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Nach EU- und US-Kritik: Kaspersky beschwichtigt die Australier

Der AV-Hersteller wehrt sich weiter vehement gegen den Vorwurf, für die russische Regierung zu spionieren und will jetzt transparenter werden.

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Nach EU- und US-Kritik: Kaspersky beschwichtigt Australier

Firmengründer Eugene Kaspersky gibt sich kämpferisch. Über Twitter äußert er sich des öfteren auch persönlich zu den Vorwürfen gegen seine Firma.

(Bild: Kaspersky Lab / CC BY 2.0 )

Der russische Anti-Viren-Hersteller Kaspersky ist politisch unter Druck. Nachdem die US-Regierung Software des Konzerns für den Behördeneinsatz verboten hatte, die Holländer nachzogen und auch das EU-Parlament Kaspersky-Produkte als "böswillig" einstufte, versucht die Firma nun wenigstens den australischen Markt zu halten. In der australischen Hauptstadt Canberra traf sich das Unternehmen nun mit der Regierung; in Sydney sprachen Kaspersky-Vertreter mit Reportern über das Thema. Tenor: Die Vorwürfe, die eigenen Produkte spionierten für die russische Regierung, seien komplett erfunden. Kaspersky sei Opfer der globalen politischen Situation geworden.

Russische Programmierer sind gut – und billig

Gegenüber der britischen Nachrichtenseite The Register gab Kaspersky-PR-Chef Anton Shingarev als Grund für die Angriffe die Tatsache an, dass die Firma so viele Programmierer aus Russland beschäftige. Das mache ausländische Regierungen misstrauisch, die Firma sehe aber gar nicht ein, das zu ändern. Die russischen Programmierer leisteten gute Arbeit und vergleichsweise billig sei ihre Arbeitskraft obendrein, erklärten die Kaspersky-Vertreter. Außerdem seien die USA sauer, dass Kaspersky Angriffe offenlege, egal aus welcher Quelle sie stammen – so habe man schließlich auch schon durch staatliche Quellen in den USA ausgeführte Hackerangriffe aufgedeckt.

Kaspersky konnte die Theorie, Opfer geopolitischer Machtspiele geworden zu sein, zwar bei den Gesprächen mit Reportern in Sydney anscheinend nicht direkt belegen, plausibel erscheint die Aussage der Firma allerdings schon. Die Handelskonflikte zwischen den USA, der EU, Russland und China werden schließlich immer offensichtlicher. Auch heise-Security-Chefredakteur Jürgen Schmidt sieht in seiner Analyse des Themas vor allem politische Beweggründe am Werk.

Um seine Kritiker zu überzeugen will Kaspersky transparenter werden. Der Ausflug nach Australien ist Teil einer Transparency Tour des Unternehmens. Es wolle seine Transparenz-Anstrengungen in Zukunft ausbauen und unter anderem ein "Transparenz-Labor" in Zürich eröffnen. Weitere solcher Labore sollen in Nordamerika und Asien folgen. Dort soll es großen Kunden und externen Stellen dann möglich sein, den Quellcode und die Übersetzung desselben in Kaspersky-Produkte zu prüfen. Außerdem plant Kaspersky die eigene Datenspeicherungs-Infrastruktur in die Schweiz zu verlegen, ein Land, das global eher für seine Geheimhaltungsgesetze als für Transparenz bekannt ist. Ob die Initiativen der Firma ihre Kritiker überzeugen können, wird wohl erst zu sehen sein, wenn die Tranparency Labs geöffnet haben. (fab)

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