Menü

Nach den Anschlägen in Paris: #PorteOuverte und #NousSommesUnis

Nach den Anschlägen von Paris fahndet die Polizei nach den flüchtigen Tätern. Die Spuren führen unter anderem nach Belgien. Dazu die bisherigen Geschehnisse im Protokoll.

Lesezeit: 10 Min.
In Pocket speichern
vorlesen Druckansicht Kommentare lesen 708 Beiträge
Update
Von

In den chaotischen Stunden während der Pariser Anschläge und danach haben viele Menschen soziale Medien genutzt, um sich zu informieren und um Hilfe zu organisieren. Menschen suchten via Twitter nach Freunden und Bekannten.

Zu den Anschlägen in Paris

mehr anzeigen

Pariser boten fremden Menschen, die wegen der prekären Sicherheitslage nicht nach Hause konnten, via Twitter mit dem #PorteOuverte (#OffeneTür) ihre Wohnung an. Facebook hat eine Seite eingerichtet, über die Nutzer sich darüber informieren können, welche ihrer Freunde sich in Paris aufhalten. Und bei Wikipedia gab es eine Live-Seite, auf der versucht wurde, die Nachrichtenlage zusammenzufassen – die zwischenzeitlich aber wieder gelöscht wurde.

Auf sozialen Medien gab es auch die ersten Bilder von Augenzeugen, etwa einen Periscope-Stream von einem Polizeieinsatz. In Twitter, Facebook und Co. ist die Situation aber ebenfalls unübersichtlich gewesen, wie Felix Beilharz berichtet. So war zunächst kaum auseinanderzuhalten, was Fakt ist und was Gerücht. Aber es gab offenbar auch Live-Berichte aus aus der besetzten Diskothek Bataclan. Benjamin Cazenoves etwa berichtete davon, dass er verletzt sei, und die Geiselnehmer "einen nach dem anderen" töten würden.

In einem Posting vom heutigen Morgen gedenkt er den Opfern, die nicht sein Glück hatten und bedankt sich bei der Polizei. Am Tag nach den Anschlägen zeigt sich in den sozialen Medien eine Welle der Solidarität mit den Menschen in Paris. Viele benutzen den Hashtag "NousSommesUnis" (Wir sind vereint), um ihre Solidarität zum Ausdruck zu bringen. Viele haben ihr Profilbild gegen ein stilisiertes Eiffelturm-Icon ausgetauscht.

Mehr Informationen zu den Anschlägen bei Telepolis:

Bei mehreren Anschlägen in der französischen Hauptstadt waren mindestens 129 Menschen getötet worden. Der französische Präsident Hollande hat den Notstand ausgerufen und die Grenzen schließen lassen. Acht der Angreifer starben, sieben davon sprengten sich selbst in die Luft. Die Täter schlugen gezielt nahezu gleichzeitig an verschiedenen Orten zu – das wird im Rückblick deutlich.

