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Nach Assange-Festnahme: Cyberattacken auf Ecuador angeblich verdoppelt

Cyberangreifer machen offenbar Ecuador für die Verhaftung Julian Assanges verantwortlich. Angriffe auf Regierungs-Websites von Ecuador seien deutlich gestiegen.

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Illustration - Hacker

Nach Angaben des Vize-Minister für Telekommunikation von Ecuador, Patricio Real, soll sich die Anzahl der Cyberangriffe auf Institutionen der ecuadorianischen Regierung verdoppelt haben. Seit der Festnahme von Wikileaks-Gründer Julian Assange in der Botschaft von Ecuador in London sei die Zahl der Attacken auf täglich 40 Millionen angewachsen, sagte er am Montag.

Betroffen seien nach Angaben von Real unter anderem die Websites des Präsidenten, der Zentralbank und des Außenministeriums von Ecuador gewesen, heißt es in einem Bericht der Nachrichtenagentur Reuters. Der Anstieg von Hacker-Attacken sei unmittelbar nach der Festnahme Assanges am vergangenen Donnerstag zu beobachten gewesen.

Welcher Herkunft die Cyberattacken sind, dazu konnte Real keine genauen Angaben machen. Sie sollen jedoch ihren Ursprung in den USA, Brasilien, den Niederlanden, Deutschland, Rumänien, Frankreich, Österreich und Großbritannien gehabt haben. Es sei schwierig, den Angriffen eine genaue Gruppe zuzuordnen, sagte er weiter. Wie Reuters berichtet, stehe jedoch das Hacker-Kollektiv "Anonymous" in Verdacht, die auch für zahlreiche Cyberattacken auf Regierungsinstitutionen in den USA und Großbritannien verantwortlich gemacht wird.

"Im Laufe des Abends vom 11. April sind wir vom einundfünfzigsten auf den einunddreißigsten Platz der Liste weltweiter Cyberattacken gesprungen", sagte Real. Die Versuche der Hacker hätten jedoch zu keinerlei Datendiebstahl auf Regierungs-Websites geführt. Bürger hätten jedoch seitdem Probleme, Zugang zu ihren Accounts auf den betroffenen Websites zu erhalten. Um die Störungen wieder in den Griff zu bekommen, habe Ecuador von Israel Hilfe in Sachen Cybersicherheit erhalten, sagte Real.

Der Wikileaks-Gründer Julian Assange war am 11. April nach seinem siebenjährigen Asyl auf "Einladung" der Botschaft Ecuadors in London von der britischen Polizei festgenommen worden. Vorab hatte der Präsident Ecuadors, Lenin Moreno, Julian Assanges‘ Asylstatus aufgehoben, weil dieser sich wiederholt nicht an die Asyl-Auflagen der Botschaft gehalten habe. Außerdem habe Assanges‘ Wikileaks damit gedroht, rechtliche Schritte gegen Ecuador einzuleiten. Ecuador hatte Assange Asyl unter der Vorgängerregierung des damaligen Präsidenten Rafael Correa gewährt und dem Australier die ecuadorianische Staatsbürgerschaft verliehen.

Julian Assange hatte sich durch die Flucht in die Londoner Botschaft Ecuadors vor der Verhaftung durch die britische Polizei wegen des Verstoßes von Kautionsauflagen entzogen. Der 2012 ausgestellte Haftbefehl gegen Assange wurde mit der Verhaftung umgesetzt. Ein weiterer Grund für die Verhaftung soll das US-amerikanische Auslieferungsersuchen von 2017 gewesen sein. Assange wird vorgeworfen, sich im Zusammenhang mit Veröffentlichungen von geheimen Dokumenten unter anderem zum Irak-Krieg mit der Whistleblowerin Chelsea Manning verschworen zuhaben.

Kritiker halten die Auslieferung Assanges an die USA für unverhältnismäßig. Assange hätte bei den Veröffentlichungen auf Wikileaks unter dem Schutz der Meinungs- und Pressefreiheit gestanden. Offenbar sehen das einige Cyberangreifer ähnlich, machen Ecuador für das möglicherweise in Gang kommende Auslieferungsverfahren verantwortlich und haben deswegen Cyberangriffe auf die Regierungsinstitutionen Ecuadors gestartet.

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(olb)