Nahverkehr: Dobrindt will einheitliche digitale Fahrkarten für alle Städte

Mit der App der heimischen Verkehrsbetriebe in fast allen deutschen Städten Fahrscheine lösen – das ist noch Zukunftsmusik. Laut einem Plan von Verkehrsminister Dobrindt soll es 2019 soweit sein.

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(Bild: dpa, Rainer Jensen)

Von
  • Axel Kannenberg

Verkehrsminister Dobrindt (CSU) plant Berichten zufolge ein einheitliches digitales Ticketsystem für öffentliche Verkehrsmittel in Deutschland. Laut einem Aktionsplan des Bundesverkehrsministeriums, der Zeitungen der Funke-Gruppe vorliegt, sollen Fahrgäste bis 2019 in nahezu allen deutschen Städten mit derselben elektronischen Chipkarte oder einer Smartphone-App Fahrscheine bezahlen können.

Diese Initiative soll den Kunden von 370 Verkehrsunternehmen zu Gute kommen, was dem Bericht nach rund 75 Prozent der Bevölkerung wären. Aktuell sind ein Großteil der Fahrkarten immer noch aus Papier. Allerdings bieten immer mehr Verkehrsbetriebe Smartphone-Apps für den bargeldlosen Fahrkartenkauf.

Auch das eTicket-Deutschland-System, hinter dem der Verband deutscher Verkehrsunternehmen (VDV) sowie diverse Verkehrsverbünde stehen, erfreut sich immer größerer Beliebtheit: Viele Verkehrsbetriebe geben dafür eine kontaktlose Chipkarte aus, die je nach Ausbaustufe Ticketzahlung, Ticketspeicherung und automatische Fahrpreisberechnung beherrscht. Laut Betreibergesellschaft waren 2016 bereits 14 Millionen solcher Karten im Einsatz.

"Wir brauchen deutschlandweite Mobilitätsplattformen, die überregional Fahrgastinformationen verknüpfen und die Buchung von eTickets ermöglichen", sagte Dobrindt den Zeitungen. Mittelfristig solle man mit dem System auch Mietwagen leihen oder Parkhausgebühren begleichen können. Dieses und nächstes Jahr sollen zunächst 16 Millionen Euro in zehn verschiedene Projekte fließen, die die Vernetzung der Verkehrsbetriebe fördern.

Manche Verkehrsbetriebe lehnten zentrale Plattformen aber ab oder neigten zur digitalen Insellösung. Laut Bericht mangelt es bislang etwa an einer gemeinsamen Datenbank für alle Tarife Deutschlands. Ebensowenig gebe es eine übergreifende Abrechnungsstelle, die Zahlungen umleiten kann, wenn etwa Kunden aus Berlin Tickets in München mit Chipkarte oder Handy-App ihres heimischen Verkehrsbetriebs kaufen.

Der Aufbau eines zentralen Clearinghauses solle noch kommende Woche beginnen und 2018 abgeschlossen sein. Das Bundesverkehrsministerium fördere dies mit 840.000 Euro, die gleiche Summe komme noch vom Verband der Deutschen Verkehrsbetriebe (VDV) dazu. Dies sei aber nur ein Beginn der Vernetzung der Systeme, erklärte Nils Zeino-Mahmalat, Geschäftsführer der VDV eTicket Service, den Zeitungen. Zu große Erwartungen wolle er noch nicht wecken, die Aufgabe sei gerade für kleinere Verkehrsbetriebe gewaltig: "Wir werden nicht eines Morgens aufwachen, und der vernetzte öffentliche Personenverkehr ist da."

Gespräche zwischen Bundesverkehrsministerium und ÖPNV-Spitzen über die verstärkte Vernetzung laufen bereits seit 2015, Mitte vergangenen Jahres wurde eine gemeinsame Roadmap veröffentlicht. So wollen die Verkehrsbetriebe unter anderem im Projekt IPSI ("Interoperable Produkt-Service-Interface") die volle Kompatibilität zwischen ihren Ticket-Systemen auf Basis der VDV-Kernapplikation herstellen. 2020 will man damit am Ziel sein. (axk)