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NSA-Skandal: Vollständig abgehörtes Land ist wohl der Irak

Die Washington Post war noch gebeten worden, nicht zu enthüllen, welches Land die NSA komplett abhört. Wenige Tage später hat der ehemalige NSA-Vize dieses Geheimnis jetzt offenbar doch gelüftet.

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Das Land, dessen sämtliche Telefongespräche die NSA im Rahmen des jüngst enthüllten Programms Mystic speichert, ist offenbar der Irak. Das zumindest geht aus einem Artikel der Los Angeles Times hervor, in dem der ehemalige stellvertretende NSA-Chef John Inglis zu Wort kommt. Er wird zitiert mit der Erklärung in dem Land habe man anfangs nur etwa die Hälfte aller feindlichen Nachrichten abgefangen und Stunden zur Verarbeitung gebraucht. Inzwischen sei man aber in der Lage, "jede irakische E-Mail, SMS und jeden Standort von Telefonierenden in Echtzeit zu sammeln, zu sortieren und zur Verfügung zu stellen."

NSA-Skandal

Die NSA, der britische GCHQ und andere westliche Geheimdienste greifen in großem Umfang internationale Kommunikation ab, spionieren Unternehmen sowie staatliche Stellen aus und verpflichten Dienstleister im Geheimen zur Kooperation. Einzelheiten dazu hat Edward Snowden enthüllt.

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Diese Aussage scheint das fehlende Puzzleteil zur Enthüllung der Washington Post zu sein, dass die NSA seit 2011 mindestens ein Land komplett abhören kann. Alle Telefonate werden demnach für 30 Tage gespeichert. Analysten können sie in diesem Zeitraum anhören und auch für später sichern. Das Programm, das als Symbol einen Zauberer mit lilafarbener Robe und einem Zauberstab mit Handy hat, soll demnach auf weitere Länder ausgedehnt werden oder wurde bereits ausgeweitet. Um welche Länder es sich handelt, schrieb die Zeitung nicht, "auf Bitten von US-Offiziellen".

In einem ausführlichen Artikel kritisiert Glenn Greenwald auf The Intercept nun diese Informationspolitik der NSA. So habe die US-Regierung verhindert, dass das vollständig abgehörte Land im ersten Bericht namentlich genannt wurde, mutmaßlich aus Gründen der nationalen Sicherheit. Zwei Wochen später werde es dann aber gegenüber dem "größten NSA-Verteidiger unter den US-Journalisten" enthüllt, der dann einen Artikel verfasse, der sich "wie eine NSA-Werbung" lese. Welche Befugnis Inglis habe, um diese Information überhaupt zu enthüllen, sei auch unklar. (mho)