NSA-Skandal: US-Geheimdienst durchforstet automatisiert Sprachnachrichten

Der US-Geheimdienst NSA durchforstet automatisiert Sprachnachrichten und wandelt sie dafür in leicht zu durchsuchende Text-Transkripte um. Aus den Snowden-Dokumenten geht laut einem Medienbericht nicht hervor, wo und in welchem Umfang das eingesetzt wird.

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(Bild: dpa/heise online)

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Die NSA arbeitet seit Jahren mit zunehmendem Erfolg daran, auch Audio-Kommunikation für die Massenüberwachung zugänglich zu machen. Wie The Intercept unter Berufung auf Dokumente von Edward Snowden berichtet, beschränken sich die Erfolge dabei bislang darauf, automatisiert Stichwörter in Sprachnachrichten zu finden. Und dank der vielen Überwachungsprogramme seien die Datenbanken voll mit derartiger Kommunikation. Der US-Geheimdienst sei demnach gegenwärtig in der Lage, grobe Transkripte von abgefangenen Gesprächen zu erstellen. Die können dann leicht durchsucht und archiviert werden.

Die Dokumente zeigen demnach, dass 2006 bei der NSA der Einsatz einer Software für Sprachanalyse erläutert wurde. Dabei sei es um Anwendungen in Kriegsgebieten wie Afghanistan und dem Irak, aber auch in Lateinamerika gegangen. Derartige Systeme seien dann weiter entwickelt worden, hätten aber immer mit der schlechten Übertragungsqualität zu kämpfen. Das 2006 eingesetzte System RHINEHART sei offenbar 2013 durch eines mit der Bezeichnung SPIRITFIRE ersetzt worden. Ein Dokument aus dem Jahr 2008 handelt dann noch von einem Überwachungstool, das vollautomatisch deutlich leichter verständliche Nachrichtensendungen in Arabisch, Madarin, Russisch, Spanisch, Englisch und Farsi in Texte konvertiert und die ins Englische übersetzt.

In dem Bericht wird eingestanden, dass Teile dieser Programme nicht geheim sind oder waren. Teilweise seien die NSA-Tools inzwischen sogar kommerziell verfügbar. Trotzdem sei die Entwicklung besorgniserregend. Immerhin sei die Entwicklung offenbar nicht-öffentlich und ohne Aufsicht durch den US-Kongress geschehen. Die automatisierte Überwachung habe andere datenschutzrechtliche Konsequenzen als ein mithörender Spion, ergänzt Überwachungsexperte Kim Taipale. Computerwissenschaftler Phillip Rogaway wiederum erinnert daran, dass die Algorithmen für Menschen nicht zu durchschauen sind. Bürger würde das dazu verleiten, sich möglichst allen anderen anzupassen, um dem System nicht aufzufallen. Das sei die große Gefahr. (mho)