  • Freitagabend, 21.20 Uhr: Es gibt eine erste Explosion in der Nähe des Stade de France im Pariser Vorort Saint-Denis. Dort spielt die deutsche Fußball-Nationalmannschaft vor 80 000 Zuschauern gegen Frankreich. An Ort und Stelle werden zwei Leichen gefunden, eine davon wahrscheinlich der Körper eines Sprengstoff-Attentäters.
  • 21.25 Uhr: Im 10. Arrondissement, im Pariser Osten, schießen Täter auf Gäste der Bar «Le Carillon» und des Restaurants "Le Petit Cambodge". Fünfzehn Menschen werden getötet, zehn Opfer bleiben sehr schwer verletzt zurück.
  • 21.30 Uhr: Eine zweite Explosion ereignet sich nahe dem Stade de France. Ermittler finden dort die Leiche eines Mannes mit Sprengstoffgürtel.
  • 21.30 Uhr: Frankreichs Präsident François Hollande verlässt seinen Platz auf der Tribüne des Stade de France und bespricht sich noch vor Ort mit Innenminister Bernard Cazeneuve. Danach wird er zu einer Krisensitzung ins Innenministerium gebracht.
  • 21.32 Uhr: Es gibt eine weitere Schießerei vor der Bar "A la Bonne Bière" im 11. Arrondissement, nicht weit entfernt von der ersten Schießerei. Fünf Menschen sterben, acht werden schwer verletzt.
  • 21.36 Uhr: Durch Schüsse im Restaurant "La Belle Équipe" sterben 19 Menschen, neun werden schwer verletzt.
  • 21.40 Uhr: Im Restaurant "Comptoir Voltaire" sprengt sich ein Selbstmord-Attentäter in die Luft. Ein Mensch wird dabei schwer, weitere Opfer leicht verletzt.
  • 21.40 Uhr: Ein schwarzer Wagen hält vor dem Musikclub "Bataclan". Drei Personen mit Sturmgewehren dringen ein und schießen in die Menge, die dort zu einem Konzert der Band "Eagles of Death Metal" zusammengekommen ist. Sie nehmen Geiseln.
  • 21.53 Uhr: In der Nähe des Stade de France gibt es eine dritte Explosion. Der Körper eines Selbstmord-Attentäters wird dort gefunden.
  • 22.45 Uhr: Das Freundschaftsspiel Deutschland gegen Frankreich endet mit einem 2:0-Sieg der Franzosen. Ein Sprecher kündigt an, wegen "Vorfällen im Umfeld des Stadions" müssten die Zuschauer die Arena nach und nach verlassen. Dies gelingt reibungslos.
  • Die deutsche Mannschaft verbringt die Nacht aus Sicherheitsgründen in der Kabine. Erst in den frühen Morgenstunden werden die Spieler mit Polizeieskorte zum Flughafen fahren.
  • Mehrere Metrostationen werden geschlossen.
  • Gegen Mitternacht: Die Pariser Krankenhäuser werden in den Ausnahmezustand versetzt.
  • Mitternacht: Präsident Hollande spricht im Fernsehen von mehreren Dutzend Toten, vielen Verletzten. Er kündigt den Ausnahmezustand an.
  • 00.15 Uhr: Das Kabinett trifft sich zu einer Sondersitzung.
  • Gegen 00.20 Uhr: Die Polizei stürmt den Musikclub "Bataclan". Die Operation dauert eine halbe Stunde. Drei Terroristen sterben. Einer wird erschossen, die anderen beiden zünden ihre Sprengstoffgürtel. Im Bataclan gibt es 89 Tote und zahlreiche Verletzte.
  • Ab etwa 00.30 Uhr: Mehrere Parteien, darunter die Sozialisten und die rechtsextreme Front National, setzen ihren Wahlkampf für die Regionalwahlen aus.
  • Schulen und Universitäten bleiben am Samstag geschlossen, kündigen die Pariser Behörden an. Alle Schulausflüge an diesem Wochenende fallen aus, teilt das Bildungsministerium mit.
  • Präsident Hollande und Premier Manuel Valls begeben sich gemeinsam mit Innenminister Cazeneuve und Justizministerin Christiane Taubira zum "Bataclan", meldet die Nachrichtenagentur AFP.
  • "Mit größtem Nachdruck" verurteilt der Rat der Muslime in Frankreich (CFCM) die "niederträchtigen und schändlichen Angriffe". "Wir werden diesen Kampf führen, er wird erbarmungslos sein", kündigt Hollande in der Nähe des "Bataclan" an.
  • Gegen 11.00 Uhr: Hollande nennt die Angriffe einen "Kriegsakt" und schreibt sie der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) zu. Er kündigt eine dreitägige Staatstrauer an. Am Montag will er vor beiden Kammern des französischen Parlaments, dem Kongress, sprechen.
  • Der Islamische Staat bekennt sich zu den Angriffen.

Schon jetzt ist klar, dass die Terrorserie von Paris verheerende Auswirkungen hatte. Viele Fragen sind aber auch noch offen.

