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Napster appelliert an die Musikindustrie

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"Das ist ein Streit, der beigelegt werden sollte." Mit diesen Worten appellierte Napster-Chef Hank Barry nach der mündlichen Anhörung über die einstweilige Verfügung gegen die Musik-Tauschbörse an die Musikindustrie. Warner, Univerisal, Sony und EMI hätten während des Verfahrens weit härtere Maßnahmen verlangt, als sie das Berufungsgericht vorgesehen habe, meinte Barry, der bezeichnenderweise die Bertelsmann Music Group nicht mehr erwähnte – obwohl die Musik-Abteilung des deutschen Medienriesen, der mit Napster eine Allianz einging, ihre Klage offiziell noch nicht zurückgezogen hat. An die vier anderen Majors gerichtet, meinte der Napster-Chef, man müsse eine Lösung erreichen, die sowohl für de Verbraucher funktioniere als auch den Künstlern Einnahmen verschaffe.

Das Berufungsgericht hatte entgegen der ursprünglichen einstweiligen Verfügung der ersten Instanz entschieden, Napster müsse zwar nicht komplett vom Netz, die Firma müsse aber die Möglichkeit unterbinden, über den Dienst illegale, nicht-lizenzierte Kopien von Musikstücken zu tauschen. Napster hatte während der Verhandlung am gestrigen Freitag angekündigt, bestimmte Musikstücke zu blockieren, über deren illegalen Tausch man von der Musikindustrie und von Musikern informiert worden sei. Dies hält Barry für einen Einigungsvorschlag, der den Festlegungen des Berufungsgerichts genüge; außerdem habe man schon durch die Ankündigung, einen Abo-Service mit Gebühren einzuführen und der Musikindustrie eine Milliarde US-Dollar an Lizenzabgaben zu zahlen, gezeigt, dass man auf eine friedliche Lösung des Konflikts aus sei. Die Forderungen der Industrie liefen dagegen darauf hinaus, Napster komplett zu schließen. "Wir kämpfen darum, die Napster-Community und das Erlebins des File-Sharing über Napster zu erhalten", betonte Barry.

Inzwischen argumentiert Napster offensichtlich nicht mehr damit, der Dienst sei für Aktionen seiner Nutzer gar nicht verantwortlich, die die Urheberrechte von Künstlern und Labels verletzten. Die Tauschbörse hatte immer dargelegt, das private Tauschen von Musikkopien sei erlaubt; wenn nun User den Dienst für illegales Tauschen einsetzten, könne Napster genauso wenig dafür verantwortlich gemacht werden wie die Hersteller von Videorecordern für das illegale Kopieren von Filmen. Von dieser Argumentation ist in den letzten Tagen nichts mehr zu hören: Napster betont immer wieder, es gehe darum, sicherzustellen, dass die Inhaber der Urheberrechte angemessen honoriert würden. Dafür möchte Napster aber nur eine Pauschallizenz zahlen statt mit den einzelnen Label getrennte Vereinbarungen über Lizenzen für die jeweiligen Musikstücke zu treffen, die über den Dienst laufen. Eine solche Pauschallizenz lehnt die Mehrheit der Majors momentan allerdings noch ab.

Derzeit konzentriert sich der Streit auf die Methode, wie nicht-lizenzierte Musikstücke von der Tauschbörse auszuschalten sind. Napster möchte von den Labels Listen haben, die Song-Titel und Künstlername enthalten, darüber hinaus aber auch einen oder mehrere Dateinamen von MP3-Files, unter denen die entsprechenden Songs über Napster getauscht werden. Diese werde man dann im Index der Napster-Server blockieren. Die Musikindustrie will aber nur die Songtitel und Urheber der Titel benennen, die Napster vom Tausch ausschalten soll – es sei dann Sache von Napster, die eigenen Server daraufhin zu überwachen, dass die zugehörigen MP3-Dateien blockiert würden, egal, unter welchen Dateinamen sie auftauchten. Dies verweigert Napster bislang mit der Argumentation, dies sei technisch nicht machbar. Man wolle aber mit der Musikindustrie zusammenarbeiten, um eventuell wechselnde Dateinamen herauszubekommen. Dafür könne man alle zwei Wochen ein Gremium aus Napster- und Musikindustrievertretern einberufen. Napster werde, sobald die Musikindustrie die Namen einzelner MP3-Dateien liefere, diese jeweils innerhalb von drei Werktagen aus dem Suchindex herausnehmen – ein Zeitraum, der der Musikindustrie viel zu lang ist.

Immherin begrüßte Hillary Rosen, Chefin der Vereinigung der US-Musikindsutrie (RIAA), schon einmal die freiwillige Einführung von Song-Filtern durch Napster. Dies könne ein erster Schritt zu einem legalen Online-Musikmarkt sein. Allerdings erwartet sie von der Richterin Marilyn Hall Patel, die in den nächsten Tagen die überarbeitete einstweilige Verfügung gegen Napster veröffentlichen will, härtere Auflagen für die Tauschbörse: "Wir hoffen auf eine Verfügung, die klar macht, das der Teil von Napsters Geschäft, der die Urheberrechte verletzt – nämlich Musik zu nehmen, die ihnen nicht gehört, und sie weiterzugeben – beendet werden muss." Demgegenüber bittet der Napster-Chef die Musikindustrie geradezu flehentlich: "Lassen Sie uns nie aus den Augen verlieren, dass die Mitglieder der Napster-Community weltweit die leidenschaftlichsten Musikfans und die besten Kunden der Industrie sind." Nur eines vergaß Barry offensichtlich zu erwähnen: Gleichzeitig müssten diese Kunden die zahlreichen zentralisierten und dezentralen Alternativen zu Napster aus den Augen verlieren, damit Napster nicht zu einer leeren Hülle wird, mit der auch Bertelsmann nicht mehr viel anfangen kann.

Siehe dazu auch: Napster blockiert nicht-lizenzierte Musikstücke. (jk)