen seien, machen sie am Mangel von Einschlagskratern fest. Eigentlich müsste der Zwergplanet von Zeugnissen der über die Jahrmilliarden erfolgten Einschläge überzogen sein, aber das sei nicht der Fall. "Das ist eine der jüngsten Oberflächen, die wir im Sonnensystem überhaupt kennen", erklärte Jeff Moore vom Team für die Geologie, Geophysik und Bildauswertung (GGI) stattdessen.

Pluto-Sonde New Horizons (67 Bilder)

Plutos Oberfläche
(Bild: NASA/Johns Hopkins University Applied Physics Laboratory/Southwest Research Institute)

Pluto-Mission New Horizons

Fast zehn Jahre lang flog die NASA-Sonde New Horizons zum Pluto. Als erste Sonde überhaupt passiert sie den Zwergplaneten, um ihn aus der Nähe zu erforschen.

Für die Bildung der Berge müsse außerdem ein anderer Prozess verantwortlich sein, als man ihn für die eisigen Monde der Gasriesen im äußeren Sonnensystem ausgemacht hat. Bei denen sei die starke Gravitation ihrer Planeten für die Aktivität verantwortlich. Das sei aber bei Pluto nicht der Fall: Charon, der zweitgrößte Himmelskörper im System sei einfach zu klein, um derartige Auswirkungen zu haben. Plutos Berge bestehen demnach wahrscheinlich aus Wassereis, das sich bei den niedrigen Temperaturen auf der Oberfläche wie Fels verhalte, so die Forscher. Das Methan- und Stickstoffeis, das den Großteil der Oberfläche bedecke, sei jedenfalls nicht stark genug, um solche Strukturen zu bilden.

Ganz neue Einblicke lieferte die Sonde auch zu dem größten Pluto-Mond Charon. Eine Panoramaaufnahme aus 466.000 Kilometern zeigt eine vielfältige Welt, die von verschiedenen Oberflächenstrukturen geprägt wird. Auch hier sei vor allem auffallend, wie wenige Krater es gebe. Wie bei Pluto weise das auf eine relativ junge Oberfläche hin, die von geologischen Aktivitäten geprägt werde. Neben der dunklen Region am Nordpol fällt auch ein auffälliger Canyon am rechten Rand des Bildes auf. Der zieht sich aus dieser Perspektive genau am Rand entlang und ist den Forschern zufolge sechs bis zehn Kilometer tief.

Das dritte am Mittwoch veröffentlichte Bild löst zwar nur mit wenigen Pixeln auf, sorgte aber trotzdem für Begeisterung. Es zeigt den erst 2005 entdeckten Pluto-Mond Hydra aus 400.000 Kilometern Entfernung und ist das erste wirkliche Bild des Himmelskörpers überhaupt. Bislang war er höchstens als kleiner Fleck neben Pluto zu erkennen. Erstmals könne man nun seine Größe genauer angeben: Demnach misst er rund 43 mal 33 Kilometer. Aufgrund der Helligkeit gehen die Forscher davon aus, dass die Oberfläche von Hydra vor allem aus Wassereis besteht.

Detailaufnahme von Charon

(Bild: NASA/Johns Hopkins University Applied Physics Laboratory/Southwest Research Institute)

[Update 17.07.2015 – 8:55 Uhr] Bevor am Freitag neue Fotos des Vorbeiflugs an Pluto und seinen Monden veröffentlicht werden sollen, hat die NASA nun noch eine Nahaufnahme von Charon freigegeben. Besonders auffällig ist eine Erhebung in einer Senke im oberen Teil. Das Bild entstand aus rund 79.000 Kilometern Entfernung und ist stark komprimiert, weswegen deutliche Artefakte zu sehen sind. Eine bessere Version liegt noch auf dem Speicher der Raumsonde.

50 Jahre Erforschung des Sonnensystems durch die NASA (19 Bilder)

Dieses NASA-Bild des Mars aus dessen Nähe sendete Mariner 4 am 15. Juli 1965 zur Erde, 50 Jahre vor dem Pluto-Vorbeiflug von New Horizons
(Bild: NASA/JPL)

(mho)

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