  • Die Attacken wurden nach neuen Angaben der Staatsanwaltschaft von drei Terroristen-Teams verübt. Sie schlugen am Freitagabend an sechs Orten in Paris und dem Vorort Saint-Denis koordiniert zu. Sie benutzten Sturmgewehre des Typs Kalaschnikow und trugen die absolut gleiche Art von Sprengstoffwesten.
  • Mindestens 129 Menschen wurden getötet, 352 weitere teils lebensgefährlich verletzt. Unter den Toten ist ein Deutscher.
  • Die mit Abstand meisten Opfer gab es beim Überfall auf ein ausverkauftes Konzert in der Konzerthalle "Bataclan". Ein Angreifer wurde laut Staatsanwalt François Molins als 29-jähriger Franzose identifiziert. Der mehrfach Vorbestrafte sei den Behörden wegen seiner Radikalisierung bekannt gewesen, allerdings niemals wegen Verbindungen in Terror-Netzwerke.
  • Auch auf mehrere Cafés und Restaurants in der Nähe des "Bataclan" wurden Anschläge verübt. Drei Explosionen gab es zudem vor dem Fußball-Stadion Stade de France, wo die deutsche Nationalmannschaft gegen Frankreich spielte. Die Leiche eines Selbstmordattentäters wurde in der Nähe gefunden, wie auch ein syrischer Pass.
  • Sieben Terroristen starben. Einer wurde erschossen, sechs sprengten sich in die Luft. Zunächst war von acht getöteten Angreifern die Rede gewesen.
  • Frankreichs Präsident François Hollande machte am Samstag die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) verantwortlich und sprach von einem "Kriegsakt". Der IS bekannte sich in einer zunächst nicht verifizierbaren Erklärung im Internet zu den Anschlägen und kündigte neuen weiteren Terror an.
  • Vorher hatte es geheißen, bei dem Überfall auf das "Bataclan" habe einer der Angreifer "Allah ist groß" gerufen. Die Terroristen begründeten ihre Tat mit der Situation in Syrien und dem Irak begründet. In beiden Ländern fliegen französische Flugzeuge Luftangriffe.
  • Einer der "Bataclan"-Attentäter wurde als der 29-jährige Franzose Omar Ismaïl Mostefaï identifiziert. Der Kleinkriminelle war mehrfach vorbestraft und den Behörden wegen seiner Radikalisierung bekannt, fiel aber bisher nicht im Zusammenhang mit Terrornetzwerken auf.
  • Bei den Überresten eines der Selbstmordattentäter vom Stade de France wurde ein syrischer Pass gefunden. Es verdichten sich die Hinweise, dass dieser Mann und ein weiterer Attentäter gemeinsam als Flüchtlinge getarnt in die EU einreisten. Einer von ihnen, ein 25-Jähriger namens Ahmed Almuhamed, soll am 7. Oktober in Serbien eingetroffen sein. Am 3. Oktober war er laut griechischen Behörden als Flüchtling auf der Insel Leros registriert worden. Nach Medieninformationen aus Polizeikreisen könnte auch sein mutmaßlicher Komplize über die Türkei nach Griechenland eingereist sein. Beide Männer sollen von Leros aus zusammen die Fähre nach Piräus genommen haben.
  • Mindestens einem Terrorkommando scheint zunächst die Flucht gelungen zu sein. Ermittler stellten am Sonntagmorgen östlich von Paris den schwarzen Seat sicher, aus dem heraus die Attentäter die Cafés und Restaurants beschossen hatten. Darin wurden nach Medienberichten drei Kalaschnikows gefunden.
  • In der Nähe des "Bataclan" war zuvor schon ein schwarzer Polo mit belgischem Kennzeichen gefunden worden. Dieser Wagen soll von einem Franzosen angemietet worden sein, der in Belgien lebt. Er geriet am Samstagmorgen in einem dritten Auto in eine Routinekontrolle, mit im Wagen waren mehrere Personen mit Wohnsitz in der Region Brüssel.
  • Der Bruder eines Selbstmordattentäters aus dem Musikclub Bataclan ist möglicherweise auf der Flucht. Die belgische Justiz schrieb den 26-jährigen Abdeslam Salah am Sonntag international zur Fahndung aus. Bereits am Samstag war ein weiterer Bruder des Attentäters in Belgien festgenommen worden.
  • Die Polizei durchsuchte am Samstagabend im Brüsseler Stadtteil Molenbeek mehrere Wohnungen und nahm sieben Menschen fest. Einer der Festgenommenen soll am Freitagabend in Paris gewesen sein. Bei der Aktion wurde auch der Wagen sichergestellt, der am Morgen in die Routinekontrolle geraten war.
  • Die französische Regierung hat den Ausnahmezustand verhängt. In Paris blieben so gut wie alle öffentlichen Einrichtungen wie Museen, Bibliotheken oder Sporthallen am Samstag geschlossen. Auch der Eiffelturm bleibt bis auf weiteres für Besucher gesperrt. Die Hospitäler waren in Alarmbereitschaft.

