Menü

Nachrichten: Europäer informieren sich in sozialen Netzen und lieben ihre Öffentlich-Rechtlichen

Vor allem die jungen Europäer finden ihre Nachrichten auf Facebook & Co.. Die meisten sind sich dabei bewusst, von wo die Meldungen stammen. Das hat eine Umfrage in acht Staaten ergeben.

Viele Europäer finden Nachrichten in sozialen Netzen und lieben ihre Öffentlich-Rechtlichen

(Bild: StockSnap)

Deutsche und Franzosen finden Nachrichten mehrheitlich nicht über soziale Netzwerke, während anderswo in Europa mehr als die Hälfte der Erwachsenen auch über Facebook & Co. auf Nachrichten stößt. Das ist eines der Ergebnisse einer Umfrage der US-Meinungsforscher vom Pew Research Center zum Nachrichtenkonsum in Dänemark, Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Italien, den Niederlanden, Schweden und Spanien. Eine nicht unerhebliche Minderheit jener, die über soziale Netze Nachrichten finden, achten demnach nicht darauf, aus welchen Quellen die stammen. Das gilt demnach besonders für Franzosen, Niederländer und Italiener. In Schweden achten besonders viele auf die Quelle.

Die Umfrage fördert außerdem zutage, dass der Effekt der sogenannten Echokammern offenbar überschätzt beziehungsweise falsch eingeschätzt wird. In allen acht Staaten haben die Befragten angegebenen, dass sie in persönlichen Gesprächen häufiger auf ihre eigenen Meinungen treffen als in sozialen Netzen und dort wiederum öfter auf Nachrichten stoßen, die ihren Ansichten widersprechen. Außer in Großbritannien trifft dies demnach auch dann zu, wenn man die Menschen nach politischen Meinungen sortiert. Das Vereinigte Königreich ist demnach in diesem Fall die Ausnahme, dort finden Linke deutlich häufiger als Rechte Nachrichten in sozialen Netzen, die ihren Ansichten entsprechen.

Populistische Ansichten und der Graben zwischen Rechts und Links haben der Umfrage zufolge auch nur eine geringe Auswirkung auf das Verhalten der Menschen. Wer populistische Ansichten hege, informiere sich in Deutschland, Frankreich, Italien und Spanien häufiger in sozialen Netzen, in den restlichen vier Staaten dagegen nicht. Während in Deutschland, Spanien und Großbritannien Menschen, die sich über soziale Netze informieren merklich weniger Vertrauen in die Medien haben, ist das in Italien anders herum. Die Abstände sind mit wenigen Prozentpunkten aber jeweils nicht groß. Für alle Befragten gilt dagegen: Wer sich nur selten über soziale Netzwerke informiert, kennt häufiger auch die Quellen der Nachrichten nicht – oder interessiert sich nicht dafür, woher die Nachrichten stammen.

Wenn in Europa von sozialen Netzen als Nachrichtenquelle die Rede ist, meint das demnach fast ausschließlich Facebook. Danach folgt weit abgeschlagen Twitter, das zumindest in Spanien und Großbritannien etwas wichtiger ist als in den anderen Staaten. Alle restlichen sozialen Netze werden vom Pew Research Center unter "Andere" einsortiert. Diese Gruppe ist zumindest in Deutschland für 20 Prozent von jenen, die sich auf sozialen Netzen informieren die wichtigste – Facebook für 64 Prozent. Auch wenn das Bild insgesamt ähnlich ist, unterscheiden sich die Europäer hier von den US-Amerikanern. Dort ist Facebook zwar ebenfalls die wichtigste Nachrichtenquelle unter den sozialen Netzen, der Abstand zum Rest ist aber geringer.

Ein weiterer Vergleich zeigt die Unterschiede beim Nachrichtenkonsum: Während in den USA private Medien und sogar Facebook die Liste der wichtigsten Nachrichtenquellen anführen, landen in allen acht untersuchten Staaten in Europa öffentlich-rechtliche Sender ganz oben oder auf Platz 2 (Dänemark und Frankreich). So bezeichnen 32 Prozent der Deutschen die ARD, beziehungsweise eine regionale Rundfunkanstalt, als ihre wichtigste Nachrichtenquelle – vor dem ZDF (7 Prozent) und dem Spiegel (6 Prozent). Von den Briten sagen das sogar 48 Prozent über die BBC. In den USA landete dagegen Fox News auf dem Spitzenplatz, vor CNN und Facebook. Der öffentliche Radiosender NPR erreicht lediglich Rang 8, die nicht-kommerzielle Senderkette PBS sogar nur Rang 24 – unter anderem hinter Google, Yahoo, Youtube, Twitter, der BBC, Reddit, dem Drudge Report und MSN.

Für die Umfrage in den europäischen Staaten wurden in den untersuchten Staaten jeweils rund 2000 Menschen telefonisch in ihrer Landessprache (in Spanien nur in Spanisch) befragt. Für Deutschland etwa wurden Ende 2017 insgesamt 1983 Personen über Festnetz- oder Mobiltelefon angerufen. Die Umfrage ist in Bezug auf die acht europäischen Staaten repräsentativ für die jeweils erwachsene Bevölkerung. (mho)

Anzeige
Zur Startseite
Anzeige