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Negroponte hofft auf Mitarbeit der Open-Source-Gemeinde beim 100-Dollar-Laptop

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Nicolas Negroponte, Gründer und Chef des Media Lab am Massachusetts Institute of Technology (MIT) hat zusammen mit UN-Generalsekretär Kofi Annan heute auf dem Weltgipfel der Informationsgesellschaft in Tunis den 100-Dollar-Laptop vorgestellt. Nach der Vorgabe "One laptop per child" soll er nicht im freien Handel erhältlich sein, sondern künftig an Bildungsministerien in den entsprechenden Staaten verkauft und an Schüler verteilt werden. Negroponte bezifferte die Investitionen des Media Lab in das Projekt mit 35 Millionen US-Dollar. Er begrüßte den im Publikum anwesenden Alan Kay, der als Erfinder des Laptop gilt.

Kofi Annan und Nicolas Negroponte bei der Vorstellung des 100-Dollar-Laptop.

Das WLAN-fähige Gerät wird mit einem AMD-Prozessor und mit Linux betrieben und soll die meisten Aufgaben wie ein hierzulande übliches Gerät bewältigen können. Der Preis von etwa 100 Dollar wurde vor allem mit dem Einsatz besonders billiger Displays erzielt. Negroponte schloss nicht aus, dass der Preis etwas über dieser Grenze liegen kann. Für die Stromversorgung verfügt das Gerät alternativ über eine kleine Handkurbel, mit der sich der Akku wieder aufladen lässt. Eine Minute Kurbeln soll für 10 bis 30 Minuten Notebook-Betrieb ausreichen.

Das Design des Laptop weicht nun von dem im September vorgestellten ab. Das Gehäuse wurde etwas geändert und verfügt nun über einen größeren "Henkel". Das Grün dürfte der Zielgruppe mehr behagen als das Grau des Vorgängermodells. Für Negroponte war die Farbwahl mit eine der "schwierigsten Entscheidungen". Für ihn drückt das Grün etwas Positives aus, es sei weder feminin noch maskulin.

Der Laptop lässt sich rückwärtig umklappen.

Negroponte führte vor, wie das Gerät sich als gewöhnliches Notebook benutzen lasse und auch so klappen, dass die Tastatur hinter der Rückseite des Displays verschwindet und aus dem Laptop ein Abspielgerät wird. Die Cursor-Tasten lassen sich dabei weiter bedienen. Negroponte bezeichnete die in dem Gerät verwendete Open-Source-Software als Schlüsseltechnologie für den Bildungssektor in Entwicklungsländern. Die Software solle für sämtliche Länder lokalisiert werden, in denen der Laptop angeboten wird. Negroponte hofft hier auf die Mitarbeit der Open-Source-Gemeinde.

Zunächst soll der Laptop in sechs Ländern eingeführt werden. Erste Gespräche sind nach Angaben von Negroponte bereits in China, Brasilien, Argentinien, Nigeria, Thailand und Ägypten geführt worden. Brasilien bezeichnete er als ideales Land, da dort der Respekt vor Autoritäten nicht so sehr ausgeprägt sei. "Wer Samba tanzen kann, kann auch einen Computer bedienen", meinte Negroponte. In anderen Ländern gebe es Unwägbarkeiten wie zum Beispiel schnelle Regierungswechsel.

Einen Hersteller für das Gerät konnte er noch nicht präsentieren. Das Media Lab führe derzeit Gespräche mit fünf Herstellern, ein nicht näher benannter habe bereits starkes Interesse gezeigt. Bis März 2006 sollen die Verhandlungen abgeschlossen sein. Negroponte spekuliert darauf, dass die erzielten Einsparungen bei der Herstellung des Laptop nicht dem Shareholder Value zugute kommt, sondern allein den Kindern.

Zum 100-Dollar-Laptop siehe auch:

Zum zweiten UN-Weltgipfel siehe auch:

Zu den Ergebnissen des 1. WSIS siehe auch: (anw)

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