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NSA-Skandal: AT&T verdient angeblich an Überwachung der eigenen Kunden

Der US-Provider AT&T hat eine eigene Software geschrieben, um für US-Ermittler und gegen Bezahlung die immensen Datenmengen über die eigenen Kunden durchsuchen zu können. Das sollte aber möglichst geheim bleiben.

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(Bild: AT&T)

Der US-Telekommunikationsanbieter AT&T hat mit Hemisphere eine Software entwickelt, die unzählige Daten über die eigenen Kunden durchsuchbar macht, um die Ergebnisse gegen Bezahlung an Behörden weiterzugeben. Das berichtet das US-Portal The Daily Beast unter Berufung auf bislang unveröffentlichte interne Dokumente und beleuchtet damit ein Überwachungsinstrument, das New York Times vor drei Jahren erstmals öffentlich gemacht hat. Die neue Enthüllung dürfte nun weitere Fragen über die Rechtmäßigkeit der Kooperation, den Umgang des US-Konzerns mit dem Vertrauen seiner Kunden und das Vorgehen von US-Behörden aufwerfen.

Wie The Daily Beast deutlich macht, verfügt AT&T in den USA über eine einzigartige Menge an Daten über die Telekommunikation der Bürger. So betreibt der Konzern nicht nur einen Großteil der Infrastruktur für Festnetzanschlüsse, sondern auch große Teile der Mobilinfrastruktur. Anders als die Konkurrenten Verizon (12 Monate) und Sprint (18 Monate) speichere AT&T die an Mobilfunktürmen gesammelten Verkehrsdaten seit inzwischen acht Jahren. Eine Sammlung der an der eigenen Infrastruktur abgegriffenen Daten reicht sogar bis ins Jahr 1987 zurück. Mit Hemisphere könne diese gewaltige Datenmenge gezielt nach bestimmten Geräten oder Personen durchsucht werden. Diese Dienstleistung lässt sich das Unternehmen demnach von anfragenden US-Behörden entlohnen.

Sheriff- und Polizeibehörden bezahlen AT&T demnach zwischen 100.000 und einer Million US-Dollar pro Jahr, um von Hemisphere zu profitieren. Gleichzeitig werden sie aber von dem Konzern verpflichtet, eventuelle Ergebnisse möglichst nicht vor Gericht zu verwenden. Das heißt, sollten die Ermittler dank Hemisphere auf eine Spur kommen, versuchen sie danach die Verdächtigen mit "klassischen" Methoden zu überführen. Wodurch die Betroffenen eigentlich überführt wurden, erfahren sie so nicht. So solle aber Strafverfolgung nicht funktionieren, kritisiert Adam Schwartz von der Electronic Frontier Foundation gegenüber The Daily Beast.

AT&T selbst hat diese Schlussfolgerung demnach bereits zurückgewiesen und darauf hingewiesen, dass man mit den Behörden zusammenarbeite, wenn dies gesetzlich vorgeschrieben sei. Das widerspricht aber nicht dem Bericht, wird doch darin konstatiert, dass AT&T von sich aus die eigenen Kunden massiv überwache und die dafür nötigen Werkzeuge staatlichen Behörden gegen Bezahlung zur Verfügung stellt. "Unternehmen müssen Daten an Strafverfolger übergeben, wenn das gefordert wird und sie sie besitzen. AT&T muss aber nicht seine eigenen Datenbanken durchwühlen um der Polizei dabei zu helfen, neue Spuren zu finden", fasst es Christopher Soghoian von der American Civil Liberties Union zusammen. (mho)

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