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Nach Julian Assanges Festnahme: Wikileaks-Helfer in Ecuador festgesetzt

In Ecuador ist ein schwedischer Entwickler festgenommen worden, der zum Umfeld Julian Assanges gehören soll. Was ihm vorgeworfen wird, ist unklar.

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In Ecuador ist ein Mann mit Verbindungen zu Wikileaks festgenommen worden. Laut BBC und Aktivisten handelt es sich um den schwedischen Entwickler Ola Bini. Die Festnahme erfolgte demnach nur Stunden nachdem Wikileaks-Gründer Julian Assange von Polizisten aus Ecuadors Botschaft in London geholt und in Gewahrsam genommen wurde. Gegen Bini laufen Untersuchungen, weil er zu Assanges Team gehörte, twitterte Ecuadors Außenministerium – ohne dabei aber seinen Namen zu nennen. Er habe das Land verlassen und nach Japan fliegen wollen. Weitere Details wurden nicht genannt.

Julian Assange war am Donnerstag in London festgenommen worden, fast sieben Jahre nachdem er vor der britischen Justiz in die ecuadorianische Botschaft geflüchtet war. Der südamerikanische Staat hatte dem Transparenz-Aktivisten vorher den Asyl-Status entzogen und der Polizei erlaubt, in die Botschaft zu kommen. Kurze Zeit später hatte die US-Regierung eine Anklageschrift gegen Assange öffentlich gemacht, in der ihm vorgeworfen wird, der Whistleblowerin Chelsea Manning beim Computereinbruch geholfen zu haben. Um ihn vor Gericht zu stellen, fordern die USA seine Auslieferung. Dem Australier droht demnach eine Höchststrafe von fünf Jahren Gefängnis.

Australiens Premierminister Scott Morrison hat eine Einmischung seiner Regierung in den Fall des Wikileaks-Gründers bereits ausgeschlossen. Das sei "Sache der USA" und habe "nichts mit uns zu tun", sagte Morrison am Freitag laut lokalen Medien. Assange erhalte keine Sonderbehandlung, ihm werde die übliche konsularische Unterstützung gewährt, sagte Morrison dem Sender ABC. "Wenn Australier ins Ausland reisen und mit dem Gesetz in Konflikt geraten, müssen sie sich dem Justizsystem des jeweiligen Landes stellen. Es spielt keine Rolle, welches Verbrechen sie angeblich begangen haben."

Australiens Außenministerin Marise Payne sagte vor Reportern: "Der Auslieferungsprozess selbst findet zwischen den Vereinigten Staaten und Großbritannien statt." Ihr Land sei aber "völlig gegen" die Todesstrafe. Großbritannien habe sich von den USA die Zusicherung eingeholt, dass Assange im Falle einer Auslieferung dort nicht die Todesstrafe drohe, fügte sie hinzu. Der Chef der oppositionellen Grünen Partei, Richard Di Natale, forderte dagegen Australien müsse sicherstellen, dass Assange nicht ausgeliefert werde. "Diese Verhaftung ist ein dunkler Tag für die Pressefreiheit in der ganzen Welt", erklärte er. Für Freitag waren Kundgebungen zur Unterstützung von Assange geplant.

Auch die ehemalige US-Außenministerin und Präsidentschaftskandidatin Hillary Clinton hat sich zu Wort gemeldet. Sie meinte, Assange müsse sich für seine mutmaßlichen Straftaten vor Gericht verantworten: "Das Entscheidende ist, dass er sich für das, was er getan hat, verantworten muss, zumindest so, wie es die Anklage vorsieht."

Wikileaks hatte im Präsidentschaftswahlkampf 2016 E-Mails der Demokratischen Partei veröffentlicht und damit der damaligen Kandidatin geschadet, auch wenn darin nichts inkriminierendes gefunden wurde. Die jetzt öffentliche Anklage der US-Regierung steht damit aber nicht im Zusammenhang. In der geht es um die Zusammenarbeit mit Manning Anfang 2010 und Hintergründe jener Veröffentlichungen, die mutmaßliche Verbrechen des US-Militärs im Irak und Afghanistan öffentlich machten.

US-Präsident Donald Trump, der die Veröffentlichung dieser Geheimdokumente damals kritisiert und für die Verantwortlichen die Todesstrafe gefordert hatte, hatte Wikileaks während seines Präsidentschaftswahlkampfs 2016 wiederum mehrfach in höchsten Tönen gelobt. Nach Assanges Festnahme behauptete er nun, "ich weiß nichts über Wikileaks". (mit Material der dpa) / (mho)