NSI nimmt Strato-Kundendomains aus dem DNS

Im Streit mit Network Solutions um rund 300.000 .com- .net- und .org-Domains seiner Kunden gerät der Webhoster Strato zunehmend in Schwierigkeiten.

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Im Streit mit Network Solutions (NSI) um rund 300.000 .com- .net- und .org-Domains (cno-Domains) seiner Kunden gerät der Webhoster Strato zunehmend in Schwierigkeiten. Hieß es zu Beginn der Auseinandersetzung noch, dass die Domains zu keiner Zeit gefährdet seien, musste Strato jetzt einräumen, dass man auf die Mithilfe der Kunden angewiesen ist, wenn Domain-Registrierungen nicht verloren gehen sollen.

Bisher registrierte und verwaltete Strato alle cno-Domains bei der Registry VeriSign beziehungsweise deren (ehemalige) Tochterfirma NSI. Vertraglich abgesichert war dieses Verfahren über ein so genanntes "Channel Agreement". Diesen Vertrag kündigte Strato zum 2. Januar und möchte nun rund 300.000 cno-Domains von etwa 100.000 Kunden per KK-Antrag zum Registrar Cronon, einer Schwesterfirma, ziehen, um Geld zu sparen. Offensichtlich ist NSI aber nicht gewillt, die Strato-Domains kampflos aufzugeben und versucht nun die Kunden des deutschen Providers über dessen Kopf hinweg per E-Mail und Briefpost zum Abschluss eines vergleichsweise teuren Registrierungsauftrags zu überreden.

cno-Domains müssen einmal pro Jahr vom Domain-Inhaber mit einem so genannten "Renewal" bei seinem Registrar erneuert werden. Bisher erledigte Strato diesen Prozess für seine Kunden und überwies den dafür fälligen Betrag an NSI. Weil NSI aber Strato nunmehr den Zugriff auf die Registrierungsdatenbank verweigert, kann der Webhoster diesen Prozess nicht mehr selbst ausführen. Domains, deren Renewal Anfang bis Mitte Januar anstand, nimmt NSI bereits jetzt aus dem DNS. heise online erfuhr von mehreren empörten Strato-Kunden, die gemäß den Empfehlungen des Webhosters die NSI-Schreiben ignorierten, dass deren cno-Domains bereits nicht mehr erreichbar sind. NSI verlangt für die jetzt anstehende so genannte "Rekonnektierung" stolze 150 US-Dollar, angeblich wegen des hohen Bearbeitungsaufwands.

Um dererlei "Einzelfälle" werde man sich gesondert kümmern, versprach Strato-Aufsichtsrat Rochus Wegener im Gespräch mit heise online: "Notfalls werden wir den betroffenen Kunden die von NSI widerrechtlich erhobenen Gebühren zurückerstatten." In der Tat habe sich die Situation geändert und Strato sei nunmehr auf die Mithilfe seiner Kunden angewiesen, weil sich "NSI total querstellt". Strato habe sie daher gebeten, alle Mails von NSI an den Kundenservice weiterzuleiten, der die Domains dann mit dem von NSI in der Mail übermittelten Zugang zum neuen Strato-Registrar umzieht.

Der Webhoster will in nächster Zeit beginnen, für sämtliche betroffene Domains KK-Anträge bei NSI zu stellen. Auch in diesem Fall ist er auf seine Kunden angewiesen, denn sie werden dann per E-Mail von NSI aufgefordert, einem KK-Antrag für den Umzug der Domain zur Cronon AG zuzustimmen. Über all diese Eventualitäten möchte Strato die Betroffenen in dieser Woche per E-Mail und Briefpost informieren. Nach Angaben von Wegener sind bisher rund 15.000 der 300.000 Domains umregistriert worden. Lediglich etwa 50 Kunden seien auf die Offerte von NSI, die Domain für rund 35 US-Dollar pro Jahr dort zu belassen, eingegangen. (hob)