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NSA-Skandal: Weitere US-Überwachungsstation in Wien dokumentiert

Im Rahmen der Snowden-Enthüllungen rückt Wien immer wieder in den Blickpunkt, wenn es darum geht, die Überwachungsbestrebungen der US-Dienste aufzuzeigen. Nun wurde eine weitere mutmaßliche Spionagestelle ausführlich dokumentiert.

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Dass Wien als einer von vier offiziellen Sitzen der Vereinten Nationen im besonderen Interesse von Geheimdiensten steht, ist nicht erst seit Beginn der Snowden-Enthüllungen klar. Die haben aber einen neuen Einblick in die Aktivitäten der US-Amerikaner ermöglicht und nun gibt es weitere Details. Aktuelle Fotos zeigen laut dem Radiosender FM4 den sogenannten "Vienna Annex" der in enthüllten US-Dokumenten genannt wurde. Er befindet sich demnach auf dem Dach des IZD Tower (Internationales Zentrum Donaustadt) am linken Donauufer der österreichischen Hauptstadt. In dem Gebäude befindet sich auch die Vertretung der USA bei den Vereinten Nationen.

Der mutmaßliche "Vienna Annex" auf dem IZD Tower

(Bild: Bing Maps)

Anhand der Fotos und verschiedener Anhaltspunkte lässt sich demnach gut ein Aufbau erkennen, der dem auf der US-Botschaft in Wien und anderswo ähnelt. Die Struktur auf dem IZD Tower sei vom Boden aus quasi nicht zu erkennen und auf dem Gebäude durch massive Stahlgitter vom Rest des Dachs getrennt. Gut lässt sich das etwa auf Microsofts Kartendienst Bing nachvollziehen. In dem Aufbau, der einem Wartungshäuschen gleicht, dürften demnach keine IMSI-Catcher zur Überwachung des Mobilfunkverkehrs in der Gegend eingesetzt werden. Die wären zu schnell überlastet und zu leicht zu entdecken. Stattdessen diene es wohl als Station, um abgefangene Daten aus den äußerst nahen UN-Gebäuden zu sammeln und weiterzuleiten.

Wie gut die Lage dieser Spionagestation ist, hatte der Kurier bereits vor einem Jahr beschrieben. Von dort könne man mit einem Fernglas sogar die Speisekarte in dem nächsten UN-Turm lesen. Mit einem Lasermikrophon ließen sich außerdem Räume abhören, in denen keine Wanzen versteckt seien. Diese exponierte Lage werde aber auch zum Problem, fügt nun FM4 hinzu: Wenn es in der Gegend zu den dort "regelmäßigen, teils massiven, breitbandigen Funkstörungen" komme, dann wohl, weil andere Dienste den USA im wahrsten Sinne des Wortes dazwischen zu funken versuchten.

Mit den aktuellen Erläuterungen ist das mit den Snowden-Dokumenten offengelegte US-Überwachungsystem in Österreichs Hauptstadt nun vergleichsweise gut dokumentiert. Neben der Anlage auf dem IZD Tower gebe es noch ein offenbar baugleiches Wartungshäuschen auf der US-Botschaft und die berüchtigte NSA-Villa. Die diene wohl nur als Relaistation, direkt abgehört werde von dort wohl nicht. Was es mit einer vierten Erwähnung Wiens, als "Tier-B"-Partner auf sich habe, sei dagegen noch unklar. Dabei gehe es um geheime Zugriffsmöglichkeiten der NSA auf zentrale Router großer Netzwerkprovider. (mho)