"Mein Gefühl und meine Trauer müssen irgendwohin", sagt Astrid Hollmann vor der französischen Botschaft in Berlin. Nach der furchtbaren Terrorserie in Paris kommen den ganzen Tag über Menschen an den Pariser Platz vor dem Brandenburger Tor. Fassungslosigkeit, Trauer, Wut und Trotz sind zu spüren. "Unser schönes Europa dürfen wir uns nicht kaputt machen lassen", sagt die 46-jährige Berlinerin und trifft den Nerv vieler. Bis zum Nachmittag versammeln sich mehrere Hundert Menschen vor der Botschaft. Sie stehen in stillem Bedenken beieinander, einzeln oder in Gruppen. Manche fassen sich an den Händen. Gegen 17.00 Uhr leuchtet das Brandenburger Tor in den französischen Nationalfarben Blau, Weiß und Rot auf so wie schon Anfang des Jahres nach dem Anschlag auf das Satiremagazin "Charlie Hebdo".

Menschen legen weiße Rosen mit Trauerflor nieder und zünden Kerzen an. "Unser Beileid Es lebe Frankreich! Es lebe Europa! Es lebe die Menschlichkeit!" steht in Französisch auf einem provisorisch ausgedruckten Foto. "Es ist ein Horror", sagt eine Berlinerin, die erst am Morgen von den Schreckensnachrichten erfahren hat. Dass unschuldige junge Leute sterben mussten wie früher an der Mauer, habe sie besonders betroffen gemacht, sagt sie.

Eine andere junge Frau hat Tränen in den Augen. Ihr Mitgefühl haben vor allem die Rockband und die Besucher in der Pariser Konzerthalle "Bataclan", in der sie selbst schon war. "Dass Menschen angegriffen werden, die einfach nur Spaß haben wollen", findet sie furchtbar. "Liebe braucht die Welt", steht auf einem Zettel mit roten Kerzen.

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) kommt am Nachmittag mit mehreren Ministern zu der weiträumig abgesperrten Botschaft. Als sie sich zu den versammelten Menschen umdreht und ihnen kurz zuwinkt, erhält sie spontan Beifall. Ein einsamer "Abtreten"-Rufer wird leise, aber bestimmt aus der Menge zurechtgewiesen: "Hier geht es ums Gedenken."

"In tiefer Trauer und in großer Freundschaft", schreibt Merkel ins Kondolenzbuch. "...Und wir verteidigen, was Sie in Europa einst ins Leben riefen: Liberté, Egalité, Fraternité", hatte dort kurz zuvor schon Bundespräsident Joachim Gauck versprochen.

Vor der mit Polizeigittern gesicherten Botschaft geht das Leben auf dem geschichtsträchtigen, quirligen Platz an der Ostseite des Brandenburger Tores scheinbar unberührt weiter. Touristengruppen starten ihre Touren durch die Hauptstadt und posieren für ein Foto mit Berlins berühmtestem Wahrzeichen. Im Hintergrund werden die Fahnen am deutschen Parlament wie auf anderen öffentlichen Gebäuden der Stadt auf halbmast gesetzt.

Der Pariser Platz, der seit gut 200 Jahren den Namen der französischen Hauptstadt trägt, hat schon viele Tränen gesehen der Freude wie der Trauer. Im Zweiten Weltkrieg wurde er fast vollständig zerstört und erst nach der Deutschen Einheit wieder aufgebaut. Zu Zeiten der Berliner Mauer war er für die meisten Menschen Niemandsland von Grenzanlagen gesichert und nicht zu erreichen. Umso unvergessener ist Silvester 1989, als Tausende Menschen auf der Mauer euphorisch die Wiedervereinigung feierten.

"Wir werden jetzt solidarisch sein mit unseren französischen Freunden", hatte Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller (SPD) schon zuvor bei einer Parteiveranstaltung versichert. Und: "Wir lassen uns unser offenes und freies Leben nicht kaputt machen."

"In solchen Zeiten muss man sich erst recht solidarisch zeigen", meint auch eine Berlinerin, die mit Blumen und einer Kerze zur Botschaft gekommen war. Mit diesen Worten gibt sie die Kerze dem drei Jahre alte Frederic ab, der mit seinem Vater an der Absperrung steht. Sie wollen der Familie und Freunden in Paris in diesen Stunden ein bisschen näher sein.

