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Nach der 5G-Auktion: Jetzt kommt ein vierter Netzbetreiber

Die Auktion ist vorbei und die Netzbetreiber planen ihre Zukunft mit 5G. Doch in der ist noch viel unsicher – auch weil die Branche geklagt hat.

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(Bild: heise online/vbr)

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Endlich ist es vorbei. Nachdem die Versteigerung der 5G-Frequenzen zu Ende gegangen ist, macht sich in der Branche Erleichterung breit – aber auch Ernüchterung. Die etablierten Netzbetreiber lecken nach der geschlagenen Schlacht ihre Wunden und wollen das viele Geld am liebsten zurückbekommen. Die Politik hingegen hat eigene Vorstellungen, wie es jetzt weitergehen soll. Für viele stehen aber die großen Gewinner schon fest: Neben 1&1 sind das die Verbraucher – auch wenn die auf 5G noch warten müssen.

Bei knapp 6,6 Milliarden Euro war am Mittwochabend der letzte Hammer gefallen. Das ist eine Menge Geld, das den Netzbetreibern jetzt für den Ausbau des Netzes fehlt. Soweit sind sich fast alle einig. Netzwirtschaft und Politik erneuern deshalb ihre Kritik an an der Bundesnetzagentur, das Auktionsdesign und der Zuschnitt der Frequenzen hätten maßgeblich dazu beigetragen, dass die Lizenzen so teuer geworden sind. "Das Auktionsdesign der Bundesnetzagentur war alles andere als optimal", moniert Telekom-Deutschlandchef Dirk Wössner.

"Die Netzbetreiber wurden in ein Auktionsverfahren gezwungen", meint auch Bitkom-Chef Achim Berg. Die Anbieter müssen nun Milliarden für die Nutzungsrechte hinblättern. "Diese Investitionsmittel fehlen den Netzbetreibern jetzt", ergänzt eco-Vorstand Klaus Landefeld, der sich andere Vergabebedingungen gewünscht hätte. Die Bundesnetzagentur weist die Kritik zurück verweist auf eine erfolgreiche Auktion, die einem vierten Netzbetreiber den Markteintritt ermöglicht habe: "Davon dürften nicht zuletzt die Verbraucher profitieren", sagte eine Sprecherin.

Den Netzbetreibern wäre es lieber gewesen, die Behörde hätte die Frequenzen im Antragsverfahren vergeben und mit klaren Ausbauauflagen versehen. Stattdessen haben die vier Bieter bei der Auktion bis zuletzt erbittert um einen 10-MHz-Block im 3,6-GHz-Band gerungen. Die 300 MHz, die zur Auktion standen, reichen nicht, um alle Wünsche der vier Bieter zu befriedigen. Telekom und Vodafone beanspruchten je 90 MHz, Telefónica 70 MHz und 1&1 Drillisch 60 MHz – zusammen sind das 310 MHz. Schließlich hat sich der Newcomer mit 50 MHz zufrieden gegeben und so den Weg für das Auktionsende geebnet.

Die Netzbetreiber sind sauer, weil eigentlich mehr Spektrum da ist: die Bundesnetzagentur hatte einen dicken Batzen des 3,6-GHz-Bandes reserviert, mit dem die Industrie eigene lokale 5G-Netze aufbauen soll. Diese sogenannten Campusnetze sind nicht öffentlich und sollen nur der internen Versorgung von Industriestandorten dienen. Das Interesse bei deutschen Unternehmen ist groß und erste Projekte laufen schon, doch die Vergabebedingungen stehen noch nicht endgültig fest.

"Die Zuteilung von 100 Megahertz Industriespektrum ohne Bedarfsanfrage ist ohne Zweifel rechtswidrig", sagt Telefónica-Chef Markus Haas. "Da werden wir uns hoffentlich auch gerichtlich durchsetzen können." Telefónica hatte wie andere Unternehmen gegen die Vergabebedingungen geklagt. Auch wenn sie bei Campusnetzen nicht grundsätzlich außen vor sind, wie das gemeinsame 5G-Projekt von Telekom und Osram zeigt, kritisieren die Carrier den großzügigen Schnitt zugunsten der Industrie. "Diese 100 Megahertz werden im bundesweiten 5G-Netz für lange Zeit fehlen", mahnt Vodafone-Chef Hannes Ametsreiter.