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NSA-Skandal: Verizon zählt Hunderttausende Anfragen nach Kundendaten

Angesichts des NSA-Skandals bemüht sich der US-Telekomanbieter Verizon um mehr Transparenz. Er veröffentlichte erstmals detaillierte Zahlen zu Behördenanfragen. Sie zeigen ein gewaltiges Ausmaß an Zugriffen.

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Beim US-Telekommunikationskonzern Verizon sind im vergangenen Jahr 2996 Behördenanfragen aus Deutschland zu Kundendaten eingegangen. Dies teilte das Unternehmen am späten Mittwoch in seinem erstmals vorgelegten Transparenzbericht mit. US-Behörden stellten demnach im gleichen Zeitraum über 321.500 Anfragen nach Nutzerdaten oder Überwachungsanträge.

Das Ausmaß übertrifft die Zahl der Zugriffe bei Internetfirmen um ein Vielfaches. "Unser Bericht spiegelt die Tatsache wieder, dass Telecomanbieter mehr Behördenanfragen erhalten als wohl irgendeine andere Industrie", schrieb Verizon-Chefjurist Randal Milch im hauseigenen Blog. Zu Bedenken ist aber gleichzeitig, dass sich nicht jede Anfrage nur um einen Kunden drehen muss. So hat Edward Snowden enthüllt, dass die NSA beispielsweise alle 90 Tage auf einen Schlag alle Verbindungsdaten von US-Kunden erhält.

In Hunderttausenden Fällen erhielten Behörden von Verizon Informationen über Kunden.

(Bild: dpa, Uli Deck)

Unter den nun aufgezählten Anfragen aus den USA an Verizon finden sich 14.500 Gerichtsbeschlüsse zur Herausgabe von gespeicherten Inhalten wie SMS oder E-Mails. Hinzu kommen gut 7800 Überwachungsanträge, mit denen Strafverfolger die Kommunikation von Verdächtigen in Echtzeit verfolgen können. Der weitaus größte Teil aber umfasst sogenannte Subpoenas, mit denen unter Strafandrohung die Herausgabe von Nutzername, Adresse, Telefonnummer, Vertragslaufzeit, Verbindungsdaten und Bezahldaten verlangt wird. Die müssen zumeist nicht von einem Richter abgesegnet werden.

Im Vergleich dazu registrierte Facebook für das zweite Halbjahr 2012 zwischen 9000 und 10.000 Anfragen von US-Behörden. Betroffen waren zwischen 18.000 und 19.000 Accounts. Google berichtete für das erste Halbjahr 2013 von gut 25.000 Anfragen weltweit. Microsoft und sein Online-Telefondienst Skype erhielten in demselben Zeitraum mehr als 37.000 Aufforderungen, Nutzerdaten herauszugeben. Internetunternehmen drängen die US-Regierung derzeit, weitere Details auch zu bisher geheimen Anfragen veröffentlichen zu dürfen. Diesem Aufruf hatte sich Verizon angeschlossen.

Im internationalen Vergleich ist außerdem bemerkenswert, dass die die Zahl der deutschen Anfragen an Verizon deutlich höher ist als in anderen Ländern. Zum Vergleich: Aus Frankreich gingen 1347 Anträge ein, aus Großbritannien 386. Außerhalb der USA wende sich Verizon vor allem an Geschäftskunden und weniger an Endverbraucher, erklärte das Unternehmen. Verizon ist der erste US-Provider, der derartige Zahlen zu Behördenanfragen veröffentlicht. (mho)

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