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Nach Dragster auch Donkey Kong: Zweifel an Videospiel-Rekorden von Billy Mitchell

Der umtriebige Videospiel-Profi Billy Mitchell soll mehrere Highscore-Ergebnisse in Donkey Kong nicht wie behauptet auf echten Arcade-Automaten, sondern im Emulator MAME erspielt haben. Nun droht ihm die Aberkennung der Rekorde.

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Nach Dragster auch Donkey Kong: Zweifel an Videospiel-Rekorden von Billy Mitchell

Billy Mitchell (rechts) bei der Verkündung des Weltrekords mit 1,062 Millionen Punkten in 2010.

(Bild: Jeremy Young "Xelnia", youtube.com/watch?v=7y15Y6xrpXY)

Die Donkey-Kong-Fansite Donkey Kong Forum hat drei Highscore-Werte der Videospiel-Legende Billy Mitchell aus den 2000er Jahren aufgrund eines Betrugsverdacht aus den Bestenlisten entfernt. Am Freitag hatte ein Moderator des Donkey Kong Forums ernste Zweifel an der Echtheit von Mitchells Rekordversuchen erhoben.

Die damaligen Rekordversuche hatte Mitchell per Stream an die Arcade-Webseite Twin Galaxies übermittelt, die solche Highscores auswertet und auf Echtheit überprüft. Nach Angaben des Donkey-Kong-Foren-Moderators Jeremy Young ("Xelnia") gibt es klare Beweise dafür, dass Mitchell diese Rekorde auf dem Emulator MAME (Multiple Arcade Machine Emulator) erspielt hat, obwohl er angegeben hatte, sie auf einem echten Arcade-Automaten erzielt zu haben. Dazu verglich Young Videomaterial der Mitchell-Rekorde mit Aufzeichnungen echter Arcade-Automaten.

Das Donkey Kong Forum lässt zwar prinzipiell auch per MAME erzielte Rekorde zu, dazu müssen sie aber auch so dokumentiert sein, dass keine Manipulation möglich ist. Dies ist bei Mitchells Material nicht der Fall. Das heißt: Die Rekorde von Mitchell könnten prinzipiell – trotz Täuschungsversuch – immer noch echt sein, nur ist dies dann nicht mehr nachweisbar. Denn mit Hilfe von MAME hätte der Rekord auch aus mehreren Spielversuchen zusammengefügt worden sein.


Nicht offiziell aberkannt

Während sich das Donkey Kong Forum bereits entschieden hat, die Rekorde aufgrund der vorgebrachten Beweise aus der Highscore-Liste zu entfernen, sind sie bei der eigentlichen Instanz für Arcade-Weltrekorde, der Webseite Twin Galaxies, immer noch gelistet. Demnach rangiert Mitchell auf Platz 12 der Weltrekordliste mit 1,062 Millionen Punkten. Der Wert, der laut Liste von einem "Referee" (Schiedsrichter) überprüft wurde, gilt aber schon länger als "umstritten" und ist auch entsprechend in der Bestenliste markiert.

Die drei Rekorde mit 1,047 Millionen, 1,050 Millionen und 1,062 Millionen Punkten von Mitchell sind zwar schon seit längerem mehrfach übertroffen worden, hatten aber in den Jahren von 2007 bis 2010 für Aufsehen gesorgt, als sich Billy Mitchell mit Steve Wiebe einen Kampf um die Spitze der Bestenlisten lieferte. Populär wurde dieser Wettstreit insbesondere durch den Dokumentarfilm "The King of Kong: Fistful of Quarters" aus dem Jahr 2007.

Durch die Aberkennung seiner Erfolge jenseits der Millionen-Punkte-Grenze ist Mitchell im Donkey-Kong-Forum nun auf den Bestenlisten weit nach unten gerutscht und nur noch auf Platz 47 mit 933.900 Punkten vertreten - diesen Rekordversuch hatte Mitchell bei einem öffentlichen Event bestritten.

Unterschiedlicher Bildaufbau

Highscore Billy Mitchell, 1,05 Mio. Punkte

(Bild: Donkey Kong Forum)

Als technische Beweise für den Betrug führt Jeremy Young im Forum Screenshots und Slow-Motion-Videomaterial auf von verschiedenen Weltrekordversuchen, von echten Arcade-Automaten und aus dem Arcade-Emulator MAME. Ältere Versionen von MAME vor Version 1.27 bauen das Bild anders auf als ein Arcade-Automat: Elemente wie die Donkey-Kong-Leitern oder Stahlträger werden in mehreren Teilschritten erzeugt und dann jeweils gerendert, bis das Bild komplett ist. Am Arcade-Automaten und bei MAME 1.27 oder höher bauen sich Bildelemente dagegen außerdem von einer Seite zur anderen auf (Sliding-Door-Effekt).

Untersucht man nun das Bildmaterial von Billy Mitchell, fällt eine starke Ähnlichkeit zum Bildaufbau der älteren MAME-Versionen auf.

Arcade-Automat

(Bild: Donkey Kong Forum)

Den aktuellen Weltrekord in Donkey Kong hält übrigens Robbie Lakeman inne. Seine 1,23 Millionen Punkte hat er komplett live auf YouTube dokumentiert, um die Echtheit des knapp dreieinhalb Stunden währenden Spiels zu verifizieren.

(acb)

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