"Der Terror ist ein Verbrechen gegen die Menschlichkeit", teilte der Vorsitzende der Islamischen Religionsgemeinschaft Hessen, Kuruyüz, mit. Man müsse sich "gegen alle Extremisten in unseren eigenen Reihen entschieden einsetzen, welche das Leben und die Würde des Menschen verachten und unseren gesellschaftlichen Frieden zerstören wollen", forderte er. Zugleich rief er dazu auf, die Terroranschläge "nicht für Stimmungsmache gegen die Flüchtlinge zu missbrauchen".

er Kirchenpräsident der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau (EKHN), Volker Jung, bat die evangelischen Gemeinden, in den Gottesdiensten der Opfer zu gedenken. Zugleich mahnt er zur Besonnenheit. "Es wäre schlimm, wenn politische Kräfte jetzt in unserem Land daraus Kapital schlagen würden und beispielsweise Migranten plötzlich unter einen terroristischen Generalverdacht stellten", sagte er.

Nach den Terroranschlägen von Paris hat Rheinland-Pfalz seine Polizei und die Hubschrauberstaffel in Alarmbereitschaft versetzt. Schwer bewaffnete Streifen sollen gemeinsam mit der Bundespolizei von der Nacht zum Sonntag an an der Grenze zu Frankreich patrouillieren. Die Beamten werden dazu mit Maschinenpistolen und Schutzwesten ausgerüstet, wie ein Sprecher des Innenministeriums am Samstag in Mainz nach einer Telefonkonferenz der Innenminister sagte. Zudem seien "verdeckte Maßnahmen" geplant. Konkrete Hinweise auf einen bevorstehenden Anschlag gab es aber nicht. Politiker und Kirchenvertreter verurteilten die Anschläge.

Ebenso rüstet die Polizei in Hessen auf. Es sei "eine Reihe offener und verdeckter Maßnahmen ergriffen" worden, teilte Innenminister Peter Beuth (CDU) am Samstag mit, ohne Einzelheiten zu nennen. Er wertete die Anschläge als "eine neue Dimension des Terrors". Die Innenminister der Länder stünden deshalb in ständigem Austausch. Sie vereinbarten unter anderem eine sicherere Ausrüstung von Streifenpolizisten sowie eine Trauerbeflaggung. Auch die Bundespolizei erhöhte ihre Präsenz.

Für den Frankfurter Flughafen kündigte ein Sprecher der Bundespolizei in Potsdam schärfere Kontrollen an. Die Flüge nach Paris stünden "unter besonderer Aufmerksamkeit", sagte er. In Zügen nach Frankreich patrouillierten Streifen. "Im gesamten Zuständigkeitsbereich der Direktion herrscht helle Wachsamkeit und Sensibilität", sagte ein Sprecher der Bundespolizeidirektion Koblenz. Auswirkungen auf den Flugverkehr von Deutschland nach Paris gab es zunächst keine. "Alle Flüge sind planmäßig vorgesehen", sagte ein Lufthansa-Sprecher. Die Frage, ob es zu Auswirkungen auf den Flugbetrieb kommt, hänge davon ab, welche konkreten Maßnahmen die französischen Behörden noch ergreifen. Auch bei Germanwings sollte der Flugbetrieb nach den Worten eines Sprechers normal laufen.

Update 16.11., 08:02 Uhr: Details zu den Ereignissen und zu den Ermittlungen aktualisiert.

Update 15.11., 13:45 Uhr: Weitere Details zur Liste besheriger Erkentnisse hinzugefügt, darunter von dpa gemeldete Spuren der ersten Verdächtigen.

Update 15.11. 13:35Uhr : Abschnitt über die verstärkten Polizeikontrollen und Reaktionen der Religionsvertreter hinzugefügt.

Update 15.11. 13:20 Uhr: Wir haben das Ablaufprotokoll und die bisherigen Erkenntnisse auf den neuesten Stand gebracht.

Update 16.11., 12:00 Uhr:

Die französische Luftwaffe hat in Absprache mit den US-amerikanischen Kräften die syrische IS-Hochburg Al-Rakka bombardiert. Bei den Luftangriffen mit zehn französischen Jagdbombern wurden eine IS-Kommandostelle samt Waffen- und Munitionslager sowie ein Ausbildungslager für Terroristen in Syrien zerstört, wie das Verteidigungsministerium am späten Sonntagabend mitteilte.

