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Nato: Cyberraum wird offiziell zum Operationsfeld

Die Nato rüstet sich weiter für den Cyberkrieg, indem sie Netzoperationen als militärisches Einsatzgebiet neben Luft, See und Land anerkennt. Der Schritt sei nicht gegen ein spezielles Land gerichtet, es gehe um die Verteidigung.

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Cyberangriffe

Die Nato hat den Cyberraum offiziell zum Kriegsschauplatz ernannt. Netzoperationen gelten künftig bei dem nordatlantischen Bündnis genauso zum militärischen Einsatzbereich wie Aktivitäten der Streitkräfte in der Luft, zu Wasser oder auf dem Land. Darauf haben sich die Verteidigungsminister der Mitgliedsstaaten laut Agentur- und Medienberichten bei einem Treffen in Brüssel verständigt. Details sollen auf dem Nato-Gipfel in Warschau im Juli bekanntgegeben werden.

Die Abwehr von Cyberangriffen sei Teil der gemeinsamen Verteidigungslinie, erklärte Nato-Generalsekretär Jens Stoltenberg am Rande der Zusammenkunft. Das Internet und der virtuelle Raum seien mittlerweile Bestandteil jedes "hybriden" militärischen Konflikts, sodass der bisherige Fokus der Allianz erweitert werden müsse. Zudem erfolgten immer mehr Cyberangriffe auf die Kommunikationsnetzwerke der Nato, sodass diese besser geschützt werden müssten.

Stoltenberg betonte, dass die Entscheidung sich nicht gegen ein spezielles Land richte. Insgesamt stehe die Verteidigung und die Abwehr auf eigene Computersysteme der Mitgliedsstaaten im Vordergrund. Es gehe darum, Schutzbemühungen effizienter zu organisieren und zu koordinieren. Dass Cyberoperationen in der Regel auch Angriffskomponenten einschließen, umging der Norweger.

Der Beschluss fällt in eine Zeit, in der russische Hackergruppen wie Sofacy alias APT 28 oder Fancy Bear verstärkt mit massiven Cyberattacken etwa auf den Bundestag, die US-Demokraten, die CDU oder den französischen Sender TV5 Monde in Verbindung gebracht werden. 2014 hatten sich die Nato-Partner nach langem Hin und Her darauf verständigt, dass ein Cyberangriff einen Kriegsakt darstellen und die Schutzbestimmungen nach Artikel 5 des Bündnisvertrags auslösen könnten, wonach die Allianz gemeinschaftlich einem attackierten Mitglied zu Hilfe kommen kann.

An Methoden zur Verteidigung im Internet und zur elektronischen Kriegsführung feilen Wissenschaftler im Auftrag der Nato bereits seit 2008 an einem eigenen Forschungszentrum in der estnischen Hauptstadt Tallinn. Sie haben vor allem beratende Funktion.

2013 veröffentlichte das Institut ein Cyberwar-Handbuch mit 95 Regeln für Netzoperationen. Prinzipiell gilt es als schwierig, hochentwickelte Hackerattacken einzelnen Angreifern und dahinterstehenden Mächten zuzuschreiben. Einschlägige Erkennungsmöglichkeiten will die Nato im Rahmen der neuen Initiative verbessern. (Stefan Krempl) / (jk)

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