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Nach der WM ist vor der WM: Der RoboCup geht los

1996 ins Leben gerufen, ist das Hauptziel der Robocup-WM trotz diverser Nicht-Fußball-Ligen immer noch, bis zum Jahr 2050 den menschlichen Fußballweltmeister zu schlagen. Mittlerweile dominieren auch die Humanoiden den Roboter-Fußballwettbewerb.

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In João Pessoa in Brasilien, dem östlichsten Ort Amerikas, wird am Sonntag um 15 Uhr Ortszeit (20 Uhr MESZ) die diesjährige RoboCup-Weltmeisterschaft offiziell eröffnet. Unterdessen haben die angereisten Teams längst damit begonnen, ihre Roboter zusammenzubauen und zu testen. Die eigentlichen Wettkämpfe starten erst am Montag und laufen bis Donnerstag. Am Freitag schließt ein wissenschaftliches Symposium die gesamte Veranstaltung ab.

Der RoboCup ist 1996 ins Leben gerufen worden mit dem Aufruf zur Teilnahme an der ersten RoboCup-WM, die 1997 in Nagoya stattfand. Damals war es noch ein reiner Fußballwettbewerb, der in drei Disziplinen ausgetragen wurde: für zweidimensionale Softwareagenten (2-D Soccer Simulation), für kleine (Small Size) sowie für mittelgroße (Middle Size) rollende Roboter. Die Kategorie "groß" blieb zunächst offen, um eines Tages von humanoiden Robotern gefüllt zu werden, die bis zum Jahr 2050 in der Lage sein sollen, den menschlichen Fußballweltmeister zu schlagen.

Die Ligen bei der RoboCup-WM, die German Open 2014 und das Endspiel 2013 (20 Bilder)

Die Roboter in den Fußball-Ligen müssen vollständig autonom operieren. In der Standard-Plattform-Liga kommt der Humanoide Nano von Aldebaran Robotics zum Einsatz. Alle Teams nutzen die gleiche Hardware - es kommt auf die Software an, die die einzelnen Teams entwickeln.
(Bild: Robocup-WM)

Mittlerweile dominieren die Humanoiden den Fußballwettbewerb, vorerst aber noch überwiegend im Zwergenformat bis etwa 60 Zentimeter Körpergröße (Kid Size). In der Adult Size bis 180 cm waren sie dagegen bislang noch recht wacklig auf den Beinen. Um das Fußballturnier herum haben sich zudem weitere Wettbewerbe etabliert, bei denen Roboter sich als Rettungshelfer, Haushaltshilfen und Produktionsassistenten bewähren müssen. Neben RoboCup Major, dessen Teilnehmer überwiegend von Universitäten und Forschungsinstituten kommen, gibt es den Nachwuchswettbewerb RoboCup Junior für Schülerinnen und Schüler.

Bei den RoboCup German Open im April hatten viele Teams noch geschwankt, ob sie angesichts der teuren Anreise an der WM teilnehmen würden. Dennoch sind auch in diesem Jahr deutsche Teams wieder gut vertreten. Bemerkenswert sind auch die Anmeldungen zur Middle Size League, die sich mehr und mehr zu einem Duell zwischen Niederlande und China zu entwickeln scheint: Beide Länder haben jeweils zwei neue Teams zu der schon totgesagten Liga angemeldet.

In der 2D-Soccer-Simulation machten in den letzten Jahren regelmäßig die Teams WrightEagle (China) und HELIOS (Japan) das Finale unter sich aus. Die Gliders vom australischen Forschungsinstitut CSIRO haben aber schon im letzten Jahr ihre Entschlossenheit gezeigt, in diese Spitzengruppe vordringen zu wollen. Das soll mithilfe taktischer Überlegenheit gelingen. "Die Grundfertigkeiten sind bei den Teilnehmern mittlerweile weitgehend gleich", begründen sie ihren Ansatz. "Die Topteams erreichen ihre Dominanz daher durch taktische Flexibilität statt durch weitere Optimierung von Basisverhalten."

Die Gliders wollen mithilfe von Voronoi-Diagrammen die schwächste Stelle in der Abwehr des Gegners finden. Der Ansatz ließe sich auf andere RoboCup-Ligen übertragen ebenso wie auf menschliche Mannschaftssportarten, vermuten sie.

7:1 gegen WrightEagle? Nicht ausgeschlossen. (Dr. Hans-Arthur Marsiske) / (jk)

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