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Nach Datenskandal: Facebook erwartet weitere Fälle von Datenmissbrauch

Angesichts der Untersuchung des Datenskandals um Cambridge Analytica geht man bei Facebook davon aus, weitere Fälle von Datenmissbrauch und anderem Fehlverhalten zu entdecken. Davor wurden die Investoren gewarnt.

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Facebook

Facebook gehört zu den größten Werbe-Unternehmen der Welt.

(Bild: dpa, Arno Burgi)

Cambridge Analytica und die Facebook-Profile

Facebook geht davon aus, dass im Rahmen der Untersuchung des Skandals um Cambridge Analytica weitere Fälle entdeckt werden, in denen Nutzerdaten missbraucht wurden. Das teilte das US-Unternehmen in einer Mitteilung an die US-Börsenaufsicht SEC mit. Dabei könnte es sich eine Nutzung von Nutzerdaten handeln, die den AGB widerspricht, der Fund von falschen oder unerwünschten Accounts, die Beeinflussung von Wahlen, unangemessene Anzeigenkäufe, Spam, die Verbreitung von Fehlinformationen oder Aktivitäten, die die Sicherheit von Personen gefährden, listet Facebook auf. Die Aufdeckung solcher Missbräuche könnte das Vertrauen der Nutzer erschüttern und sich auch durch Gerichtsverfahren negativ auf das eigene Geschäft auswirken, warnt das Unternehmen seine Investoren.

Die Warnung ist Teil eines Berichts zu den Quartalszahlen und zeigt, dass der Datenskandal um Cambridge Analytica für den Konzern noch lange nicht beendet ist. Ein Whistleblower hatte vor wenigen Wochen bekannt gemacht, dass die Datenanalysefirma unter Zuhilfenahme von Dutzenden Millionen Facebook-Nutzerdaten Einfluss auf Abstimmungen wie die US-Wahl und das Brexit-Referendum genommen haben soll. Die dafür genutzten Daten waren vorgeblich für Forschungszwecke abgegriffen worden, weswegen Facebook das erlaubt habe, aber dann widerrechtlich weitergegeben worden. Das funktionierte, weil Entwickler von Apps für Facebook damals nicht nur Zugriff auf Facebook-Daten der App-Nutzer sondern auch von deren Freunden hatten. So konnten die Macher der App in diesem Fall Dutzende Millionen Profile abgreifen, obwohl die Anwendung selbst nur von einem Bruchteil der Betroffenen genutzt worden war.

Facebook-Chef Mark Zuckerberg hatte sich später entschuldigt und darauf verwiesen, dass zumindest der App-Zugriff auf die Daten von Facebook-Freunden schon vor Jahren abgeschaltet worden war. Zuvor war der Zugriff auf die Unmengen an Daten auch ein Anreiz für die Entwickler gewesen, Anwendungen für Facebook zu programmieren, um auf diesem Weg an wertvolle Nutzerdaten zu gelangen. Facebook erhielt im Gegenzug Software für die eigene Plattform, die die Nutzer im besten Fall dazu brachte, mehr Zeit dort zu verbringen. Es ist davon auszugehen, dass viele Apps auf diese Weise massenhaft Nutzerdaten gesammelt haben. Wie umfangreich die Aufarbeitung nun aber ausfällt, muss sich erst noch zeigen. (mho)