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NRW-Förderung für Projekt der GEMA-Alternative C3S

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Die in Gründung befindliche GEMA-Alternative Cultural Commons Collecting Society (C3S) kann sich über einen prominenten Geldgeber freuen. Das Land Nordrhein-Westfalen will die Initiative mit der stattlichen Summe von 200.000 Euro bei der Entwicklung einer Softwareplattform fördern, die das Abrechnen von Multimedia-Dateien erleichtern und freiwillige Zahlungen von Konsumenten an die Ersteller von Medieninhalten ermöglichen soll. Dazu müssen die Gründer der neuen Verwertungsgesellschaft allerdings nochmal so viel Geld von ihren Unterstützern einsammeln.

Schon seit 2010 arbeitet die Initiative an einer Alternative zur etablierten GEMA und ist momentan auf der Zielgeraden: Ende September soll die C3S in Form einer Europäischen Genossenschaft offiziell gegründet werden und versucht mit einer Crowdfunding-Kampagne bis dahin insgesamt 200.000 Euro einzunehmen. Bisher sind auf diesem Weg über 62.000 Euro zusammengekommen.

Dieser Betrag könnte nun wesentlich aufgestockt werden. Die C3S gehört zu den Gewinnern eines Innovationswettbewerbs "Digitales Medienland NRW", mit dem die Landesregierung besonders innovative Projekte unterstützen will, die einen Mehrwert für Industrie und Nutzer bieten. Eine Jury um den Moderator Michael Steinbrecher hatte das Softwareprojekt der C3S neben 14 anderen Projekten als förderungswürdig eingestuft. Die Mittel selbst stammen aus dem Europäischen Fonds für regionale Entwicklung.

Die Förderungsbestimmungen sehen einen Eigenkapitalanteil von mindestens 50 Prozent vor, sodass die volle Summe mit dem jetzigen Eigenkapital noch nicht ausgezahlt werden kann. "Für die verbindliche Zusage der Fördergelder muss es uns gelingen, den gleichen Betrag an Eigenmitteln nachzuweisen", erläutert Wolfgang Senges von der C3S. "Wir setzen hier vor allem auf unsere noch bis zum 30. September laufende Crowdfunding-Kampagne – für jeden Euro, den man dort investiert, steuert das Land NRW einen weiteren Euro bei."

Obwohl die Jury sich eindeutig für die Förderung ausgesprochen hat, ist die Finanzierung noch nicht hundertprozentig sicher. "Die Förderung steht noch unter dem Vorbehalt einer technisch-formellen Prüfung, ist aber auf einem guten Weg", erklärt die nordrhein-westfälische Staatskanzlei auf Anfrage von heise online.

Die etablierte Musikverwertungsgesellschaft GEMA spricht unterdessen der C3S wenig überrraschend die Konkurrenzfähigkeit ab. In einer eigens eingerichteten FAQ zum Thema betont die Verwertungsgesellschaft zwar, dass man der C3S "offen und konstruktiv" gegenüberstehe. Gleichzeitig erweckt die GEMA jedoch den Eindruck, dass C3S-Mitglieder und von ihr vertretene Künstler auf Einnahmen verzichten müssten, da deren Modell auf den Creative-Commons-Lizenzen (CC) beruhe, die kostenfreie Nutzungen ermöglichen. Aus diesem Grund sei eine GEMA-Mitgliedschaft auch nicht mit der CC-Lizenz vereinbar. Folge: Wer Musik unter Creative Commons veröffentlicht, muss auf Schecks von der GEMA verzichten.

Senges entgegnet: "Gleichgültig, ob CC oder nicht: Der Urheber kann jedes seiner Werke verkaufen. Der Unterschied liegt darin, dass der Urheber alleine entscheidet, wie der Nutzer das einzelne Werk einsetzen darf." Zudem sei die C3S nicht alleine auf Musik beschränkt, die unter CC-Lizenzen veröffentlicht wird. Sie will ebenfalls Rechte von Musikern wahrnehmen, die eine "All rights reserved"-Lizenz wählen. (Torsten Kleinz) / (sybe)

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