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NSA-Chef: Ohne Verschlüsselung wären die Anschläge von Paris nicht passiert

In einem Interview hat NSA-Chef Michael Rogers behauptet, ohne verschlüsselnde Messenger hätten Geheimdienste die Anschläge von Paris verhindern können. Wirklich untermauert hat er diese Behauptung aber nicht.

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Verschlüsselung, Messenger, Smartphone

(Bild: dpa, Peter Kneffel/Archiv<br>)

NSA-Chef Michael Rogers hat in einem Interview mit Yahoo offenbar erklärt, ohne Verschlüsselung hätten die Anschläge von Paris nicht geschehen können. So jedenfalls fasst das Nachrichtenportal seine Aussage zusammen. Rogers bestätigte demnach die oft geäußerte Vermutung, dass die Attentäter ihre Kommunikation teilweise verschlüsselten. Deshalb habe sein Dienst im Vorhinein keine Erkenntnisse sammeln können: "Natürlich, wenn wir davon gewusst hätten, wäre Paris nicht passiert", sagte Rogers weiter. Das heißt aber nicht zwangsläufig, dass US-Geheimdienste tatsächlich auf Kommunikation der Attentäter gestoßen waren und die nur nicht mitlesen konnten.

Crypto Wars 3.0

Mit dieser Aussage greift nun auch der NSA-Chef wieder in die Debatte über Verschlüsselung ein, die seit vergangenem Jahr geführt wird – unter dem Schlagwort Crypto Wars 3.0. Rogers hat hier bislang noch keine klare Position bezogen, was auch an der doppelten Aufgabenstellung seines Geheimdienstes liegt. So ist die NSA für die Überwachung zuständig, die durch Verschlüsselung unter Umständen behindert wird. Gleichzeitig soll sie auch Informationstechnik in den USA schützen – etwa vor anderen Geheimdiensten – wofür Verschlüsselung unabdingbar scheint. Gegenüber Yahoo gestand er deswegen nun ein: "Ich weiß die Antwort nicht."

Rogers ergänzte demnach noch, dass terroristische Gruppen – wie die Terrormiliz IS – seit geraumer Zeit schneller zu verschlüsselnden Messengern und Netzwerken wechselten. Dafür würden immer wieder die Snowden-Enthüllungen als Begründung genannt. Das erschwere die Arbeit der Geheimdienste und niemand dürfe bezweifeln, wie ausschlaggebend die Enthüllungen des NSA-Skandals dafür seien.

Seitenhieb gegen Edward Snowden

Ob Snowdens Entscheidung falsch oder richtig, beziehungsweise böse oder gut waren, müssten andere entscheiden. In Bezug auf Snowdens anhaltendes Asyl in Russland außerhalb des Einflussbereichs der USA ergänzte er jedoch, ihm habe sein Vater erklärt, illegale oder unethische Befehle müsse ein Soldat verweigern. Er müsse aber auch bereit sein, die Konsequenzen zu tragen, womit Snowdens Weigerung gemeint ist, sich einem US-Gericht zu stellen. (mho)

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