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Nach UTA-Übernahme baut Tele2 Österreich Mitarbeiter ab

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Nach der im Dezember abgeschlossenen Übernahme des zweitgrößten Festnetzanbieter Österreichs UTA durch Tele2 Österreich folgt nun eine Umstrukturierung, die mit dem Abbau jeden vierten Arbeitsplatzes einhergeht. Dies wurde am heutigen Donnerstag bei einer Pressekonferenz unter dem Titel "Mit neuer Struktur fit in die Zukunft" bekannt gegeben. Die Zahl der Stellen (Vollzeitäquivalente) soll von 488 auf 371 gesenkt werden. Dies ist nicht die erste Kündigungswelle für die UTA-Belegschaft. Nach der Übernahme des Providers netway im Jahr 2000 hatte sie 866 Mitglieder gezählt.

Tele2-Chef Norbert Wieser sieht den Grund für den Personalabbau in "regulatorischen Defiziten". Die Kosten für entbündelte Teilnehmeranschlussleitungen seien viel zu hoch, der Wiederverkauf der Anschlussleistung überhaupt blockiert. "Wenn der Endkundenpreis der TA samt Abrechnung und Service 13,30 Euro (netto) beträgt, das nackte Kupfer uns aber für 10,90 Euro vermietet wird, kann das nicht funktionieren." Wieser fordert einen Preis von 6,90 Euro. Unter "verbesserten Rahmenbedingungen" würde Tele2 UTA auch wieder in Entbündelungen investieren.

Insgesamt soll die Umstrukturierung zu Einsparungen von 30 Millionen Euro pro Jahr führen. 20 Prozent davon werden durch die gesenkten Personalkosten erreicht. 80 Prozent kommen unter anderem aus der Zusammenlegung von Infrastruktur der UTA mit jener von Tele2 International sowie einer Harmonisierung von Prozessen und IT-Einrichtungen. Beispielsweise können viele UTA-Softwarelizenzen ersatzlos gestrichen werden, da Tele2 über Lizenzen für ganz Europa verfügt. Auch in anderen Bereichen sollen Vorteile aus dem konzernweiten Einkauf realisiert werden.

Tele2 UTA hat einen Sozialfonds mit einer Million Euro dotiert, die nach mit dem Betriebsrat vereinbarten Kriterien ausgeschüttet werden soll. Zusätzlich gibt es Mittel für Härtefälle. Das Unternehmen wird auch versuchen, Mitarbeiter an befreundete und verbundene Unternehmen zu vermitteln. Bei der Bekanntgabe der Übernahme durch Tele2 hatte der damalige UTA-Chef Günther Ofner gesagt: "Es ist auch aus Sicht der Mitarbeiter eine glückliche Situation. Es könnte einer der wenigen Zusammenschlüsse zweier Unternehmen sein, wo nicht der Mitarbeiterabbau eines der ersten Themen ist, über das gesprochen wird. Ich glaube, es werden alle, die an Bord sind, gebraucht." Er sollte sich geirrt haben. (Daniel AJ Sokolov) / (jk)