Menü

NSA-Affäre: Beim Guardian wurden nicht nur Festplatten zerstört

vorlesen Drucken Kommentare lesen 205 Beiträge

Der Guardian hat der Aufforderung zur Zerstörung von Festplatten Folge geleistet, um zu verhindern, dass das Material von Edward Snowden an den Geheimdienst geht oder ein Rechtsstreit künftige Berichte verhindert. Das hat die britische Zeitung in einer ausführlichen Erläuterung der "bizarren Aktion" dargelegt. Demnach habe der Druck von höchster Ebene immer mehr zugenommen, auch nachdem man von den Kopien des Materials in Brasilien und den USA erzählt habe. Eine Weitergabe der Daten hätte Snowden sicher nicht gutgeheißen und hätten eventuell sogar ihm oder den Reportern schaden können.

Am Ende habe man sich auf einen Kompromiss geeinigt und drei Vertreter des Guardian hätten sich an einem Samstag mit zwei Agenten des Geheimdienstes GCHQ im Keller des Gebäudes am King's Place getroffen. Auf die Geräte sei man dann mit Winkelschleifern und Bohrern losgegangen, unter dem wachsamen Auge der Agenten. Die hätten ihrerseits immer wieder auf Stellen gezeigt, die noch bearbeitet werden sollten. Sie hätten außerdem Bilder gemacht, aber nichts mitgenommen.

Die Überbleibsel

(Bild: Roger Tooth / Guardian )

Ein Foto der Überbleibsel hat die Zeitung inzwischen auch veröffentlicht. Anhand des Bilds hat die c't-Redaktion zusammengetragen, dass die intensiv zerstörten Teile wohl aus mindestens drei Geräten stammen. Laut Guardian handelte es sich um Macs und PCs. Die dunklen Platinen sehen nach dem Retina MacBook Pro aus, von dem also zwei Geräte Opfer der Aktion wurden. Die Grafikkarte und die grüne Platine wiederum könnten aus einem Gerät stammen, wobei zweiteres für ein Desktop-Mainboard ungewöhnlich aussieht. Auffallend ist auf jeden Fall, wie gründlich vorgegangen wurde. Wichtige Teile wie der RAM und die Festplatten sind gar nicht zu sehen, wurden aber angeblich auch zerstört. Zusätzlich wurden sogar die Chips der Anzeigegeräte abgeschliffen. Das offenbar laufende Gerät daneben ist ein MacBook Air.

Begründet hätten die Agenten ihr Drängen mit der Gefahr, dass ausländische Geheimdienste, vor allem aus Russland oder China Zugriff auf die Daten erhalten könnten. Dem sei aber erwidert worden, dass man die Gerät ausreichend gesichert habe. Später habe man aber erklärt bekommen, dass das nicht ausreichen würde. Als Beispiel sei angeführt worden, dass etwa durch ein Abgreifen der Vibrationen an einem Plastikbecher die Konversationen in einem Raum abgehört werden könnten. Das ginge aus der Entfernung etwa auch per Laser-Abtastung eines Fensters.

Unterdessen hat der Europarat vom britischen Innenministerium Aufklärung über das Vorgehen gegen die Presse verlangt. Der dpa zufolge bezieht sich deren Generalsekretär Thorbjørn Jagland dabei sowohl auf das Vorgehen gegen David Miranda, den Ehemann des Journalisten Glenn Greenwald, als auch auf die Zerstörung des Equipments. Diese Maßnahmen könnten sich abschreckend auf die Meinungsfreiheit von Journalisten auswirken, die aber von der Europäischen Konvention zum Schutz der Menschenrechte garantiert wird. Der Europarat verlangt demnach eine Stellungnahme von Großbritannien zur Vereinbarkeit mit der Menschenrechtskonvention. (mho)