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Nach Festnahme: Nissan will sich von Renault-CEO Ghosn trennen

Gegen den Renaultchef liegen Vorwürfe des finanziellen Fehlverhaltens auf dem Tisch, die japanischen Behörden ermitteln. Der Konzern zieht Konsequenzen.

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Nissan will sich von Renault-CEO Ghosn trennen

Für Carlos Ghosn stehen bei Nissan-Renault die Zeichen auf Exit.

(Bild: Nissan)

Der Autohersteller Nissan-Renault will sich von Renault-Chef Carlos Ghosn trennen. Der 64-Jährige war wegen Falschangaben gegenüber der Börsenaufsicht von den Behörden vernommen worden. Darüber hinaus gibt es Vorwürfe, Ghosn habe Firmenmittel für private Zwecke verwendet. Nissan-CEO Hiroto Saikawa habe dem Verwaltungsrat deshalb empfohlen, Ghosn umgehend zu entlassen, teilte das Unternehmen am Montag mit. Auch Verwaltungsrat Greg Kelly soll von seinen Aufgaben entbunden werden.

Nach dem Hinweis eines Whistleblowers hatte Nissan in den vergangenen Monaten das Geschäftsgebaren von Ghosn und Kelly untersucht. Die Ermittlungen hätten ergeben, dass Ghosn und Kelly “viele Jahre lang” gegenüber der Tokioter Börse falsche Angaben zu den Bezügen des Renault-CEO gemacht haben, heißt es in der Mitteilung weiter. Wie die japanische Nachrichtenagentur Kyodo meldet, soll er über fünf Jahre insgesamt 5 Milliarden Yen (rund 40 Millionen Euro) zu wenig angegeben haben.

Wegen der Vorwürfe der falschen Angaben gegenüber der Tokioter Börse war Ghosn laut japanischen Medienberichten zuvor festgenommen und verhört worden. Darüber hinaus hat die interne Untersuchung offenbar “zahlreiche weitere Fälle von Fehlverhalten” von Ghosn ergeben, darunter “persönliche Nutzung von Unternehmenseigentum”. Auch darin soll Kelly tief verwickelt sein. Die japanischen Strafverfolgungsbehörden seien von Nissan unterrichtet worden, das Unternehmen kooperiere in vollem Umfang.

Ghosn ist bei den Japanern Verwaltungsratschef und bei Renault gleichzeitig Vorstandschef. Außerdem führt er die gemeinsame Allianz der beiden Autobauer. Ghosns Vertrag als Renault-Chef war erst im Februar um vier Jahre verlängert worden. Mit der Vertragsverlängerung akzeptierte Ghosn, dass sein Gehalt um 30 Prozent gekürzt wird.Die Höhe von Ghosns Gehalt hatte in der Vergangenheit für Auseinandersetzungen mit dem französischen Staat gesorgt. Der heutige Präsident Emmanuel Macron hatte den Autobauer im Jahr 2016 in seiner damaligen Funktion als Wirtschaftsminister bei diesem Thema unter Druck gesetzt, woraufhin Ghosn Zugeständnisse machte. (vbr)