Nationale Corona-App: Fraunhofer will Datenspende-Funktion zuliefern

Die Fraunhofer-Gesellschaft will auch nach dem Umsatteln der Regierung helfen, eine "ganzheitliche" technische Lösung zu entwickeln.

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(Bild: ra2studio/Shutterstock.com)

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Vorige Woche noch hatte die Fraunhofer-Gesellschaft ihren Ansatz für eine zentrale Server-Lösung bei der geplanten deutschen App fürs Nachverfolgen von Coronavirus-Infektionsketten verteidigt. Nachdem die Bundesregierung am Wochenende einen radikalen Kurswechsel hin zu einem dezentralen Ansatz ankündigte, zeigt sich die größte europäische Forschungsorganisation aber flexibel: Sie will einen Gesichtsverlust vermeiden und nun auch die neue Linie weitgehend unterstützen.

"Der unermüdliche Einsatz der Bundesregierung, der begrüßenswerte gesamtgesellschaftliche Diskurs – national wie international – und die intensive Vorarbeit führender deutscher Forschungsorganisationen wie Fraunhofer und auch Helmholtz haben Wirkung gezeigt", machte Fraunhofer-Präsident Reimund Neugebauer am Sonntag gute Miene zu dem Spiel, in dem der Wissenschaftsverbund nicht immer punkten konnte. Zugleich kündigte er an, dass die Organisation nun vor allem die – wiederum nicht ganz unumstrittene – geplante Zusatzfunktion für eine "Datenspende" fortentwickeln und zuliefern wolle.

"Für Deutschland können wir unter Federführung der Bundesregierung nun eine App-Lösung weiterverfolgen, die sowohl auf eine dezentrale Lösung bei der Datenspeicherung setzt und zugleich Nutzern ermöglicht, dank Fraunhofer-Technologie epidemiologisch relevante Forschungsdaten freiwillig und unter voller Berücksichtigung des Datenschutzes an das Robert-Koch-Institut (RKI) zu übermitteln", betonte Neugebauer. Die Fraunhofer-Gesellschaft werde ihre bisherigen Entwicklungen "in den Dienst" dieses neuen Ansatzes stellen.

"Die großen Anbieter im Markt der Mobiltelefon-Betriebssysteme stärken derweil den Datenschutz bei ihrem Plattform-Ansatz für Tracing-Apps", begrüßte Neugebauer die am Freitag angekündigten Nachbesserungen bei der vorgesehenen Bluetooth-Schnittstelle für Hinweise auf Kontakte mit Infizierten von Apple und Google.

Die "Umsetzung einer ganzheitlichen Lösung" werde Fraunhofer so "im Schulterschluss und in fortlaufendem Austausch mit dem Bundeskanzleramt, dem Bundesgesundheitsministerium, dem RKI, der Helmholtz-Gemeinschaft sowie Partnern aus der Kommunikationsindustrie" wie der Deutschen Telekom und SAP verfolgen, unterstrich Neugebauer. Das Helmholtz-Institut CISPA hatte dem gemeinschaftlichen Projekt PEPPT-PT vorige Woche den Rücken gekehrt, da es auf einem dezentralen Ansatz beim Austausch von Warnhinweisen bestand.

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Am Mittwoch hatte die Fraunhofer-Gesellschaft sich dagegen noch überzeugt gezeigt, dass bei dem Tracing-Projekt "das staatliche Gesundheitswesen die Souveränität darüber haben muss, nach welchen Kriterien Risikoberechnungen, Handlungsempfehlungen und Rückmeldungen innerhalb eines solchen Systems erfolgen". Werde ein Nutzer positiv auf Covid-19 getestet, könne der Benachrichtigungsprozess von Personen mit erhöhtem Ansteckungsrisiko gestartet werden: Dazu sollten "die verschlüsselt auf dem Telefon gespeicherten kurzzeitig gültigen Bitfolgen und die zugehörigen Messdaten zum Server übertragen" und dort "den zufälligen Kennzeichnungen der Apps" auf Basis der RKI-Empfehlungen zugeordnet werden.

Das Heinrich-Hertz-Institut von Fraunhofer, das als Mitgründer von PEPP-PT bereits Tests für eine Bluetooth-Lösung mit der Bundeswehr durchgeführt hat, will dem Vernehmen nach nicht mehr aktiv an einer dezentralen Lösung mitwirken. An dem Projekt waren beziehungsweise sind aus dem Verbund zudem das Institut für Angewandte und Integrierte Sicherheit (AISEC) sowie das Institut für Integrierte Schaltungen (IIS) maßgeblich beteiligt.