Nach Gamer-Äußerung: Bundesinnenminister Seehofer fühlt sich missverstanden

Bundesinnenminister Seehofer sieht sich nach seinen kritischen Äußerungen gegen die Gamer-Szene nach dem Anschlag in Halle von anderen "gewollt" missverstanden.

Lesezeit: 3 Min.
In Pocket speichern
vorlesen Druckansicht Kommentare lesen 196 Beiträge
Nach Gamer-Äußerung: Bundesinnenminister Seehofer fühlt sich missverstanden

(Bild: JJFarq/Shutterstock)

Von
  • Oliver Bünte

Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) ist verärgert über die Kritik an seiner Äußerung nach dem tödlichen Anschlag von Halle, dass die Gamer-Szene stärker beobachtet werden müsse. "Dieses gewollte Missverstehen ist mittlerweile eine beliebte politische Vorgehensweise geworden", kritisierte Seehofer in der Augsburger Allgemeinen.

Es müssten diejenigen aus der Gamer-Szene ermittelt werden, die die Spieler für ihre Zwecke vereinnahmen. "Wir bekämpfen Verbrecher und Rechtsextremisten und nicht die Bürger und nicht die Gamer", konkretisierte Seehofer seine Äußerungen, die aufgefasst wurden, als würde Seehofer die Gamer-Gemeinde unter Generalverdacht stellen.

Der rechtsextremistische Attentäter von Halle war passionierter Gamer. Vor seiner Tat hatte er einen Ablaufplan veröffentlicht, der wie ein verschriftlichtes Computerspiel wirkt. Seehofer hatte am Wochenende nach dem Anschlag zunächst erklärt: "Viele von den Tätern oder den potenziellen Tätern kommen aus der Gamer-Szene." Manche nähmen sich solche Simulationen geradezu zum Vorbild. "Und deshalb müssen wir die Gamer-Szene stärker in den Blick nehmen." Später warnte er davor, dass Rechtsextremisten Gaming-Plattformen für ihre Zwecke nutzen würden. Seehofer hatte mit seinen Äußerungen breite Kritik in der Opposition, der Bundesregierung und seiner eigenen Partei ausgelöst.

So warnte beispielsweise der bayerische Ministerpräsident und CSU-Chef Markus Söder (CSU) vor Pauschalurteilen gegen die Gamer-Gemeinde. Viele junge Menschen würden Games spielen und seien unverdächtig. Zudem sei die Games-Branche ein wichtiger Wirtschaftszweig. In die gleiche Kerbe schlug die Staatsministerin für Digitalisierung und CSU-Vizechefin Dorothee Bär. Sie stellte heraus, dass Deutschland die Games-Branche stark fördere. Sie nannte zwar nicht Seehofers Namen, sagte aber, dass man sich nicht mit "einem Satz" alles kaputtmachen lassen wolle und fügte hinzu: Das wäre so, als würde man "mit dem Arsch" einreißen, was man jahrelang aufgebaut habe.

Kritik gab es auch aus der SPD unter anderem von SPD-Generalsekretär Lars Klingbeil: "Das Problem heißt Rechtsextremismus, nicht Gamer oder sonst was. Diese Debatte halten wir für absolut falsch." Es gebe ein Problem mit dem Rechtsterrorismus in Deutschland, was Innenminister und Verfassungsschutz nicht erkennen würden. Hier gebe es Handlungsgbedarf.

Seehofer selbst gab an, dass sein Besuch nach dem Anschlag in Halle eine harte Erfahrung gewesen sei, berichtete er. Ein junger Mann habe "Ihr könnt uns nicht beschützen" gerufen: "Das war für mich wie ein Stich ins Herz."

Seehofer sagte weiter, dass er CSU-Veranstaltungen wie dem jüngsten Parteitag bewusst fernbleibe. "Ich will nicht rumwuseln in Bayern und zeigen: Mich gibt's auch noch", sagte der ehemalige CSU-Chef. "Ich mische mich mit keinem einzigen Satz in die Alltagsgeschäfte der CSU oder der Bayerischen Staatsregierung ein." (mit Material der dpa) / (olb)