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Nach Anschlag auf US-Synagoge: Hoster zieht bei Twitter-Alternative Gab den Stecker

Die Twitter-Alternative Gab, die bei Neonazis beliebt ist, hat ihren Dienst vorübergehend beendet. Der Webhoster GoDaddy hatte ein Ultimatum gestellt.

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Synagogen-Schüsse: Rechtsgerichtete Seite Gab ist vorerst offline

(Bild: Gab)

Nachdem ein offenbar rechtsradikaler Waffennarr am Samstag in einer Synagoge in Pittsburgh elf Gläubige erschossen hatte, hat das soziale Netzwerk Gab.com seinen Dienst zunächst zwangsweise eingestellt. Der Schütze Robert B. hatte über die Plattform, die bei Neonazis und anderen Rechtsradikalen beliebt ist, vor dem Anschlag antisemitische Botschaften und Verschwörungstheorien gegen Donald Trump verbreitet. Nach dem Attentat gab Gabs Hostprovider GoDaddy dem Betreiber wegen Verstößen gegen die Geschäftsbedingungen 24 Stunden Zeit, um zu einem anderen Dienstleister umzuziehen.

GoDaddy begründete den Schritt damit, dass man nach Beschwerden am Wochenende "zahlreiche Fälle von Inhalten auf der Seite" entdeckt habe, "die Gewalt gegen Menschen befördern und dazu aufrufen". Zuvor hatten andere Techfirmen und Plattformen wie Paypal, Medium oder Stripe Gab blockiert und damit auf Hassbotschaften auf dem Portal reagiert. Apple, Google und Microsoft kündigten ebenfalls Schritte an, um die Twitter-Alternative von ihren Angeboten auszuschließen.

Der Internetunternehmer Andrew Torba hatte Gab vor zwei Jahren gegründet als Hort für die freie Meinungsäußerung ohne Grenzen. Er beklagte damals, dass gängige soziale Netzwerke wie Facebook oder Twitter konservative Ansichten zensierten. Gab zog damit auch rasch rechtsradikale Online-Größen wie Alex Jones oder Richard Spencer an, die andere Social-Media-Plattformen bereits vor die Tür gesetzt hatten. Kritiker monieren, dass die auf dem Portal gewährte Redefreiheit oft in Hassrede und Terrorpropaganda umgeschlagen sei.

Torba inszeniert sich nun als Opfer einer Verschwörung des Establishments. Gab sei inmitten der Kooperation mit dem US-Justizministerium und dem FBI von "essenziellen Internet-Infrastruktur-Anbietern auf jeder Ebene" die Basis für die Plattform entzogen worden, schreibt der Gründer auf einer noch verbliebenen Rumpfseite auf der Domain. Dem Portal komme damit die zweifelhafte Ehre zu, das "am meisten zensierte" und verleumdete Startup in der Geschichte zu sein. Dies liege offenbar daran, "dass wir eine Bedrohung für die Medien und die Silicon-Valley-Oligarchie darstellen".

Die hinter Gab stehende Idee könne aber nicht gestoppt werden, versichert Torba. Man sei nun auf der Suche nach einem neuen Host-Provider, sodass das Netzwerk für eine gewisse Zeit nicht erreichbar sein werde. Es werde rund um die Uhr daran gearbeitet, das Portal wieder online zu bringen. Zuvor hatte der Gründer noch versichert, dass es auf der Plattform "null Toleranz" für Terrorismus und Gewalt gebe. Die Meinungsfreiheit sei gerade entscheidend, um Hasstaten zu verhindern. Wenn sich Leute nicht durch Worte ausdrücken könnten, würden sie es auf gewalttätige Weise tun.

GoDaddy hatte im August 2017 auch die Betreiber der Neonazi-Seite "The Daily Stormer" aufgefordert, sich einen neuen Anbieter zu suchen. Zuvor war dort massiv gegen eine junge Frau gehetzt worden, die dann Opfer eines offenbar rechtsterroristischen Anschlags wurde. (axk)