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Nach Daten-Pannen: "Chefsache Datenschutz"

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Die schwerwiegenden Datenpannen bei der Deutschen Telekom und die jüngst bekannt gewordene Lücke bei einer Tochter des Axel-Springer-Verlags heizen die öffentliche Debatte um Datenschutz weiter an und rücken das Thema weiter in den Fokus der Unternehmen, die eine Vertrauenskrise fürchten. Während am Freitag im Bundestag heftig um das richtige Augenmaß beim Datenschutz gestritten wurde, warnt Telekom-Chef René Obermann vor zu hohen Erwartungen. Eine vollständige Sicherheitsgarantie könne es nicht geben. "Hundertprozentigen Schutz kann kein Unternehmen versprechen. Auch nicht die Deutsche Telekom. Das wäre unseriös", sagte Obermann der Bild-Zeitung (Montagsausgabe).

Doch dürften sich die schweren Pannen in seinem Hause kaum mit überzogenen Erwartungen erklären lassen. Deshalb muss sich Obermann, der zunehmend unter Druck gerät, auch aus der eigenen Branche für die laxe Handhabung in seinem Unternehmen kritisieren lassen. Die frisch nominierte Datenschutzbeauftragte des Konkurrenten Vodafone, die ehemalige Bundesfamilienministerin Renate Schmidt, attackiert die Telekom im Focus (Montagsausgabe). "Das ist mir völlig unverständlich, wie solche Pannen passieren konnten", sagt Schmidt. Sie wirft dem Bonner Konzern ein "fehlendes Sicherheitssystem" vor. "Da wurden Datenvorschriften regelrecht missachtet."

Bei Vodafone wolle man die Datenabläufe künftig vom TÜV zertifizieren lassen, erklärt Schmidt weiter. Zudem sei Datenschutz "absolute Chefsache". Auch Obermann betont, dass die Schutzvorkehrungen bei der Telekom nochmals verstärkt worden seien. Zudem will der Bonner Konzern schnell den neu geschaffenen Vorstandsposten für Datenschutz besetzen. Obermanns Wunschkandidat, Konzern-Chefjustiziar Manfred Balz, ist im Aufsichtsrat bisher allerdings nicht auf Gegenliebe gestoßen.

Auch andere Unternehmen, die es in diesen Zeiten auch mit – im Vergleich zur Telekom-Panne – kleineren Datenlecks in die Schlagzeilen schaffen, beteuern ihre Bemühungen um einen effektiveren Datenschutz. Am heutigen Sonntag bestätigte der Axel-Springer-Verlag eine vorab veröffentlichte Meldung des Nachrichtenmagazins Der Spiegel, nach der die persönlichen Daten von Anzeigenkunden einer Springer-Tochter im Internet abrufbar waren.

Aufgrund eines "Programmierfehlers" eines externen Dienstleisters seien im September die Kundendaten von etwa 2000 Inserenten der Wochenblattverlage in Hamburg und Berlin im Netz einsehbar gewesen, heißt es in einer Mitteilung des Verlagshauses. Der Fehler sei am 25. September bekannt geworden und sofort behoben worden. Daten von rund 500 Kunden im Cache der Suchmaschine Google seien trotz intensiver Bemühungen erst am Freitag gelöscht worden.

"Wir nehmen den aktuellen Vorgang sehr ernst und versprechen eine konsequente Ursachenanalyse", erklärt Jan Bayer, Geschäftsführer der Regional- und Abozeitungen Springers, und betont die "höchsten Sicherheitsstandards" des Verlagshauses. "Der sensible Umgang und Schutz von Kundendaten ist für die Axel Springer AG von großer Bedeutung." Andere Angebote oder Tochtergesellschaften des Konzerns seien von der Panne nicht betroffen.

Unterdessen beurteilen nicht alle Wirtschaftsvertreter die neue Lust der Politik am Datenschutz in Unternehmen positiv. In der vergangenen Woche warnte die Werbewirtschaft vor negativen Auswirkungen eines überzogenen Datenschutzes. In der neuen Ausgabe der VDI-Nachrichten meldete sich Symantec-CEO John Thompson zu Wort. Der US-Amerikaner bezeichnete das Datenschutzverständnis der Europäer als übertrieben. Unter dem Gesichtspunkt der IT-Sicherheit sei etwa die Speicherung von IP-Adressen und die Verknüpfung mit Nutzerprofilen zu befürworten.

Angesichts der Datenpannen bei der Telekom mahnte Thompson vor Panik. Es müsse in Ruhe geprüft werden, wie die Daten trotz Schutzmaßnahmen nach außen gelangt seien. "Es wird immer Datendiebe geben, und die lassen sich nicht aufhalten, das müssen wir lernen zu akzeptieren." (vbr)