NASA: Zweite Erde nur wenige Lichtjahre entfernt

Für US-Wissenschaftler ist es wahrscheinlich, dass ein erdähnlicher Planet in lediglich 13 Lichtjahren Entfernung einen Roten Zwerg umkreist. Planeten, die Leben ermöglichen, sind demnach noch häufiger, als bislang angenommen.

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Ausgehend von den Daten des NASA-Weltraumteleskops Kepler gehen US-Wissenschaftler davon aus, dass es bereits in kosmischer Nachbarschaft erdähnliche Planeten geben könnte. Der nächste Planet, der unserer Heimat gleicht, könnte den Forschern vom Harvard-Smithsonian Center for Astrophysics (CfA) zufolge lediglich 13 Lichtjahre entfernt sein, schlussfolgern sie. Grundlage dieser Einschätzung ist ihre Berechnung, dass 6 Prozent aller Roten Zwerge, dem häufigsten Sternentyp unserer Galaxie, von erdähnlichen Planeten umkreist werden.

Künstlerische Darstellung eines Planeten vor einem Roten Zwerg

(Bild: David A. Aguilar (CfA))

Für ihre Analysen identifizierten die Wissenschaftler alle Roten Zwerge in dem Sternenkatalog von Kepler und glichen das Ergebnis dann mit den identifizierten Planetenkandidaten ab. Am Ende standen drei Kandidaten, auf deren Planetenoberfläche Leben möglich ist. Statistisch gesehen heiße das, dass jeder 17. Rote Zwerg von einem erdähnlichen Planeten umkreist wird. In unserer Milchstraße gehören vier von fünf Sternen zu diesem Typ, das heißt es gibt in unserer Galaxie mindestens 75 Milliarden Rote Zwerge.

Kepler-Planetenkandidaten, die einen Roten Zwerg umkreisen, darunter die drei in der habitablen Zone.

(Bild: C. Dressing (CfA))

Erdähnliche Planeten um solche Roten Zwerge sind den Wissenschaftler zufolge auch einfacher zu finden, da sie die kleineren Sterne enger umkreisen und im Verhältnis zu ihnen größer sind. Das erhöhe die Wahrscheinlichkeit, dass sie aus unserer Sicht vor dem Stern kreuzen. Die drei im Kepler-Katalog ermittelten Kandidaten verfügen über 90 bis 170 Prozent der Größe unserer Erde. Sie umkreisen ihre Sonnen in 20, 30 sowie 56 Tagen und sind zwischen 300 und 600 Lichtjahre von uns entfernt.

Da unsere Erde selbst von einer ganzen Reihe Roter Zwerge umgeben ist, sei es ausgehend von den neuen Berechnungen wahrscheinlich, dass der nächste erdähnliche Planet gerade einmal 13 Lichtjahre entfernt ist. Nach ihnen könnte ein eigens dafür zugewiesenes kleines Weltraumteleskop oder ein Netzwerk aus Erdobservatorien Ausschau halten. Einmal gefunden, könnten in der Zukunft das Giant Magellan Telescope oder das James Webb Space Telescope herausfinden, ob sie über eine Atmosphäre verfügen.

Die Wissenschaftler verweisen jedoch darauf, dass sich eine solche Welt deutlich von der unseren unterscheiden würde. Da sie sich viel näher an ihrem Stern befindet, würde sie ihm wahrscheinlich immer die gleiche Seite zuwenden. Wärme könnte aber über einen Ozean oder eine dicke Atmosphäre transportiert werden. Vor der deutlich stärkeren UV-Strahlung könnte letztere auch schützen. Gleichzeitig könnten diese Faktoren die Entstehung von Leben begünstigen. Da Rote Zwerge deutlich länger leben als Hauptreihensterne wie unsere Sonne, sei außerdem anzunehmen, dass Leben darauf viel mehr Zeit für seine Entwicklung hatte. Einer der Wissenschaftler spekuliert sogar auf eine zweite Erde, die 10 Milliarden Jahre alt ist.

Das Weltraumteleskop Kepler beobachtet seit 2009 einen festen Ausschnitt des Sternenhimmels im Sternbild Schwan. Dabei misst das Teleskop wiederholt die Helligkeit von rund 150.000 Sternen, um Planeten zu entdecken, die sich zwischen Teleskop und Stern schieben. Mittlerweile listet der aktualisierte Katalog mehr als 2000, vorwiegend größere Sterne mit möglichen Exoplaneten auf. (mho)