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NSA soll massenhaft Mails bei Google und Yahoo abgreifen und den Vatikan bespitzeln

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Der US-Geheimdienst NSA hat sich laut einem Zeitungsbericht weltweit heimlich in die Leitungen von Rechenzentren der Internetanbieter Google und Yahoo eingeklinkt. Auf diese Weise sei die Spionagebehörde in der Lage, die Daten von Hunderten Millionen Nutzerkonten abzugreifen, darunter auch von Amerikanern, berichtete die Washington Post am Mittwoch unter Berufung auf Dokumente des Informanten Edward Snowden. Die betroffenen Firmen hätten überrascht und besorgt auf die Vorwürfe reagiert. Die Führung des US-Geheimdienstes widersprach dem Bericht.

Darüber hinaus soll die NSA einem Magazinbericht zufolge auch den Vatikan belauscht haben. Wie das Magazin Panorama berichtet, soll der Geheimdienst zwischen dem 10. Dezember 2012 und dem 8. Januar 2013 in Italien 46 Millionen Telefongespräche abgehört haben, darunter auch Verbindungen mit dem Vatikan. Möglicherweise habe die NSA auch Erkenntnisse dazu gewinnen können, wie über die Nachfolge des damaligen Papstes Benedikt XVI. beraten wurde.

Von internen Google- und Yahoo-Netzwerken soll die NSA laut Washington Post täglich Daten in ihre Datenzentren im NSA-Hauptquartier schicken. Das stehe in den NSA-Papieren vom 9. Januar. In den vorangehenden 30 Tagen seien damals mehr als 181 Millionen neue Aufzeichnungen registriert worden. Dabei habe es sich um Absender- und Empfängerdaten bis hin zu Inhalten wie Text, Tonaufnahmen und Videos gehandelt, schreibt die Zeitung.

Die NSA betreibe gemeinsam mit dem britischen GCHQ ein "ungewöhnlich aggressives" Werkzeug mit dem Namen "Muscular", das die Daten erschließe. Es unterscheide sich von dem durch ein Geheimgericht genehmigten Spähprogramm "Prism", das den US-Behörden direkten Zugang zur Internetkommunikation über verschiedene Anbieter ermögliche.

Es sei bislang nicht bekannt gewesen, dass die NSA auch routinemäßig gegen US-Unternehmen vorgehe. Sie nutze dabei aus, auf Verbindungen zu Datenzentren außerhalb der USA zuzugreifen, was juristisch einfacher sei. Google etwa betreibe sie in Irland, Finnland, Belgien, Chile oder Singapur.

"Wir haben keinen Zugang zu Google-Servern, Yahoo-Servern und so weiter", sagte NSA-Chef Keith Alexander kurz nach Bekanntwerden des Berichts auf einer Internetsicherheits-Konferenz in Washington. Die NSA besorge sich einen Gerichtsbeschluss. "Es sind auch nicht Millionen, es geht um Tausende. Und fast alle richten sich gegen Terrorismus und andere solche Dinge."

In einer Mitteilung an die Zeitung habe Google sich "bekümmert" geäußert über die Vorwürfe, "dass die Regierung den Verkehr zwischen unseren Datenzentren abgreift", schrieb die Washington Post. Dem Unternehmen seien diese Maßnahmen nicht bekannt. "Wir sind seit langem besorgt über die Möglichkeit dieser Art des Ausspähens, weshalb wir weiter die Verschlüsselung über immer mehr Google-Angeboten ausdehnen."

Yahoo sprach in einer Reaktion davon, "strenge Protokolle" zum Schutz von Daten in den Rechenzentren zu haben. Man habe keiner staatlichen Behörde Zugang gegeben. Die NSA hingegen spricht in internen Präsentationen immer davon, Zugang zu haben. (mit Material der dpa) / (anw)