Frankreichs Luftwaffe fliegt bereits seit September 2014 als Teil einer US-geführten Koalition Angriffe gegen IS-Stellungen im Irak. Seit September dieses Jahres bombardierte Frankreich mehrfach auch Positionen in Syrien.

Bei der Fahndung nach den Drahtziehern der Terrorserie gab es am späten Sonntagabend eine Hausdurchsuchung im Hauptstadtvorort Bobigny, wie die Nachrichtenagentur AFP unter Berufung auf das Umfeld der Ermittlungen berichtete. Nähere Details zu der Razzia und deren Ergebnissen wurden zunächst nicht mitgeteilt.

Die Regionalzeitung La Dépêche du Midi berichtete zudem über einen Großeinsatz von Spezialeinheiten gegen Islamistenkreise in Toulouse. Laut AFP hängt die Operation nicht nur mit den Ereignissen in Paris, sondern mit dem allgemeinen Anti-Terror-Kampf zusammen: Mindestens drei Personen seien festgenommen und einer Waffe beschlagnahmt worden, hieß es unter Berufung auf Kreise der Staatsanwaltschaft.

Bei den Pariser Anschlägen starben sieben Attentäter – doch befürchtet wird, dass gleich mehrere Komplizen abgetaucht sein könnten. Im Zentrum stehen dabei drei Brüder, von denen einer zu den Selbstmordattentätern im "Bataclan" gehörte, ein zweiter am Samstag in Belgien festgenommen wurde und ein dritter am Sonntag zur internationalen Fahndung ausgeschrieben wurde.

Letzterer könnte Medienberichten zufolge schon längst hinter Gittern sitzen: Demnach stoppten Polizisten den 26-Jährigen Abdeslam Salah und zwei weitere Personen nur Stunden nach den Pariser Anschlägen nahe der belgischen Grenze in einem Auto, ließen sie aber schließlich weiterfahren. Zuvor waren die Grenzkontrollen verschärft worden. Mittlerweile wird gemeldet, dass Salah Molenbeek nahe Brüssel gefasst wurde. Er soll mit Tränengas außer Gefecht gesetzt worden sein.

Die G20-Staaten wollen dem internationalen Terrorismus den Geldhahn zudrehen und die Bewegungsfreiheit von Extremisten einschränken. Das geht aus dem Entwurf der Abschlusserklärung des G20-Gipfels im türkischen Belek bei Antalya hervor, der am Montag der dpa vorlag. Uneinigkeit herrschte noch über den Klimaschutz. Bis zur letzten Minute dauerte das Ringen der Staats- und Regierungschefs über die Beschlüsse vor der Weltklimakonferenz in zwei Wochen.

In seltener Einigkeit sagten die G20 dem Terrorismus den Kampf an. In dem Entwurf heißt es, die Zusammenarbeit zur Austrocknung der Finanzkanäle von Terroristen solle ausgebaut werden. Um den wachsenden Strom von Extremisten einzudämmen, die nach Ausbildung und Kampf in Bürgerkriegsländern in ihre Heimat zurückkehren und eine Terrorgefahr darstellen, sollen die Grenzen besser überwacht werden.

Die Sicherheit im internationalen Flugverkehr wird verstärkt. Gegen Terrorpropaganda auch im Internet soll stärker vorgegangen werden. "Unmissverständlich verurteilen wir alle terroristischen Taten, Methoden und Praktiken, die unter keinen Umständen gerechtfertigt werden können, unabhängig von ihrer Motivation." Terrorismus dürfe mit keiner Religion, Nationalität, Zivilisation oder ethnischen Gruppe in Verbindung gebracht werden, heißt es in dem Entwurf weiter.

Großbritannien wird seine Geheimdienste massiv aufstocken, kündigte der britische Premierminister David Cameron an. 1900 neue Stellen würden geschaffen. Auch die Ausgaben für die Sicherheit auf Flughäfen würden verdoppelt, zitierte die Nachrichtenagentur Press Association. Großbritannien habe in den vergangenen Monaten sechs Terroranschläge verhindert. Cameron plädierte erneut dafür, dass britische Militärs an Luftangriffen auf Stellungen der Terrormilizen IS auch in Syrien teilnehmen – bislang fliegen britische Piloten nur im Irak Angriffe.

(mit Material der dpa) / (jo)