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Nationalakademie will nicht im Elfenbeinturm sein

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Um eine Nationale Akademie der Wissenschaften wurde in Deutschland mehr als ein Jahrzehnt gestritten – vor knapp einem Jahr, am 14. Juli 2008, wurde die Leopoldina in Halle laut einem Beschluss der Gemeinsamen Wissenschaftskonferenz von Bund und Ländern feierlich dazu ernannt. Als Nationalakademie repräsentiert sie die deutsche Wissenschaft in internationalen Gremien, pflegt Kontakte und arbeitet mit Akademien im Ausland zusammen.

Die Entscheidung für die in Ostdeutschland ansässige naturwissenschaftlich-medizinischen Akademie löste in der Wissenschaftslandschaft nicht nur Zustimmung aus. Das Alter der Leopoldina allein qualifiziere sie nicht automatisch für die neuen Aufgaben, gaben Kritiker zu Bedenken. Zur einjährigen Bilanz als Nationalakademie sagt Präsident Volker ter Meulen: "Unser größter Erfolg in dieser neuen Funktion ist, dass wir keine Diskussion im Elfenbeinturm führen, sondern als Stimme der Wissenschaft von Politik und Öffentlichkeit gehört werden." Die Aufgabe der Leopoldina sei es, Brennpunkte der Gesellschaft zu benennen – ob demografischer Wandel, Klima und Umwelt oder Infektionskrankheiten.

Bundesforschungsministerin Annette Schavan (CDU) betont, die Leopoldina als Nationale Akademie der Wissenschaft bearbeite in voller Unabhängigkeit wichtige gesellschaftliche Zukunftsthemen. "Sie bringt sich aktiv in die wissenschaftsbasierte Beratung von Gesellschaft und Politik ein." Konkret werden zum Beispiel Stellungnahmen und Empfehlungen abgegeben. Eines der drängendsten Zukunftsthemen ist "Altern in Deutschland". Der demografische Wandel sei keine Bedrohung, sondern biete viele Chancen, wenn die politischen Weichen richtig gestellt werden, heißt es in einer Empfehlung der Akademie.

Grundlage für das Gelingen der Arbeit der Nationalen Akademie ist nach Ansicht von Schavan "ein gut durchdachtes, funktionierendes Konzept, das die Stärken der deutschen Wissenschaftslandschaft bündelt." Dabei arbeite die Leopoldina mit anderen wissenschaftlichen Einrichtungen eng zusammen, so mit Vertretern der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften (BBAW) und der anderen Länder-Akademien sowie der Deutschen Akademie für Technikwissenschaften (acatech) und den deutschen Wissenschaftsorganisationen.

Die Leopoldina wurde 1652 in Schweinfurt gegründeten und ist seit 1878 in Halle ansässig. Zu ihren derzeit 1300 gewählten Mitgliedern in mehr als 30 Ländern zählen über 30 Nobelpreisträger, im Namensarchiv gibt es davon 170. Berühmte Wissenschaftler wie Albert Einstein, Charles Darwin, Max Planck, Niels Bohr gehörten der Akademie an. Der heutige Präsident Volker ter Meulen ist in Würzburg an der Universität Professor für Klinische Virologie und Immunologie.

Die Leopoldina mit derzeit rund 35 Mitarbeitern soll im Stadtbild von Halle eine stärkere Präsenz bekommen. Bis 2012, so Schnitzer-Ungefug, soll die Sanierung des neuen Hauptgebäudes in der Innenstadt beendet sein. Dazu wurden Fördermittel in Höhe von 15,7 Millionen Euro aus dem Konjunkturpaket II der Bundesregierung zugesagt. (Petra Buch, dpa) / (dpa) / (anw)

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