Menü

NSA sabotiert offenbar auch direkt in Deutschland

Neuen Dokumenten zufolge greifen NSA-Agenten nicht nur in den USA Postsendungen ab, um sie zu manipulieren, sondern wohl auch in Deutschland. Außerdem kooperieren nicht nur US-Unternehmen, um die Überwachung zu erleichtern.

Die NSA hat offenbar auch in Deutschland Agenten stationiert, die beispielsweise Postsendungen abfangen und darin enthaltene Netzwerktechnik manipulieren, bevor sie an ihr eigentliches Ziel weitergeleitet wird. Das deuten Dokumente des NSA-Whistleblowers Edward Snowden an, die The Intercept nun veröffentlicht hat. Darin geht es um verschiedene "Kerngeheimnisse" ("Core Secrets") des US-Geheimdiensts, die nur ausgewählten US-Offiziellen bekannt sind. Zur Sprache kommt unter anderem ein Programm namens "TAREX" zu dem auch der "Eingriff in Lieferketten" gehört. TAREX-Einheiten gibt es demnach nicht nur in den USA (Hawaii, Texas und Georgia) sondern auch in Südkorea, China (Peking) und eben Deutschland.

Die Core Secrets sind noch einmal extra-geheim

(Bild: The Intercept)

Aus dem Dokument, das lediglich Klassifizierungsstufen für bestimmte Geheimnisse auflistet, gehe nicht hervor, was genau die TAREX-Einheiten machen. Allgemein gehörten zu ihren Aufgaben aber verschiedene Maßnahmen, um Zugriff auf Hardware zu bekommen. Der Journalist Glenn Greenwald hatte bereits vor Monaten enthüllt, dass die NSA Postsendungen mit Cisco-Geräten abfängt, um die Technik zu manipulieren. Wenn die dann an ihren eigentlichen Empfänger gegangen ist, haben die Agenten aus der Ferne Zugriff. Den neuen Enthüllungen zufolge könnten davon nicht nur Cisco und andere US-Unternehmen betroffen sein, sondern auch welche aus Südkorea, China und Deutschland. In allen drei Staaten gibt es große Hersteller von Netzwerktechnik.

Aber nicht nur im Rahmen von TAREX stehen auch ausländische Unternehmen deutlich stärker im Fokus der NSA als bislang gedacht. Zu den Kerngeheimnissen gehört demnach auch eine Reihe anderer Programme, die unter "Sentry Eagle" ("Wachadler") zusammengefasst werden. Bei "Sentry Owl" ("Wacheule") etwa, gehe es um bislang unbekannte Kooperationen mit ausländischen Unternehmen. Demnach arbeitet die NSA "mit bestimmten ausländischen Partnern und ausländischen Unternehmen" daran, Geräte und Produkte für die Überwachung nutzbar zu machen.

Zwar werden weder Unternehmensnamen noch Umfang der Kooperation genannt, trotzdem lässt die Enthüllung einen Wechsel auf vermeintlich sichere Technik, etwa aus Deutschland, in einem anderen Licht erscheinen. Immer wieder hatte es in den vergangenen Monaten Initiativen gegeben, US-Technik zu meiden, um die Überwachung zu verhindern. Wenn die NSA aber auch mit ausländischen Konzernen kooperiert, würde ihr Zugriff so wohl nicht erschwert. Im Rahmen von "Sentry Hawk" ("Wachhabicht") wiederum arbeitet die NSA "mit US-amerikanischen und ausländischen Konzernen bei Angriffen auf Computernetzwerke [Computer Network Exploitation] zusammen". Unklar sei, ob die jeweiligen Regierungen davon wüssten.

Nach Einsicht in die Akten forderte der NSA-Whistleblower William Binney ausländische Regierungen auf, die Unternehmen im eigenen Land genauer zu prüfen. Die müssten unter Eid zu einer möglichen Kooperation mit der NSA befragt werden. Dass das aber nicht reichen könnte, zeigt ein weiteres Detail aus den neuen Enthüllungen. Demnach umfasst "Sentry Eagle" ("Wachadler") auch Undercover-Agenten der NSA bei US-amerikanischen und eventuell auch ausländischen Unternehmen. Dabei handle es sich nicht um Mitarbeiter mit Sicherheitsfreigaben, die oft von US-Sicherheitsbehörden in die Konzerne wechseln, um die gesetzlich erlaubte Weitergabe von Informationen zu regeln. Stattdessen gehe es hier um Angestellte, von denen niemand im Unternehmen wisse, dass sie eigentlich für den Staat arbeiten. Die könnten etwa an besonders vertrauliche Daten, wie die privaten Kryptographie-Schlüssel gelangen.

Zuletzt weist The Intercept noch auf ein weiteres Detail hin. Zu "Sentry Eagle" gehöre auch ein Programm namens "Sentry Raven" (Wachrabe"). Laut der Beschreibung arbeitet die NSA dabei mit "bestimmten US-Konzernen zusammen, Kryptographie-Systeme aus den USA für die Überwachung nutzbar zu machen". Zwar werden auch hier keine Namen genannt, aber das erinnert an die Enthüllung, dass RSA Geld erhalten hat, um ein Verschlüsselungsprogramm zu schwächen. Es bestätigt gleichzeitig, dass Verschlüsselungssystemen aus den USA nicht vertraut werden kann.

Die neuen Enthüllungen kommen aus der Feder der Journalistin und Filmemacherin Laura Poitras, zu der Edward Snowden Kontakt aufgenommen hatte, um seine Dokumente an die Öffentlichkeit zu bringen. Sie kommen pünktlich zur Premiere ihres Dokumentarfilms CITIZENFOUR, am gestrigen Freitag in New York. Darin erzählt sie die Geschichte von Edward Snowden und beleuchtet sein Schicksal und seine Entscheidung. Der Film soll am 6. November in die deutschen Kinos kommen.

Trailer für CITIZENFOUR

(mho)

Anzeige
Zur Startseite
Anzeige