NASA-Sonde New Horizons vor historischem Pluto-Vorbeiflug

Es ist so weit: Der erste und für lange, wenn nicht sogar sehr lange Zeit wohl letzte Besuch der Menschheit beim Pluto steht an. Davor hat die NASA-Sonde New Horizons nun bereits die letzten Bilder der dann abgewandten Seite des Zwergplaneten gemacht.

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Pluto

Diese Seite des Pluto wird während des Vorbeiflugs der NASA-Sonde von ihr abgewandt sein.

(Bild: NASA/Johns Hopkins University Applied Physics Laboratory/Southwest Research Institute)

Von
  • Martin Holland

Für die NASA-Sonde New Horizons hat der entscheidende Teil des historischen Vorbeiflugs am Pluto begonnen, der am morgigen Dienstag um kurz vor 14 Uhr MESZ ansteht. Zuvor hat sie bereits einen letzten Blick auf jenen Teil des Zwergplaneten geworfen, der bei dem Manöver nicht sichtbar sein wird. Diese Hemisphäre ist immer dem größten Mond Charon zugewandt und die am Wochenende übermittelten Aufnahmen sind die besten, die wir für Jahrzehnte von ihr haben werden. Erkennbar sind auffallend dunkle Strukturen, die keine einheitliche Form haben, sowie möglicherweise ein riesiger Einschlagskrater.

Anhand der Bilder können die Forscher nach eigener Aussage noch nicht feststellen, ob es sich bei den dunklen Flecken um Plateaus oder tiefe Einschnitte handelt. Mehr Erkenntnisse erwarten sie von weiteren Daten – etwa den Farbinformationen –, die New Horizons bereits gesammelt hat und in den kommenden Tagen, Wochen und Monaten zur Erde senden wird. Bis dahin müssen sie sich aber gedulden, vor allem auch weil nun der nahe Vorbeiflug ansteht, bei dem die Sonde noch viel mehr Daten sammeln und Fotos machen soll, die allesamt lediglich mit 1 kbit/s zur Erde gesendet werden können.

Pluto-Sonde New Horizons (67 Bilder)

Plutos Oberfläche
(Bild: NASA/Johns Hopkins University Applied Physics Laboratory/Southwest Research Institute)
Pluto-Mission New Horizons

Fast zehn Jahre lang flog die NASA-Sonde New Horizons zum Pluto. Als erste Sonde überhaupt passiert sie den Zwergplaneten, um ihn aus der Nähe zu erforschen.

Am Wochenende hat die Sonde außerdem neue Bilder von Charon geschickt, des größten Mondes von Pluto. Sie zeigt eine Welt voller Krater und Klüfte. Einer dieser Abgründe auf der Südhalbkugel des Mondes ist "länger und um Meilen tiefer" als der Grand Canyon, versucht die NASA die Dimensionen verständlich zu machen. Auffällig ist außerdem ein Krater mit einem besonders dunklen Zentrum, wohl weil der Einschlag Material freigelegt hat, das unter der Oberfläche lag. Auch am Nordpol sorgt die Färbung der Oberfläche für Spekulationen bei der NASA. Aufnahmen, die beim Vorbeiflug am morgigen Dienstag gemacht werden, sollen deutlich machen, worum es sich bei dem dunklen Fleck handelt.

Bis zu ihrem Vorbeiflug muss die Sonde nun noch rund 1,3 Millionen Kilometer zurücklegen. Dafür bleiben ihr knapp 27 Stunden. Die Forscher und das restliche Team auf der Erde müssen sich dabei auf ihre Sonde verlassen, denn die Kommandos für die anstehenden Analysen und Fotoaufnahmen sind bereits zu ihr übertragen worden. Wegen der langen Signallaufzeit von mehr als vier Stunden kann New Horizons nicht direkt gesteuert werden, sondern wird das vorgegebene Programm abspulen und währenddessen beziehungsweise vor allem danach die Ergebnisse zur Erde senden.

Ganz besonders Interessierten bietet die NASA auch die Möglichkeit, eine Simulation des historischen Vorbeiflugs durchzuspielen beziehungsweise live zu verfolgen. In dem Programm "Eyes on the Solar System" ist das Manöver gespeichert und kann in Originalgeschwindigkeit oder beschleunigt simuliert werden. Sichtbar gemacht wird dabei auch, wann welche Analyseinstrumente zum Einsatz kommen und worauf sie jeweils ausgerichtet werden.

(Beschleunigte) Simulation des Vorbeiflugs (Gesamte Ansicht ist 18 MB groß)

Die Sonde New Horizons war 2006 gestartet, als Pluto noch der neunte Planet unseres Sonnensystems war. Dieser Status wurde ihm dann aber aberkannt, unter anderem, weil zu viele Himmelskörper ähnlicher Größe entdeckt worden waren. Unterdessen rast New Horizons nun seit fast 3500 Tagen auf den Zwergplaneten zu und wird wohl auf lange, wenn nicht sogar sehr lange Zeit das letzte Objekt von Menschenhand sein, das ihn aus der Nähe zu Gesicht bekommt. Dass der Besuch trotzdem nicht länger dauert, liegt auch an der großen Geschwindigkeit von New Horizons: Für genügend Treibstoff, sie an ihrem Missionsziel abzubremsen, fehlte der Platz an Bord der Sonde. (mho)