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NSA-Enthüller Glenn Greenwald: "Ich helfe keinen Regierungen"

Ein Journalist gibt seine Quellen nicht an Regierungen weiter, auch nicht für einen guten Zweck. Glenn Greenwald möchte nicht in Gefahr geraten, in den USA der Spionage angeklagt zu werden. Deshalb muss der Bundestag leer ausgehen.

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Der US-amerikanische Journalist Glenn Greenwald hat seine deutsche PR-Tour für sein Buch "Die globale Überwachung" (No Place to Hide) beendet. Gegenüber der Tageszeitung erklärte er in einem Interview nun noch, dass er dem NSA-Untersuchungsausschuss keine Dokumente zur Verfügung stellen würde, die er von Edward Snowden erhalten hatte. "Es ist nicht meine Aufgabe als Journalist, Regierungen zu helfen," erklärte Greenwald.

Glenn Greenwald auf einer Veranstaltung des Zeit-Magazins

(Bild: heise online/Detlef Borchers)

Die Weitergabe von Top-Secret-Dokumenten an die Regierung eines anderen Staates würde den US-Bürger Glenn Greenwald zu einem Ziel der Strafverfolger machen. Deswegen werde er dem Deutschen Bundestag keine Dokumente zur Verfügung stellen, erklärte Greenwald im Interview. Dieser Schritt sei nicht mit Edward Snowden abgesprochen, aber logisch: "Wenn Snowden gewollt hätte, dass andere Regierungen die Dokumente nützen können, hätte er sie ihnen gegeben. Stattdessen hat er sie mir und Laura Poitras gegeben, damit wir journalistisch damit arbeiten." Nach den Ausführungen von Greenwald herrscht dabei eine strikte Arbeitsteilung. Laura Poitras sei für die Zusammenarbeit mit den deutschen Medien zuständig und habe dem Spiegel Einsicht in die Dokumente gegeben, von denen sie fand, dass über sie in Deutschland berichtet werden sollte.

In seinem Buch über die globale Überwachung macht Glenn Greenwald gleich auf der ersten Seite darauf aufmerksam, dass die NSA an der Publikation "mitgearbeitet" hat: "Bei einigen Dokumenten, die in diesem Buch veröffentlicht werden, sind auf Veranlassung der National Security Agency (NSA) zur Wahrung der nationalen Sicherheit der Vereinigten Staaten von Amerika Passagen unkenntlich gemacht worden." Von der Tageszeitung zu dieser Arbeit mit der NSA befragt, erklärte Greenwald, dass sich die Schwärzungen und redaktionellen Bearbeitungen überwiegend auf die Namen von NSA-Beschäftigten beziehen würden.

Ähnlich argumentierte Greenwald in einem Interview mit der Neuen Zürcher Zeitung auf die Frage nach Wikileaks: "Wenn Snowden das gewollt hätte, dann wäre er nicht zu Laura und mir gekommen, sondern hätte die Dokumente Julian [Assange] gegeben." Die Kritik von Wikileaks über die Veröffentlichungspraxis akzeptiere er. Man hätte mehr Dokumente veröffentlichen können. Jedoch hätten sie sich nicht dem Vorwurf aussetzen wollen, verantwortungslos zu agieren und Menschen zu gefährden. (Detlef Borchers) / (mho)

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