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Nachrichten-Websites bitten: Adblocker abschalten

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Mit einer konzertierten Aktion fordern die Anbieter mehrerer deutscher Online-Nachrichtenportale ihre Leser dazu auf, Adblocker zumindest auf ihren Seiten abzuschalten. Die Nutzer von Süddeutsche.de, faz.net, golem.de, RP Online, Spiegel Online und Zeit Online werden mit einer Botschaft konfrontiert, wenn sie diese Angebote mit einem aktivierten Adblocker aufrufen.

Während sich Adblocker und manche Werbetreibende in den vergangenen Jahren teilweise ein Wettrüsten lieferten, bei dem Nutzer von Adblockern immer wieder kurzfristig von bestimmten Angeboten abgewiesen wurden, setzen die Nachrichten-Websites in ihrer aktuellen Kampagne auf eine Konsens-Lösung. Den Lesern wird der Zutritt zu der Seite nicht verwehrt, sondern nur ein Hinweis angezeigt.

"Adblocker blockieren die wichtigste Einnahmequelle unserer Online-Redaktion", schreibt beispielsweise Süddeutsche.de-Chefredakteur Stefan Plöchinger. Laut Angaben des Verlags haben mittlerweile so viele Nutzer Werbeblocker installiert, dass bei einem Viertel der Seitenabrufe die Auslieferung von Werbung verhindert wird. Online-Werbung ist für viele Online-Redaktionen die einzige relevante Einnahmequelle. Bisher haben nur wenige deutsche Angebote Paywalls eingeführt, bei denen nur zahlende Leser unbeschränkt Artikel lesen können. Darüber, ob solche Bezahllösungen ausgebaut werden sollen, wird seit langem laut nachgedacht, wie zuletzt auf der Berliner Konferenz re:publica.

"Installiert werden die Programme meistens wegen anderer Seiten im Netz, die mit störender Werbung überfrachtet sind", meint Plöchinger. Bei Süddeutsche.de seien kleine, blinkende Werbungen durch größere Anzeigenformate ersetzt worden, so dass nun halb so viel Werbung wie zuvor gezeigt werde. Auch andere Redaktionen verweisen darauf, dass sie ihre Angebote von "aggressiven Werbeformen" freihielten, die auf anderen Webseiten üblich seien. Gleichzeitig bekommen die Nutzer der teilnehmenden Portale eine ausführliche Klick-für-Klick-Anleitung geliefert, wie sie die Angebote in eine Ausnahmeliste eintragen können.

Doch die Auffassung, welche Werbeformen als zu aufdringlich gelten, unterscheidet sich stark. So haben die Entwickler des besonders verbreiteten Werbefilters Adblock Plus Ende 2011 das Programm "Acceptable Ads" aufgelegt, bei dem sich Seitenbetreiber in einer Ausnahmeliste eintragen lassen können, wenn sie garantieren, Bedingungen wie zum Beispiel einen kompletten Verzicht auf Bewegtbildwerbung einzuhalten. Doch obwohl die Ausnahmeliste im vergangenen Jahr stark angewachsen ist, fehlen hier noch prominente redaktionelle Medien. Nach Angaben der Entwickler hat Adblock Plus mittlerweile mehr als 44 Millionen aktive Nutzer, von denen 32 Millionen das Plugin für Firefox, 12 Millionen die Chrome-Variante nutzen.

Auf "Acceptable Ads" verweisen die Entwickler von Adblock Plus auch in ihrer Stellungnahme zur Aktion der Nachrichten-Websites. Dort entscheide die Community, "welche Anzeigen unaufdringlich und informativ sind und den Nutzern von Adblock Plus beim Surfen eingeblendet werden". Zertifizierte Werbung erreiche eine größere Reichweite und mehr Klicks als die übliche Online-Werbung.

Die Online-Werbeindustrie sei aber größtenteils noch nicht innovationsfreundlich genug, um sich auf Alternativen einzulassen, meint Adblock Plus. Viele hätten das Internet nicht verstanden und kopierten einfach das Konzept der TV-Werbung, möglichst große Aufmerksamkeit zu erzielen. Im Internet ließen sich Nutzer aber nichts aufzwingen und können mit Hilfe von Tools selbst entscheiden, welche Werbung sie akzeptieren.

[Update 14.05.2013 8:37]:

Auf Anfrage von heise online bezeichnete Stefan Plöchinger von sueddeutsche.de die Anforderungen von Adblock Plus als weltfremd, sie seien auf dem Werbemarkt nicht durchsetzbar. "Die Haltung der Adblocker-Hersteller wirkt inzwischen verkrampft, wie eine Ausrede, um ja nicht mit der eigenen Praxis brechen zu müssen – koste es andere, was es wolle", erklärte der Chefredakteur. Adblocker förderten gerade nicht die weniger aufdringlichen Anzeigenformate: Je weniger Geld durch die bestehenden Werbung eingenommen werde, um so weniger könnten sich Online-Medien gegen noch drastischere Werbeformen wehren. (Torsten Kleinz) / (anw)

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