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NASA-Sonde New Horizons: Kryovulkane auf dem Pluto

Die Daten der NASA-Sonde New Horizons erlauben weiter die Erforschung des Pluto und weisen nun auch auf Eisvulkane an der Oberfläche hin. Solche Strukturen spucken kein flüssiges Gestein, sondern Material. das umgehend gefriert

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NASA-Sonde New Horizons: Kryovulkane auf dem Pluto

Pluto ist weiterhin für Überraschungen gut

(Bild: NASA/Johns Hopkins University Applied Physics Laboratory/Southwest Research Institute)

Die mutmaßlichen Eisvulkane

(Bild: NASA/JHUAPL/SwRI)

Astronomen haben auf dem Pluto möglicherweise Eisvulkane nachgewiesen, die statt Magma wahrscheinlich eine Mischung aus Wassereis, Stickstoff, Ammoniak und Methan ausstoßen. Das wäre jedenfalls die am "wenigsten verrückte" Erklärung für zwei charakteristische Oberflächenstrukturen, meint der NASA-Forscher Oliver White.

Die US-Weltraumagentur hatte die neuesten Erkenntnisse veröffentlicht, die bei der Auswertung der Daten der Sonde New Horizons nach ihrem Vorbeiflug am Pluto im Sommer herausgekommen sind.

Die Krater auf Pluto

(Bild: NASA/JHUAPL/SwRI)

Auf den übertragenen Aufnahmen haben die Wissenschaftler demnach zwei Gebilde entdeckt, die jeweils aus einem großen Bergring und einem Loch in der Mitte bestehen. Dabei handle es sich wahrscheinlich um sogenannte Kryovulkane, wie sie bereits auf anderen Monden im Sonnensystem nachgewiesen wurden. Dort werden sie nach bisherigen Verständnis aber von der Gravitation der zugehörigen Planeten angetrieben.

Vergleichbares weist der Pluto nicht auf. Das Loch in der Mitte der nun gefundenen Strukturen habe sich vermutlich gebildet, als Material herausgestoßen wurde, während an den Flanken Spuren zu erkennen seien, die auf herabfließendes Material hindeuten. Im äußeren Sonnensystem sei so etwas noch nie entdeckt worden.

Pluto-Sonde New Horizons (67 Bilder)

Plutos Oberfläche
(Bild: NASA/Johns Hopkins University Applied Physics Laboratory/Southwest Research Institute)

Pluto-Mission New Horizons

Fast zehn Jahre lang flog die NASA-Sonde New Horizons zum Pluto. Als erste Sonde überhaupt passiert sie den Zwergplaneten, um ihn aus der Nähe zu erforschen.

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Neben den beiden mutmaßlichen Vulkanen haben die Wissenschaftler aber auch bereits mehr als 1000 weitere Krater an der Oberfläche des Pluto gezählt. Deren Verteilung verrät einiges über das Alter des jeweiligen Untergrunds, da sich die Krater umso länger halten, je weniger geologische Aktivität die Oberfläche umformt.

Insgesamt gibt es demnach auf dem Pluto Gebiete, die – abgesehen von den Einschlägen – seit der Zeit kurz nach der Entstehung der Planeten unverändert existieren. Gleichzeitig bestehe mit Sputnik Planum aber eine große Fläche, die komplett frei von Kratern ist und wohl innerhalb der vergangenen 10 Millionen Jahre entstand – im geologischen Vergleich also quasi gestern. Weil es auch Gegenden gibt, deren Alter zwischen diesen beiden Extremen liegt, war Pluto in seiner Geschichte wohl geologisch aktiv.

Die Zählung der Krater ermöglicht außerdem einen neuen Blick auf den Kuiper-Gürtel. Der Zwergplanet Pluto ist das massivste Objekt in diesem riesigen Gebiet, das aus unzähligen kleinen Himmelskörpern gebildet wird. Der Mangel an kleinen Kratern auf dem Pluto deute jedenfalls darauf hin, dass der Kuiper-Gürtel weniger kleine Objekte umfasst, als bislang gedacht. Vor allem die Modelle über die Entstehung des Rings müssen demnach angepasst werden. New Horizons wird das Gebiet weiter erforschen und wohl Anfang 2019 an einem weiteren Himmelskörper dort vorbeifliegen.

Schließlich haben die Forscher auch neue Daten zu den ungewöhnlichen Monden des Pluto veröffentlicht. So weist fast jeder Begleiter in unserem Sonnensystem seinem Planeten kontinuierlich die gleiche Seite zu. Nicht so aber Styx, Nix, Kerberos und Hydra. Die vier Monde drehen sich teilweise äußerst schnell um sich selbst. Hydra, der äußerste der Monde beispielsweise 89 Mal während eines Umlaufs um den Pluto. Außerdem geben die Detailbilder Hinweise darauf, das Kerberos und Hydra entstanden sind, als jeweils zwei noch kleinere Monde zusammengestoßen sind.

Die ungewöhnlichen Bewegungen der Monde hinter Charon. (Quelle: NASA.gov Video)

(mho)